Rad am Ring 2015 Hier ein toller Gastbeitrag von dem Team “Seepferdchen” aus Bremen, die beim 24-Stunden-Radrennen “Rad am Ring 2015” auf dem Nürburgring mitfuhren. Auf die Plätze, fertig – und los geht’s! SpeedWas mit einer spontanen Idee im letzten Jahr begann, wurde dieses Jahr in die Tat umgesetzt. So fuhren wir mit zwei Vierer-Teams und Begleitung in die Eifel, um auf der legendären Nordschleife unsere Ausdauer und Leidensfähigkeit zu testen. Bevor wir uns auf den Weg zum Nürburgring machen konnten, galt es, verschiedene Dinge zu klären: gemeinsame Trainingskilometer und Höhenmeter, Fahrt und Verpflegungs-Organisation, sowie – nicht zu unterschätzen – Sponsoren finden. Neben der Ernährung war die Ausstattung des gesamten Team-Camps von entscheidender Bedeutung. Ein professioneller Partner für Outdoor-Aktivitäten war in Bremen schnell gefunden. Mit ausreichender Expertise kam nur Unterwegs am Domshof in Frage. Dort fanden wir direkt Gehör und Unterstützung durch ein Sponsoring. Unsere Wasserbestände hatten wir Dank der Kanister vom Unterwegs gut im Griff. Nudeln kochen, Hände waschen, Geschirr spülen, Tee und Kaffee kochen, sowie natürlich reichlich Wasserflaschen zu füllen war jederzeit möglich. Aber fast noch wichtiger waren die ultimativ bequemen Camping-Sessel, auf denen wir zwischen den Runden entspannen konnten. Die gemeinsamen Ausfahrten waren nicht so zahlreich wie erhofft, aber mit verschiedenen Teilnehmern sind wir immerhin nach Brake, Bremerhaven, Bruchhausen-Vilsen und auf den Brocken gefahren. Ist es dabei Zufall, dass wir nur Ziele mit “B” angefahren sind? Aber jeder hat natürlich auch für sich allein sein Trainingspensum gemacht, so dass wir alle uns fit genug fühlten die Herausforderung des 24-Stunden-Rennens anzunehmen. Die Anreise
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Typischer Festival-Dreikampf: ankommen, auspacken, aufbauen.

