Die Berge rufen! Dieses Jahr hatten wir uns die nördliche Karwendelkette für unsere alljährliche Hüttenwanderung ausgeguckt. Ausgangspunkt war Seefeld in Tirol. Kommentar meiner Mutter: Oh, Seefeld ist schön, da habe ich mal ein Tennisturnier gespielt. Alles klar, Mama! 😉
 

Viel Spaß beim Lesen meines Tourenberichts!
 

1. Tag: Seefeld - Solsteinhaus

  • über Reither Spitz, Nördlinger Hütte, Ursprungssattel, Freiungen Höhenweg
  • insgesamt 550 Höhenmeter
  • mäßig schwierig und mäßig schwierig bis schwierig
  • 4-5 Stunden

Da wir aus unterschiedlichen Richtungen kommen und der Großteil auch erst morgens angereist ist, treffen wir uns um 10.30 Uhr. Und zwar bei perfektem Wetter: strahlend-blauer Himmel, Sonne und eine leichte Brise. Hier tauschen wir die luftigen Flip Flops und Sandalen gegen unsere Bergstiefel, präparieren uns ausreichend mit Sonnencreme und besprechen dabei den Tag. Gleich muss die erste Entscheidung getroffen werden: eine lange Tour von circa 9,5-10 Stunden oder die ersten Höhenmeter mit der Gondel überwinden und dann 5 Stunden bis zur ersten Unterkunft gehen? Aufgrund der für Wanderungen doch recht späten Startzeit entscheiden wir uns für die Gondel und lassen uns mit Bergtouristen mit Sandalen und Halbschuhen an den Füßen den Berg hochtragen bis zum Seefelder Joch. Von dort aus machen wir uns mit vielen anderen auf den angenehm ansteigenden Weg zur Seefelder Spitze, für viele schon das Endziel ihrer Wanderung. Einige der Ausflügler begleiten uns noch bis zur Reither Spitze, um dort das schöne Panorama zu genießen und ein Gipfelkreuzfoto zu schießen. Auf dem weiteren Weg lässt der Trubel schon etwas nach. Noch bis zur Nördlinger Hütte, wo wir eine kurze Getränkepause machen, sind noch einige Wanderer unterwegs. Die bisher zurückgelegten Höhenmeter waren mäßig schwierig und daher genau richtig zum Eingewöhnen.
 

Auf dem weiteren Weg sind wir plötzlich allein und können so die Berge auf uns wirken lassen. Aber auch nur in den Pausen, denn der Freiungen Höhenweg hat es ganz schön in sich. Der gesamte Weg ist als Steig gekennzeichnet und mit einem schwarzen Punkt versehen, das heißt, dass er als schwierig eingestuft wird. Und die Einstufung bekommen wir auch zu spüren. Wir müssen genau schauen, wo wir hintreten, zahlreiche ausgesetzte, steile Stellen erfordern Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Aber: gerade das sind die Stellen, die uns am meisten Spaß machen! Der insgesamt sehr anspruchsvolle Weg geht erst im letzten Teil in einen einfacheren Fußweg über, was den Abstieg zum Solsteinhaus, unserer ersten Unterkunft, etwas angenehmer gestaltet. Dort angekommen gibt es erstmal ein erfrischendes Bergsteiger-Getränk, um die verlorene Flüssigkeit wieder wettzumachen. Das Resümee: für den ersten Tag war das ganz schön anstrengend!
 

Da noch etwas Zeit bis zum Essen ist, gehe ich erst einmal duschen. Für 2,50 Euro bekommt man eine Marke und die Aussage: 90-50-90. Häh??? 90 Sekunden läuft das Wasser zum nass machen, dann 50 Sekunden Pause zum einschäumen und dann nochmal 90 Sekunden Wasser zum Schaum entfernen. Die Bedenken, ob das reicht, erweisen sich als völlig überflüssig. Die ersten 90 Sekunden werden ganz schön lang, denn nass werden geht schnell. Ich nutze die restliche Zeit, um schon mal die Haare einzuschäumen, dadurch werden die 50 Sekunden zum Einseifen dann auch gleich sehr lang... seife ich mich zu Hause jemals sooooo gründlich ein???? Nun gut, die 90 Sekunden zum Schaum entfernen sind auf jeden Fall ausreichend. Vielleicht liegt es auch an meinen kurzen Haaren, dass ich so schnell fertig bin?
 

Frisch geduscht schmeckt das Bergsteiger-Essen dann doppelt gut. Deftiges Gröstl und dazu ein leckeres Weizen, das schmeckt! Gegen 20 Uhr fangen wir alle nacheinander an zu gähnen und die Frage taucht auf: können wir schon ins Bett gehen? Nicht zu früh, denn wir wollen ja nicht um 5 schon wieder wach sein... Hüttenruhe ist um 22Uhr, da liegen wir dann auch brav in unserem Hüttenschlafsack. Wir haben das Glück, dass genau über uns schräge Dachfenster sind und wir so den tollen Sternenhimmel betrachten können, bevor uns ziemlich schnell die Augen zufallen.
 

2. Tag: Gipfeltag mit Tagesgepäck

  • Großer Solstein: 800 Höhenmeter, ca. 3 Stunden
  • Kleiner Solstein: vom Großen Solstein noch weitere 200 Höhenmeter, 1 Stunde

Am nächsten Tag haben wir es nicht eilig, da wir eine weitere Nacht im Solsteinhaus verbringen werden und für den Tag eine Tagestour auf zwei Gipfel geplant ist. Der Weg auf den Großen Solstein ist zwar als leicht ausgegeben, aber es sind dennoch 800 Höhenmeter, die man bewältigen muss. Bei bestem Wetter machen wir uns auf den Weg und kommen dann auch recht zügig voran. Das Gipfelkreuz auf 2541 m ist nach 2,5 Stunden erreicht.
 

Eigentlich war danach noch der kleine Solstein mit 2637 m geplant, allerdings hatte uns der Hüttenwirt vom Solsteinhaus vor einem kniffeligen Schneefeld gewarnt. Nach kurzer Diskussion entscheiden wir: wir gehen mal ein Stück näher ran und gucken mal. Ja klar, nur gucken... Auf dem Weg zum kleinen Solstein kommen wir an eine Abzweigung Richtung Neue Magdeburger Hütte. Kurze Beratung: ist es nicht besser, eine kleine Runde über die Magdeburger Hütte zu gehen und von dort aus wieder zurück zum Solstein zu gehen, als auf dem Weg zum Gipfel des Kleinen Solstein umdrehen und dann denselben Weg wieder zurückgehen zu müssen? Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass der morgige Tag mit 6-8 Stunden und mäßig schwierigem Gelände ansteht?
 

Wir schauen kurz in die Karte und bekommen dann den Spruch zu hören, der uns den Rest der Tour begleiten wird: Da geht man ja quasi nur an den Höhenlinien entlang auf dem Rückweg von der Magdeburger Hütte zum Solsteinhaus, also alles ganz entspannt. Da macht es auch nichts, dass der Abstieg zur Neuen Magdeburger Hütte mit einem schwarzen Punkt versehen ist. Es geht ja schließlich nur bergab.
Also machen wir uns über Schutt- und Geröllfelder auf den Weg zur Neuen Magdeburger Hütte. Ziemlich anstrengend, ich persönlich finde Abstiege generell nicht so schön wie Anstiege und rutschiges Geröll oder Schutt, in den man zentimetertief einsinkt, sind auch nicht meine Favoriten. Aber: mitgehangen - mitgefangen. Ich beiße die Zähne zusammen und nach einer Weile kommt man in so einen Flow, man konzentriert sich darauf, wo und wie man die Füße hinsetzt und lässt sich auch schon mal vom Schutt einfach ein bisschen hinuntertragen. Nach ungefähr der Hälfte des Abstiegs fängt wieder der Bewuchs an und der Untergrund wird etwas angenehmer. Hier müssen wir nun wiederum auf die Baumwurzeln acht geben. Dennoch können wir Gas geben und kommen nach etwas mehr als einer Stunde an der Hütte an. Auf dem Schild angegeben waren 2 Stunden, so sind wir ganz schön stolz auf uns und gönnen uns ein leckeres alkoholfreies Weizen und eine Johannisbeerschorle.
 

Der Tom schaut noch einmal in die Karte und gibt plötzlich ein "Oh" von sich, das uns hellhörig werden lässt. Auf Nachfrage eröffnet er uns, dass wir wohl zwei Steige übersehen haben, einer davon ein Kamin. Gepunktet besagt (erneut):  schwierig. Das "oh" war also auch noch vollkommen gerechtfertigt. Der Achillessehnen-Verletzte unserer Gruppe findet diese Neuigkeit weniger witzig. Wir machen uns also auf den Weg. Der Gang entlang der Höhenlinie ist auch recht entspannt, allerdings haben es die beiden Steige auch wirklich in sich.
 

Spaß machen sie aber allemal und am Solsteinhaus angekommen schmeckt der Kuchen dann erst recht. Das Fazit des Tages: ein entspannter Tag sieht eigentlich anders aus, aber gerade die schwierigeren Abschnitte haben mal wieder sehr viel Freude bereitet!
 