Was soll man sagen? Sommerferien, Freitag, A1. Es hätte sicherlich bessere Termine gegeben. Aber danach fragte keiner. Also in den Stau gestellt und still gelitten. Schließlich waren wir um 16:00 Uhr auf dem Gelände und bekamen einen ersten Eindruck von der Strecke, der Stimmung und der Aufgabe. Ab ca. 21:00 Uhr hatten wir dann gut damit zu tun, den Pavillon am Boden und an Ort und Stelle zu halten. Außerdem wurden Abspannungen zu den Anhängern der Nachbarn und vorhandenen Anhängerkupplungen gezogen, denn der Wind wurde zum Sturm und der Niederschlag zum Gewitter. Nachdem der Wind kurz nach Mitternacht nachließ, konnten wir auch unseren mittlerweile gut abgespannten Pavillon alleine lassen und stiegen in die Schlafsäcke, um für das Rennen ausgeruht zu sein. Der erste Morgen und kein Start Am Samstag Morgen wurden wir von nicht wirklich besseren Bedingungen begrüßt. Weiterhin Regen (mal mehr, mal weniger), weiterhin “für die Jahreszeit zu kalt”. Und schon kurz nach 9:00 Uhr kam die Ansage, dass wegen einer weiteren Sturmfront der Start um drei Stunden verschoben wird. Nun wartete also ein 21-Stunden-Rennen auf uns, während wir in Winterklamotten unser Frühstück aßen. Die Sturmfront war übrigens eine echte Sturmfront. Viele Zelte und Ausstellerpavillons haben im Laufe dieses Vormittags die Grätsche gemacht, wenn sie nicht schon in der Nacht zusammengebrochen waren.Wetter Das Wetter wurde nicht wirklich besser, aber Ingo und ich haben uns als Startfahrer unserer beiden Teams kurz nach 15:00 Uhr in die Klamotten geworfen und uns warm gefahren. Galt es doch beim Start um 16:15 Uhr eine gute Figur zu machen und nicht gleich in der ersten Runde zu loosen. Während wir also im Regen ein paar Runden fuhren, hörte ich über die Lautsprecher etwas von “Start 20:00 Uhr”. Na super! Es ging also zurück zum Zelt, nasse Klamotten aus und weitere vier Stunden warten. Der Start … fand dann um 20:00 Uhr wirklich und endlich statt!! Das Wetter war deutlich besser. Kein Regen mehr, nur noch Sturm und kalt. Die Fahrbahn war trocken und die Meute schob sich langsam vom Startbereich die ersten Abfahrten hinab. Noch vorsichtig, denn es war trotz der breiten Piste recht eng. Auch zeigte sich schnell, dass es unterschiedliche Fahrer-Qualitäten gab. Schnell bergauf kann nicht jeder, schnell bergab auch nicht. Auch in unseren beiden Teams kristallisierten sich schnell unterschiedliche Vorlieben heraus. Unter dem Strich ergab dies aber ausgesprochen homogene Rundenzeiten 😉 Während der ersten Runde kam tatsächlich noch einmal die Sonne raus und ich konnte trotz der Anstrengung das Fahren auf dieser einmaligen Strecke genießen. Nicht so wirklich genießen konnte ich hingegen die „Hohe Acht“, als ich sie erreichte. 18 % Steigung sind eine Ansage. Absteigen gilt nicht (auch wenn das im Laufe des Rennens immer häufiger zu sehen war). Kurz vor dem endgültigen Einbruch der Dunkelheit erreichte ich unseren Zeltplatz und Ingolf ging für unser Team auf Tour. Nach ein paar Minuten trudelte auch Ingo ein, der seine erste Runde auch gut überstanden hatte und übergab den Transponder an Stefan. Die Nacht Um unsere Schlafzyklen zu optimieren hatten wir in unserem Vierer-Team beschlossen, ab Mitternacht jeweils zwei Runden zu fahren. Nachts war die Strecke deutlich leerer als bei der ersten Runde, was sehr angenehm war. So konnte man bei den Abfahrten weitgehend Ideallinie fahren und Spaß haben. Dennoch denke ich, dass eine Höchstgeschwindigkeit von über 90 km/h nachts nicht drin gewesen wäre. War es tagsüber schon nicht besonders warm, so wurde es nachts noch deutlich kühler. Um genau zu sein, sanken die Temperaturen auf 5 Grad. Und das im Juli! Aber es blieb trocken und der Wind legte sich.Beachflag Der nächste Morgen Als wären das Unwetter, die Stürme und was sonst noch alles, gar nicht gewesen, präsentierte sich die Eifel am Sonntagmorgen von ihrer schönsten Seite. Sonnig, nahezu windstill, warm, einfach super. Michael und Stefan hatten die Ehre, für unsere Teams die jeweils letzte von 15, bzw. 16 Runden zu fahren. Wir hatten erst überlegt, die letzte Runde gemeinsam zu fahren., mussten aber mehrheitlich einräumen, dass uns dazu dann doch Motivation und vor allem Kraft fehlten. So warteten wir auf unsere beiden Helden im Zielbereich und feierten danach den gelungenen Abschluss unserer ersten Teilnahme bei “Rad am Ring” mit dem Vernichten unserer restlichen Grillvorräte.  
Das Team