3. Tag: Solsteinhaus - Pfeishütte

  • über Gipfelstürmerweg, Frau Hit Sattel, Seegrube, Mandlscharte
  • 1200 Höhenmeter
  • 6-8 Stunden
  • mäßig schwierig

Der 3. Tag beginnt erst einmal gemächlich mit sanftem Auf und Ab. Besonders schön ist auch, dass wir mal über grüne Wiesen mit farbenfrohen Blumen und Kräutern gehen und nicht nur über Geröll. Dort treffen wir auch eine Kuhherde. Die Tiere sind sehr aufmerksam und wirken ein wenig angriffslustig, das liegt wohl daran, dass sie ihre Kälber dabei haben.
 

Wir sehen zu, dass wir zügig an ihnen vorbeigehen, damit sie schnell wieder zur  Ruhe kommen. Da wir wissen, dass wir einen recht weiten Weg vor uns haben, ist unser Tempo sowieso recht flott. Auf einmal werden die Wiesen wieder durch Geröll abgelöst und es geht in steilen Serpentinen bergab. Jeder findet sein eigenes Tempo und sieht zu, dass er den Weg nach unten schafft, ohne sich ernsthaft auf den Bart zu legen. Konzentriertes Schweigen macht sich in der Gruppe breit. Nach einer Weile wird der Weg weniger steil und die Unterhaltungen frischen wieder auf. An einem Schneefeld vorbei führt der Weg nun wieder entspannt ohne nennenswerte Steigung weiter zwischen Geröllfeldern entlang. Und plötzlich tauchen Schilder auf, die nur einen Rückschluss zulassen: Wir haben eine Abzweigung verpasst!
 

So ein Mist... Wir schauen noch einmal auf die Karte und vermuten, dass die Abzweigung noch nicht so lange her sein kann. Wir gehen zurück und halten die Augen offen. Wir kommen wieder zum Schneefeld und sehen beim hinaufblicken oben am Felsen eine Markierung. Das erklärt einiges: das Schneefeld versteckt den eigentlich Weg unter sich. Wir kämpfen uns das Geröll hinauf und entdecken nach dem ersten steilen Anstieg ein Schild, dass von seiner Halterung gerissen wurde. Vermutlich auch durch Schnee und Geröll. So konnten wir den richtigen Weg fast gar nicht entdecken. Hier wird auch klar, warum der Tom morgens früh gesagt hatte: Das wird ein Ritt zur Frau Hitt.
 

Es geht steil bergauf, kurze Steige, aber hauptsächlich mal wieder Schutt und Geröllfelder. Wir arbeiten uns langsam den steilen Hang hinauf und sehen oben ein weiteres Schneefeld. Dort scheint jemand zu arbeiten, Steine und Schnee rutschen den Hang hinunter. Wir erreichen das Schneefeld und den Arbeiter. Wir müssen noch kurz warten und dürfen dann den neuen Weg begehen, den Hajo in mühevoller Arbeit freigeschaufelt hat. Vorsicht ist geboten, bis so ein Weg sich setzt, müssen so einige Wanderer dort entlanggehen. Die letzten Meter hoch zum Frau Hitt Sattel sind noch einmal steil und anstrengend.
 

Oben empfangen uns zwei Wanderer, die ihr Brot verzehren und dabei den herrlichen Blick genießen. Wir gehen noch ein Stück weiter, bis wir einen Platz finden, der uns allen eine Sitzgelegenheit bietet. Mit Blick auf Innsbruck füllen wir unsere Energiereserven wieder auf. Viel Zeit lassen wir uns nicht, denn einige Wolken sehen doch recht regenschwanger aus. Der Wirt des Solsteinhauses hatte uns morgens schon gesagt, dass am Nachmittag eventuell Gewitter möglich sein könnten.
 

Wir machen uns schnell auf den Weg weiter Richtung Seegrube. Diese erreichen wir nach insgesamt 5,5 Stunden. Mit Blick auf das Wetter und vor allem auf die bereits hinter uns liegenden Strapazen entscheiden wir uns für eine kurze Gondelfahrt. Von der Bergstation sind es auch noch gut 2 weitere Stunden bis zur Pfeishütte, der Adlerweg ist außerdem noch mit einigen Ansteigen gespickt. Als wir nach 7,5 Stunden an der Pfeishütte ankommen, empfangen uns neben supernetten Wirtsleuten auch Sonnenstühle auf der Terrasse. Von Regen oder Gewitter keine Spur mehr, wir können unsere Kaltgetränke in der Sonne genießen. Es ist eine Wohltat, endlich die Schuhe auszuziehen. Bis abends sitzen wir draußen, später gesellt sich unser Wegbereiter Hajo noch zu uns und erzählt uns, dass er ursprünglich nur einem befreundeten Hüttenwirt bei der Instandhaltung der Wege geholfen hat und dass sich daraus dann seine Tätigkeit für den Österreichischen Alpenverein entwickelt hat. Es sind noch zwei weitere Mitglieder des ÖAV auf der Hütte, die den Weg, den wir am nächsten Tag gehen wollen, gerade herrichten. Die Wege werden durch heftige Regenfälle und die Schneeschmelze ausgeschwemmt und müssen daher, je  nach Wetter, mehrmals im Jahr überprüft werden. Die Arbeiter bekommen einen Obolus vom Alpenverein, aber wegen des Geldes ist keiner der drei hier oben unterwegs. Die Liebe zu Bergen, der Spaß an der (oft harten) Arbeit und Verantwortungsgefühl sind die Gründe für ihren Einsatz.
 