Das Team

  Fazit Viel Spaß!!! Gerne wieder! Gerne mit weniger Sturm und Regen! Tolles Team!!! Tolle Sponsoren!!! Ende März diesen Jahres bin ich zur Mountainbikerin geworden. Naja, zumindest habe ich da mein Mountainbike erstanden. Über meine ersten Erfahrungen und das 24 h Rennen am Alfsee als MTB Frischling hatte ich hier ja schon berichtet. Dass als erster großer Ausflug dann die Alpen in diesem Sommer folgen sollte, hat sich irgendwann um Pfingsten herauskristallisiert. Mein allerbester Freund Maic, der an der Küste Kroatiens Urlaub machen wollte, hatte die Idee, einen Teil der Reisestrecke mit dem Rad zu bewältigen. Ein paar Kollegen wollten mit und als er mich gefragt hat, ob ich Interesse habe, habe ich gleich ja gesagt, natürlich ohne Genaueres zu wissen. Von wo aus starten wir? Wie viele Tage sind wir unterwegs?  Wie sehen die einzelnen Etappen aus? All das waren Fragen, die noch offen waren. Mein erster Gedanke war sowieso: Bis August habe ich ja noch jede Menge Zeit zum Trainieren… Mit der Zeit hat sich die Gruppe immer weiter verkleinert. Aus verschiedenen Gründen bestand unsere MTB-Gruppe am Ende aus Maic und mir.  Auch erst eine Woche vor dem Start stand die endgültige Route fest. Eigentlich waren alle Etappen für sich schon eine Herausforderung. einen besonders anstrengenden Eindruck haben der 2. und 3. Tag gemacht (1971 und 1844 Höhenmeter bei 68,6 km und 62,2 km), und natürlich waren die rund 300 km an den letzten beiden Tagen auch happig. Das alles dann in Kombination mit allen anderen Tagen, da hatte ich gehörig Respekt. Unser Mittel, um die Etappenziele auch zu erreichen: Schon mal alle Unterkünfte buchen, dann MUSS man ankommen ;-).   1. Tag – Eingewöhnung mit lockeren 1358 Höhenmetern und 57,43 km Nach der Nachtfahrt von Osnabrück nach Österreich haben wir früh morgens im strömenden Regen in Schladming eine gemütliche Bäckerei gefunden, wo wir erst einmal üppig gefrühstückt haben. Der Kaffee war sehr lecker, aber richtig wach gemacht hat er uns nicht. Die Augen sind müde geblieben und auch der Geist war noch recht träge. Wir haben uns mit dem Frühstück Zeit gelassen, in der Hoffnung, dass der Regen zumindest etwas nachlässt. Gleich bei miesem Wetter zu starten, war nicht gerade verlockend. Unsere Wünsche wurden erhört, gegen 9 Uhr hörte der Regen auf und wir haben die kurze Strecke nach Gleiming, unserem Startpunkt, noch im Auto zurückgelegt. Auf einem Parkplatz haben wir uns dann in die Radklamotten geschält und nochmal die Rucksäcke und Räder gecheckt. An die Radrucksäcke mit ca. 8,5 kg Gewicht (ohne Wasser in den Trinklasen) mussten wir uns erstmal gewöhnen. Die ersten 8 km Straße mit sanftem Anstieg waren zum Einfahren prima geeignet. Der anschließende Schotterweg, ebenfalls mit angenehm moderater Steigung, führte durch Wiesen an kleinen Ferienhütten vorbei.  Nach zwei Stunden kamen wir an der Vögeialm an, die bei Sonnenschein nun zum Verweilen einlud. Wir haben einen Erdbeer-Trinkjoghurt und einen hervorragenden Apfelstrudel genossen.
Von Gleiming nach St. Magaretehen

Von Gleiming nach St. Magarethen, verschnaufen tut gut!