4. Tag: Pfeishütte - Bettelwurfhütte

  • über Stempeljoch, Wilde Bande Steig
  • 500 Höhenmeter
  • 4 Stunden
  • mäßig schwierig

Am nächsten Tag starten wir nach einem guten Frühstück Richtung Stempeljoch. "Nach dieser Schlüsselstelle ist es ein Spaziergang...." so die Aussage des Hüttenwirtes. Das Schneefeld sei mit Vorsicht zu genießen. Der Weg hoch zum Stempeljoch ist vom Anstieg her human, auf der anderen Seite im Abstieg geht es dann aber zur Sache.
 

Die Jungs des ÖAV waren den Tag vorher schon fleißig und so ist ein Drittel des Weges ganz gut zu gehen. Es geht steil hinunter, wieder mal auf Schutt und Geröll. Für unsere Wanderstöcke, die uns in dem rutschigen Gelände wieder mal guten Halt geben, sind wir alle mehr als dankbar. Wir nähern uns dem besagten Schneefeld, das recht breit ist und an einem ziemlich steilen Hang liegt. Respekteinflößend liegt es vor uns, nacheinander queren wir es mit großer Vorsicht. Auf der anderen Seite schnaufen wir erst einmal durch.
 

Nüsse, Müsliriegel und ein ordentlicher Schluck aus der Wasserflasche geben uns nach diesem Abstieg neue Energie für den restlichen Weg. Dieser ist tatsächlich fast ein Spaziergang. Kurz vor der Hütte begegnen wir noch einer Gruppe Gämsen, die den Hang mühelos den Hang hinauf- und hinunterjagen und sich am Ende auf einem der Schneefelder zusammenfinden. Ein toller Anblick!
 

Die Bettelwurfhütte erreichen wir nach knapp vier Stunden. Diese hat eine einladende Sonnenterrasse über einem steil abfallenden Hang. Wir genießen die Spezialität der Bettelwurfhütte: Most mit Holundersaft und Wasser, sehr lecker! Die Überlegung, noch einen Gipfel zu machen, bleibt genau das: eine Überlegung. Wir verbringen den Nachmittag auf der Hütte in netter Gesellschaft und sehen den Wolken zu, wie sie sich zusammenziehen. Das angekündigte Gewitter braut sich zusammen und gegen 18 Uhr geht es los. Blitz, Donner, bizzare Wolkengebilde und starker Regen, faszinierend! Wir denken: "Gut, dass wir so etwas nicht unterwegs erlebt haben!" und: "Die Arbeit der ÖAV-Mitglieder an den Wegen wird morgen sicher wieder von vorne beginnen müssen." Sisyphos lässt grüßen.
 

5. Tag: Abstieg nach Hall

  • 1500 Höhenmeter bergab

Die erste Hälfte des Weges nach Hall geht noch einmal richtig in die Beine, zumindest bei mir. Und auch meine Fußballen lassen mich wissen: Abstieg finden sie eigentlich nicht so toll. Das Gute daran: die Blasen am Hacken spüre ich kaum 😉  Bei einer kurzen Pause haben wir noch einmal einen wunderbaren Blick zurück zur Bettelwurfhütte.
 

Am Parkplatz in Hall angekommen warten wir in der Sonne auf das Taxi, das uns nach Seefeld bringt. Dort genießen wir alle erst einmal, dass wir endlich wieder warm duschen können. Auf der Pfeishütte gab es nur kaltes Wasser, auf der Bettelwurfhütte nur einen Waschraum, keine Dusche. So lernt man auch die alltäglichen Dinge wieder zu schätzen. Wir fühlen uns wie neu geboren und schlendern durch Seefeld. Ganz schön viel Trubel nach der Einsamkeit in den Bergen. Leute gucken macht aber nach wie vor Spaß!
 

Spruch des Urlaubs: Wir gehen quasi nur an den Höhenlinien entlang!
 

Das Fazit des Urlaubs: schön wars mal wieder!
 

Informationen zu den Hütten und möglichen Touren bekommt ihr beim DAV und ÖAV. Eine Mitgliedschaft empfehle ich nicht nur wegen der vergünstigten Übernachtungspreise sondern auch, weil ihr über die Mitgliedschaft versichert seid und weil ihr so die Vereine unterstützt.
 

Karten: Alpenvereinskarten 5/1, Karwendelgebirge West und 5/2, Karwendelgebirge Mitte

Früher war alles besser. Früher sind wir ins Sauerland gefahren, um den “Fels anzufassen”. Mit Zelt, übers Wochenende und abends Lagerfeuer. Dann kamen die Falken. Diese – zugegebener Maßen – schützenswerten Vögel suchten sich ausgerechnet die schönste Kletterwand als Nistplatz aus. Vorbei war es hier mit dem Klettern.  So einige Klettergebiete im Sauerland sind auch heute während der Brutzeit von Uhu und Falke gesperrt.
Klettern und Erholung im Landschaftspark Duisburg s

Klettern und Erholung im Landschaftspark Duisburg

Heute ist alles besser. Heute sind wir in kürzester Zeit in unserem Klettergebiet. Wir können Klettern ohne Ende und uns nach getaner “Arbeit” bei einem entspannten Grillabend erholen. Nachdem Mauern und Brückenpfeiler als erste Möglichkeiten für unser urbanes Klettern herhalten mussten, gibt es nun für uns im Ruhrgebiet einen fast vollständigen Ersatz für das Klettererlebnis am echten Fels. Ausgerechnet im “Kohlenpott” steht heute die größte Outdoor-Kletteranlage Deutschlands, der “Klettergarten Emscherpark” im renaturierten Landschaftspark Duisburg Nord. Zunächst entdeckten einige Kletterer das Terrain für sich, 1990 übernahm die DAV Sektion Duisburg die Betreuung und den Ausbau der Anlage. Stück für Stück arbeiteten viele freiwillige Helfer an den verschiedenen Routen. Zum Teil sind diese mit Hilfe aufgeschraubter Klettergriffe gebaut, zum Teil wird die Struktur der erodierten Wände genutzt. Gerade dieser Umstand macht das Klettern spannend. Hier ist nicht wie in einer Kletterhalle Griff an Griff geschraubt und du weißt wo es langgeht. Hier musst du dir den Weg selber suchen. Der Schwierigkeitsbereich von 2 – 9 deckt sowohl die Ansprüche von Anfängern als auch von Profis ab. “Schweine im Weltall”, “Schluss mit Lustig”, “Schiss vorm Riss” – das sind nur einige Namen der Routen, die davon zeugen, dass es abseits der Griffe jede Menge selbst zu entdecken gibt. Jeder Erstbegeher kann “seine” Route selbst benennen. Inzwischen gibt es circa 400 Kletterrouten – Langeweile ist also ausgeschlossen. Alle Routen sind übrigens ausschließlich im Vorstieg zu begehen. Wenn ihr glaubt, dass euch der Regen einen Strich durch die Rechnung macht: Ein Sektor ist überdacht – da gibt es also keine Ausrede wegen des Wetters. Die aktuellen Topos vom Klettergarten gibt es hier
Klettern im Landschaftspark

Klettern im Landschaftspark

Kopfüber

Kopfüber

                  Alpine Vorbereitung Der Klettergarten bietet aber nicht nur den Freikletterern ein ideales Gelände, auch für die Vorbereitung auf alpine Unternehmungen ist er bestens geeignet. Abgesehen von Kraft und Geschicklichkeitstraining gibt es einen Klettersteig mit zum Teil sehr schwierigen Abschnitten (die sich aber – zum Glück – auch umgehen lassen).   Via Ferrata Monte Thysso elchblog_klettersteig             An der großen Nachfrage nach Gurten, Klettersteigsets und Helmen in unseren Unterwegs-Läden merken wir, wie populär das Klettersteiggehen ist. Oft wird es als die einfachere Art des Kletterns angesehen, weil die Route ja entsprechend gesichert ist. Doch lass dich nicht täuschen: Manche Klettersteige, die als einfach eingestuft sind, entpuppen sich als gefährlich. In Italien war ich auf einem “Via Ferrata” unterwegs, der auch ohne Ausrüstung zu machen sein sollte. Was für erfahrenen Alpinisten (ich zähle nicht dazu) leicht zu bewältigen ist, kann für “Otto Normalverbraucher” ein Risiko darstellen. Umso besser ist es, dass es im Landschaftspark die Möglichkeit gibt, sich mit Ausrüstung und Sicherungstechnik vertraut zu machen. Der Klettersteig “Via Ferrata Monto Thysso” wird ständig verbessert und erweitert. Neuigkeiten, Topos und viele Fotos findet ihr hier   Drytooling-Anlage
Drytooling-Anlage – der neueste Coup im Klettergar