Diese Stärkung war auch notwendig, bevor es nun in steilen Serpentinen einen Schotterweg hoch ging. Hier musste ich nun das erste Mal schieben, im Nachhinein würde ich sagen, dass es sicher einerseits die Müdigkeit, andererseits aber auch ein zu schnelles Tempo waren, die mir zugesetzt haben. “Wer sein Rad liebt, der schiebt”… das hat sicher schon jeder mal gehört. War aber nur ein kurzes Stück und ich konnte bald wieder aufsteigen. Die nächste Erholungspause haben wir uns dann in der Oberhütte am See gegönnt, leckerer gespritzter Hollersaft und ein kleines Nickerchen auf der Bank haben uns erfrischt. Aber mich anscheinend nicht genug, da ich mich gleich beim Losfahren nicht weit von der Hütte hingelegt habe. Hatte irgendwie vergessen, dass ich ja Klickschuhe anhabe. Die Schadenfreude der Gäste war mir sicher ;-). Am idyllischen See entlang führte der Weg nun kurz über eine Wiese und endete an einem Zaun. Hier stand ein Schild: Biken verboten! Hm, was nun? Und wieso steht so eine Info nicht schon unten am Berg? Naja, wir hatten unsere Route geplant und zurück und um den Berg herum war einfach keine praktikable Alternative. Wir haben unsere Räder über den Zaun gehoben und sind dem Leonhardsweg (einem gekennzeichneten Wanderweg) trotz Verbotsschildern gefolgt. Der Eigentümer brauchte sich aber keine Sorgen zu machen: dieser Weg war so steil, schmal und mit so vielen Felsstufen versehen, dass wir gar nicht darüber nachgedacht haben, es mit dem Fahren zu versuchen. Nach ungefähr 2 km Schiebestrecke sind wir wieder auf einen Schotterweg gestoßen, auf dem wir uns dann wieder auf die Bikes schwingen konnten. Wir haben dann noch ein paar kleine Dörfer passiert, bis wir auf dem Murradweg gelandet sind. Unsere Unterkunft, den Landgasthof und Biobauernhof Löckerwirt, haben wir gegen 16 Uhr erreicht, die herzliche Begrüßung war super und das Ankommerbier schmeckte fantastisch! Das Menü abends war köstlich und als wir gegen halb neun ins Bett gingen, war es zwar noch nicht dunkel, aber einschlafen konnten wir sofort. War wohl doch sehr wenig Schlaf die Nacht davor.   2. Tag – ein Hammertag mit 1976 Höhenmetern und 68,75 km Das Frühstück beim Löckerwirt war top, unschlagbar der Topfkuchen mit Nüssen, Zimt und Rosinen! Im Nieselregen haben wir uns um 9 Uhr auf die Räder geschwungen, der Regen hat jedoch schon bald nachgelassen und wir konnten unsere Regenjacken wieder ausziehen. Zunächst ging es relativ entspannt stetig die Straße hinauf bis nach Schönfeld. Langläufern wird dieser Ort sicher bekannt sein, jetzt im Sommer war hier aber eher weniger los. Trotzdem haben wir nach einer kurzen Abfahrt auf schlecht geteerter Straße, die wir natürlich OHNE Helm absolviert haben, weil die Abfahrt uns überrascht hat, einen Gasthof gefunden, wo es frische Buttermilch gab. Hier hatten wir schon an die 800 Höhenmeter geschafft. Die Abfahrt, die nun kam, war wunderbar. Neu geteerte Straße, gutes Sicherheitsgefühl, weil wir nun MIT Helm unterwegs waren und wenig Verkehr. Laufen lassen ist das Motto. Laut unseres Garmin-Gerätes war die Spitzengeschwindigkeit 60,2 km/h. Das ist schon ein kleiner Geschwindigkeitsrausch ;-). In Kremsbrücke war der tiefste Punkt erreicht. Mit dem Wissen, dass nun noch weitere 1100 Höhenmeter folgen würden, sind wir zunächst einer schmalen Straße gefolgt, die dann in einen Schotterweg überging. Dieser führte zunächst in sehr angenehmer Steigung bergauf. Dabei blieb es aber nicht und es wurde immer steiler. Maic war nach der zweiten Riegelpause bald meinem Blick entschwunden.
Nach dem 2. Anstieg des Tages, 1933 Höhenmeter

Nach dem 2. Anstieg des Tages, 1933 Höhenmeter

Motiviert haben mich die Hinweisschilder auf die Littl-Alm, mit dem Gedanken an ein erfrischendes Getränk habe ich mich die steilen Serpentinen hinaufgearbeitet. Leider war diese Alm dann aber nicht bewirtschaftet, sodass die ersehnte Pause nur kurz ausgefallen ist. Dann ging es noch einmal steil bergauf. Am höchsten Punkt musste nun aber mal festgehalten werden, was wir bis dahin geschafft hatten. Dann ging es 10 km schön bergab, Schotterwege in Serpentinen, wo man nicht nur auf den Untergrund, sondern auch auf Kuhherden achten musste. Rücksichtnahme ist hier natürlich angesagt.  Im Zielort Radenthein angekommen waren wir dankbar, dass der Metzgerwirt ausgeschildert war und mitten im Ort lag. Das Ankommerbier hat auch hier vorzüglich geschmeckt. Beim Einchecken haben wir uns gefragt: Werden die Biker eigentlich absichtlich immer im obersten Stockwerk untergebracht, weil die Wirte denken, dass man sportlich ist? Ist ja theoretisch auch richtig, aber mit 1976 Höhenmetern in den Muskeln wäre Erdgeschoss auch mal ganz schön ;-).   3. Tag – mit 1811 Höhenmetern und 68,81 km ein weiterer Hammertag Morgens haben wir vom Metzgerwirt noch jeder einen Granatstein geschenkt bekommen, der uns auf unserem weiteren Weg beschützen und uns Glück bringen sollte. Das ist eine schöne Geste gewesen und selbstverständlich haben Maic und ich den Rest der Tour sehr gut auf den Stein aufgepasst und halten ihn jetzt weiter in Ehren. Der Weg führte uns zunächst an einer relativ befahrenen Straße bergauf nach Bad Kleinkirchheim. Die meiste Zeit hatten wir einen getrennten Radweg zur Verfügung, sodass die vorbeirauschenden Autos keine Gefahr waren. In dem Ort führte die Route auf dem Display plötzlich ganz gerade den Berg hinauf und wir mussten feststellen, dass die Menschen, die die Route zusammengestellt hatten, anscheinend die Gondel hoch zur Kaiserburg genommen haben. Pfffft, geht ja gar nicht! Der Ticketverkäufer in der Bergbahn war zwar enttäuscht, dass er uns keine Karten verkaufen konnte, hat uns aber sehr gut beschrieben, wie wir den Einstieg in den Forstweg finden, auf dem man auch mit dem Rad den Gipfel erreichen kann. Die 500 Höhenmeter hatten es dann auch ganz schön in sich.  
Almdudler und Sitzcreme, zwei unverzichtbare Produkte

Almdudler und Sitzcreme, zwei unverzichtbare Produkte

Es ist ein gutes Gefühl oben einen Almdudler und eine Gulaschsuppe zu genießen mit dem Wissen, dass man den Gipfel aus eigener Kraft bewältigt hat. Nachdem wir unsere T-Shirts unter dem Handfön getrocknet und noch einmal Popo-Creme nachgelegt hatten, sind wir “noch eben” zum Gipfelkreuz hochgefahren, bevor es dann einen kurzen aber knackigen Trail bergab ging, der uns auf einen Schotterweg geführt hat, der in Serpentinen weiter ins Tal hinab ging. Irgendwann trafen wir auf eine Landstraße, die mal hoch, mal runter Richtung Villach führte. Es gab noch ein paar Probleme, den richtigen Weg Richtung Faak am See zu finden, dabei ging es teilweise noch mal richtig steil bergauf. Hier wäre eventuell eine Karte auch hilfreich gewesen. Wir sind uns aber sicher: Wir haben nicht den kürzesten Weg, aber die am wenigsten befahrenen Straßen genommen. In Faak am See haben wir einen kleinen Tourismusschock erlitten, plötzlich waren sehr viele Menschen unterwegs, die auch auf Radler keine Rücksicht nehmen. Wieso nicht einfach auf dem Radweg zu fünft nebeneinander herspazieren? Das Gute war, dass wir an einer Waschanlage vorbeigekommen sind, wo wir unsere Räder super bequem mit dem Hochdruckreiniger vom Dreck befreien konnten. Um zu unserer Unterkunft in Latschach zu gelangen, mussten wir noch einen letzten steilen Anstieg bewältigen, aber mit dem Wissen, dass wir uns abends in der Sauna erholen können, haben wir auch das noch geschafft. Im Hotel empfing uns folgender Kalenderspruch von Albert Schweitzer, der 100%ig zu unserer Tour passte:Motto

4. Tag – Auf nach Slowenien!

WarnschilderAb diesem Tag hatten wir die Tour mit dem bike gps Tourenplaner geplant, wo es bereits zwei Trans-Slowenien Touren mit super ausgearbeiteten GPS Daten und sehr detaillierten Etappenbeschreibungen gibt. Zunächst über eine Straße und dann über einen angenehm zu fahrenden Schotterweg ging es ca. 1000 Höhenmeter bergauf bis zum Annahüttensattel. Verfahren konnte man sich hier nicht, denn überall, wo es Abzweige vom Schotterweg gab, standen Bike-Verbotsschilder. Was nicht mehr in unser Reisegepäck gepasst hat, war ein slowenisches Wörterbuch, aber die Warn- und Verbotsschilder haben wir fast immer auch so verstanden. Was aber angeleinte Seehunde mitten im Wald zu suchen haben sollten, haben wir nicht verstanden ;-).