Drytooling-Anlage – der neueste Coup im Klettergarten

Wo kann man außerhalb der Alpen schon Spaltenbergung und den Gebrauch von Steigeisen und Eispickeln trainieren? Ihr ahnt es schon. An Holzbalken kann man sich nach oben “pickeln”, ein frei aufgehängter Holzbalken bietet eine besondere Herausforderung. Die Spaltenbergung ist für alle Alpinisten, die sich in entsprechendes Gelände begeben, ein Muss.  
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  Für die, die jetzt Lust bekommen haben, mal selbst an die Wand zu gehen: Die DAV Sektion Duisburg bietet im Klettergarten auch entsprechende Kurse an. Das Kursprogramm findet ihr hier Der Landschaftspark hält neben dem Klettergarten auch noch einige andere Überraschungen bereit: Hochseilparcours, Tauchen im größten Indoor-Tauchgewässer Europas, Wanderwege, Radwege……. Ein Besuch lohnt sich also auch für Nichtkletterer.
und abends mit Beleuchtung…eine Lichtinszenierung des britischen Künstlers Jonathan Park taucht das alte Hüttenwerk in ein faszinierendes Meer von Licht und Farbe. Hier: “das Krokodil”

und abends mit Beleuchtung…eine Lichtinszenierung des britischen Künstlers Jonathan Park taucht das alte Hüttenwerk in ein faszinierendes Meer von Licht und Farbe. Hier: “das Krokodil”

    Mehr Infos zum Landschaftspark: www.landschaftspark.de Dank an Horst Neuendorf, der die Fotos zur Verfügung gestellt hat. Fotos © Horst Neuendorf, außer “das Krokodil”

Sommer und sogar gutes Wetter! 🙂 Nutzt das aus und macht eine Fahrradtour oder schnappt euch das Fahrrad für den Weg zur Arbeit – statt mit Auto oder Bus zu fahren. Natürlich braucht ihr dafür auch einen praktischen Begleiter in Form einer Tasche - sei es für Arbeitsunterlagen oder für das Picknick auf einer Fahrradtour. Kein Problem, wir haben eine große Auswahl an verschiedenen Fahrradtaschen für euch! Und zwar auch für diejenigen unter euch, die nicht nur eine Fahrradtasche brauchen, sondern auch einen Rucksack, da sie ihren Drahtesel auch mal stehenlassen wollen (oder müssen) und mit ihrem Gepäck zu Fuß weitergehen. Aber Fahrradtasche UND Rucksack dabei zu haben ist meistens zu viel und unpraktisch. Wir können euch auch da helfen! Und zwar mit dem Vario QL3 (149,95 Euro) von Ortlieb! Warum? Lest selbst!
 

Fahrradtasche und Rucksack in einem

Der Vario QL3 fiel mir gleich in meinen ersten Wochen bei Unterwegs auf, denn er ist je nach Bedarf eine Fahrradtasche oder ein Rucksack! Das ist wirklich innovativ und superpraktisch, dachte ich mir. Und bestimmt DIE Lösung für diejenigen, die beides brauchen, aber nur ein Teil mitnehmen wollen. Zusammen mit meinem Bremer Kollegen Thomas nahm ich den Vario QL3 genau unter die Lupe.
 

Der Vario QL3 als Rucksack

Thomas schwang sich den Vario QL3 gleich auf den Rücken und machte mich auf das gepolsterte Rückentragesystem aufmerksam, welches sehr bequem ist. Das konnte ich bestätigen, als ich ihn dann selbst auf den Rücken nahm. Der Brustgurt lässt sich variabel einstellen. Mit dieser Ausstattung eignet sich der Rucksack auf jeden Fall für Büro und Freizeit. Das Tragesystem ist natürlich nicht für längere Wandertouren gedacht.
 
Ich stelle mir das sehr praktisch vor, wenn ich zum Beispiel eine Fahrradtour mache und mir zwischendurch etwas zu Fuß anschauen will.  Die Fahrradtasche wird dann im Handumdrehen zum Rucksack und ich kann damit bequem alles erkunden. Das ist sicher praktischer als der Schultergurt, der bei den klassischen Ortlieb Fahrradtaschen dabei ist. Ihr kennt sicher die Back-Roller Classic von Ortlieb. Als Fahrradfahrerin in jeder Lebenslage bin ich ein großer Fan und Besitzerin dieser bewährten Fahrradtaschen. Bisher war ich damit höchst zufrieden, da ich meine Fahrradtasche vor allem im Alltag benutze, wo ich nicht allzu lange Wege zu Fuß habe. Allerdings habe ich jetzt schon öfter Fahrradtouren gemacht, bei denen ich zwischendurch mit der Tasche an der Schulter schon länger zu Fuß unterwegs war. Da wäre ein Rucksack auf jeden Fall bequemer gewesen.
 

Der Vario QL3 als Fahrradtasche

"So, und jetzt will ich mit dem Fahrrad los. Wie verwandle ich den Vario QL3 dafür in eine Fahrradtasche? Was passiert mit dem Tragesystem?" Thomas erklärte mir, dass es durch einen Klickmechanismus an der Tasche befestigt ist und abgetrennt werden kann. Als ich das ausprobieren wollte, gelang es mir nicht sofort. Es gehört ein bisschen Übung dazu, das Tragesystem schnell abzuklicken, da es relativ fest sitzt. Das ist natürlich von Vorteil, da es ja halten soll…Wenn man den Dreh dann raus hat, geht es innerhalb von Sekunden.
 

Das abmontierte Tragesystem sollte nun im Reißverschlussfach an der Vorderseite verstaut werden. Ich konnte es nicht glauben, dass das gehen soll. Denn dieses Fach sah für mich nicht so aus, als würde da das Tragesystem hineinpassen. Außerdem sah es mir danach aus, dass das Verstauen relativ lange dauert. Ich war etwas skeptisch, ob das ganze System wirklich so praktisch ist, wie es mir am Anfang erschien. Ich war gespannt...
 

Und: Ich wurde natürlich eines Besseren belehrt! Mit einigen geübten Handgriffen verpackte Thomas das Tragesystem in dem kleinen Fach. Ich war begeistert! Wichtig ist dabei, dass man das Tragesystem einmal längs zusammenlegt. So geht es erstaunlich schnell und einfach! Außerdem bemerkte ich, dass das Tragesystems in dem Fach kaum aufträgt. Der Vario QL3 bewahrt also in allen Situationen sein gutes Aussehen.
 

Mit dem genialen Quick Lock 3 Befestigungssystem von Ortlieb könnt ihr diese Tasche – wie alle Fahrradtaschen von Ortlieb -  am Gepäckträger problemlos und schnell befestigen und lösen.
 

Ein kleiner aber wichtiger Unterschied: Die Halterungselemente, die bei den anderen Fahrradtaschen von Ortlieb an den Taschen montiert sind, bleiben bei dem Vario QL3 am Gepäckträger. Denn ihr wollt ja schließlich nicht diese Haken im Rücken haben, wenn ihr den Vario als Rucksack tragt.
 

Hier wurde aber auch wirklich an alles gedacht!
 

Fazit

Nachdem ich mir den Vario QL3 nun so genau angeschaut habe, kann ich nur sagen: Ich bin überzeugt von diesem Verwandlungskünstler! Ein gut durchdachtes System, was den Alltag erleichtert und die Freizeit noch schöner macht! Denkt darüber nach:-)! Denn nicht nur die Umwandlungsmöglichkeit überzeugt, sondern auch die Details wie absolute Wasserdichtigkeit, enorme Strapazierfähigkeit, viel Platz (20 l), Helmhalterung, Reflektoren,... Genial, oder? 🙂
 

Zum Schluss möchte ich euch noch bitten, auf diesem Foto nicht nur den Vario QL3, sondern auch das schöne Fahrrad von unserem Kollegen Ben zu bewundern, welches er uns für das Fotoshooting großzügigerweise zur Verfügung gestellt hat!

Kungsleden_TitelHallo zusammen, ich bin Svenja und gehöre seit 2010 zum Unterwegs Team. Wie sollte es anders sein: Ich bin gerne draußen in der Natur unterwegs. Mein persönliches Lieblings-Reiseziel stelle ich euch in diesem Beitrag vor: Kilometerweit nichts als Tundra, Wald und Moorlandschaft. Rentierherden statt überfüllter Innenstädte, Plätschern der Bäche statt Verkehrslärm, frische Waldbeeren statt Fastfood. Es ist, als bewege man sich völlig in einer Parallelwelt. Der Kungsleden in Lappland: Wer einmal im Norden Skandinaviens unterwegs war, den lässt die beeindruckende Landschaft nicht mehr los. So ging es mir zumindest. Seit ich vor  einigen Jahren schon einmal in der Region unterwegs war, um den Kebnekaise (mit 2113 m der höchste Berg Schwedens) zu erklimmen, zieht es mich immer wieder zum Wandern auf den Kungsleden. Im letzten Winter habe ich auch meine erste Skitour auf diesem Weg gemacht, aber lest selbst: Der Kungsleden (zu deutsch: Königsweg) ist mit knapp 800 Kilometern einer der längsten Wanderwege Schwedens und führt durch unberührte Natur nahe der norwegischen Grenze entlang. Er ist aufgeteilt in 2 Abschnitte, den nördlichen und den südlichen Teil, wobei Vielen nur der nördliche Teil bekannt ist. Die 440 km sind eine Herausforderung, jedoch gut zu laufen. Erschaffen wurde der Weg Anfang des 20. Jahrhunderts vom Schwedischen Touristenverband, um die Nationalparks im Norden des Landes zu erschließen. Heute ist er ein beliebter Pfad und weitestgehend mit zum Teil unbewirtschafteten, aber auch bewirtschafteten Hütten zum übernachten ausgestattet. Wer jedoch in seinem eigenen Tempo laufen und sich völlig frei und unabhängig fühlen möchte, der macht vom Jedermannsrecht Gebrauch und zeltet oder biwakiert dort, wo es ihm gefällt. Gaaaanz wichtiger Tipp: Mückenmittel nicht vergessen, die Biester sind in den Hochmooren zu Hause!  
Kungsleden_Wandern

Wandern auf dem Kungsleden

Wandern im Sommer Durch die nördliche Lage ist der ideale Zeitraum zum Wandern kurz: Zwischen Mittsommer (21. Juni) und August ist der Boden nicht mehr vom Schmelzwasser aufgeweicht und wenn man Glück hat noch nicht wieder zugeschneit. Der Weg ist jederzeit gut erkennbar und ausgeschildert, sodass man mit gutem Schuhwerk super vorankommt. Brücken führen über Bachläufe und Schilder weisen auf interessante Abstecher hin. Ich persönlich finde den Herbst dort oben am schönsten. Die gelben Blätter der vereinzelten Birken stehen in tollem Kontrast zum knallroten Tundraboden, den tiefblauen Seen und dem ersten Schnee. Wer tagsüber frische Pilze und Waldbeeren sammelt, die überall zu finden sind, kann Abends ein tolles 5-Sterne Menü auf dem Kocher zubereiten. Bei untergehender Sonne  vorm Zelt zu sitzen und eine leckere, frische Pilzpfanne als Hauptmahlzeit und Milchreis mit frischen Blaubeeren als Nachtisch zu essen, während im Tal eine Herde Rentiere vorbeizieht, ist das Beste, was es auf einer Tour gibt.   Was man auf jeden Fall immer dabei haben sollte Neben passenden Schuhen, bequemem Rucksack und auf jeden Fall einer Regenjacke gehören noch weitere unabkömmliche Dinge ins Gepäck für eine Trekkingtour auf dem Kungsleden:
  • Wanderkarte und Kompass/GPS : trotz guter Beschilderung, eine Karte zum Planen der Tagesabschnitte muss sein
  • das eben schon erwähnte Mückenmittel oder -netz (zumindest bei Wanderungen im Sommer)
  • genügend Proviant: Schokolade, Nüsse oder Powerriegel geben Energie und gute Laune
  • eine Kamera, um die beeindruckende Landschaft mit nach Hause zu nehmen
 
Ideales Gebiet für Skitouren

Ideales Gebiet für Skitouren

Skitouren im Winter Doch auch für Wintertouren eignet sich das Gebiet ideal: Von Januar bis April sind die Seen zugefroren und Loipen gespurt. Das Vorankommen wird deutlich einfacher. Wer es warm haben möchte kann in den auch im Winter geöffneten Hütten übernachten, wer jedoch über gute Ausrüstung und ausgeprägten Abenteurergeist verfügt, der nimmt auch im Winter ein Zelt mit und kann – mit etwas Glück – mit einem heißen Tee weit ab von jeglicher Zivilisation das Polarlicht erleben. Zugegeben, eine Nacht im Zelt bei -20 °C ist ein tolles Erlebnis und mit der richtigen Ausrüstung gar kein Problem, trotzdem war ich froh, als wir uns am nächsten Tag für die Übernachtung in einer der Hütten entschieden. Auch der König der Wälder,  der Elch, ist bei Schnee einfacher zu erkennen. Nicht selten stand ein Exemplar mitten auf dem Weg und beobachtete uns in einer Seelenruhe, die man nur oben in den Weiten Lapplands erleben kann.   Die Anreise in den hohen Norden ist gar nicht so schwer: Während man mit dem Auto bestimmt 3 Tage unterwegs wäre, ist es einfacher zu fliegen. Stockholm als Ausgangspunkt ist von den meisten deutschen Flughäfen zu erreichen. Ab der schwedischen Hauptstadt kann man entweder mit dem Zug oder noch einmal mit dem Flugzeug nach Kiruna im nördlichen Schweden gelangen. Von hier aus geht es bequem und mehrmals täglich mit dem Bus weiter an verschiedene, entlegene Einstiegsorte des Kungsleden. Jedem, der einmal völlig abschalten, Wildnis erleben und sich absolut frei fühlen möchte, kann ich diesen Weg nur empfehlen.