Nach dem Annahüttensattel ging es erst einmal wieder bergab, erst auf einem kurzen Trail, dann wieder auf einem Schotterweg. Die lange Abfahrt hat ein traumhaftes Panorama in die südlich gelegenen julischen Alpen geboten, es gab tiefe Schluchten links und rechts vom Weg und einige finstere Tunnel. Ohne Licht war hier das Motto: laufen lassen, Finger an den Bremsen und locker bleiben.

Nach fast 900 Höhenmetern Abfahrt kamen wir im Savatal wieder auf die Hauptstraße, von der jedoch nach kurzer Zeit der Radweg abzweigte. Hier kamen uns einige Rennradfahrer entgegen, die den gut asphaltierten Radweg als Trainingsstrecke nutzten. Es ging noch einmal bergauf zum kleinen Örtchen Zgornja Radvona, von wo dann ein flach abfallender Schotterweg nach Bled führte. Hier konnten wir ordentlich Gas geben. Die schwer bepackten Radwanderer, die mit weitaus dünnerer Bereifung unterwegs waren, haben uns da schon recht neidisch hinterhergeschaut…

Bled haben wir nach 55,53 km und 1346 Höhenmetern erreicht und unsere Hintern waren froh, aus dem Sattel zu kommen.

5. Tag – Ein bisschen Schwund ist immer!

Morgens tat Maic und mir alles ein bisschen weh, aber die entspannte Runde um den See in Bled war ein gutes Aufwärmprogramm. Die Route führte nun zunächst eine Straße hoch, 12 % Steigung ist ja schon gar nicht so wenig, aber als dann auf einem Schild 18% angezeigt wurden, waren die 12 % dann Pipifax. Links ging es dann in einen Schotterweg, der sich über 7 Kilometer hinzog. ZauberwaldEs war recht neblig. Einer von uns meinte: es ist wie im Zauberwald, der andere sagte: Das ist doch nur Schei… Nebel! Soso! Wir kamen an kleinen, verwunschenen Hütten vorbei, ohne Menschen zu begegnen. Später treffen wir so einige, wir vermuten, dass sie Pilze sammeln waren. Was sollten sie sonst an diesen verlassenen Stellen mitten im Wald machen? Gemäß der Beschreibung haben wir dann gut aufgepasst und die Straße verlassen, um einem Trail zu folgen. Der Spaßfaktor war hoch, bis der Trail dann super matschig wurde. Richtig gut fahren konnten wir den Trail nicht und wir waren froh, dass wir nicht im Matsch stecken geblieben sind. Matschtrail

 Wir kamen an kleinen Ansammlungen von Hütten vorbei, zwischen denen Rinder grasten. Diese ließen sich gar nicht aus der Ruhe bringen und blieben einfach mitten auf dem Weg stehen. Ich hatte ziemlichen Respekt vor einer Mutterkuh mit zwei Kälbern (man hat ja schließlich schon die wildesten Geschichten gehört) und musste mir von Maic anhören: Geh einfach dran vorbei, die schläft doch fast! Ja, is klar… Um auch mal den Maic von vorne ins Bild zu bekommen (die normale Ansicht ist ja seine Rückseite), bin ich hier schon mal vorausgefahren.Maic-mal-von-vorne Bei der nächsten langen Abfahrt merkte ich dann: Ganz schön zugig um die Augen. Ich hatte meine Sonnenbrille zum Fotografieren abgenommen und sie lag wohl noch auf dem Baumstumpf, wo ich sie abgelegt hatte. So ein Mist. Aber den ganzen Weg zurück und BERGAUF zu fahren, um die Brille zu holen, das war es mir nicht wert. Am See Bohinjska Jezero sind wir auf einen Kanuverleih gestoßen, der auch einfache Sonnenbrillen verkaufte, die sich aber im Lauf der Tour nicht besonders bewährt hat. Die Gläser waren zu dunkel und beschlugen viel zu schnell, wenn ich beim bergauf fahren ins Schwitzen kam. An dem Tag brauchte ich eh keine Sonnenbrille mehr, da es bedeckt war und es kurz vor unserer Ankunft in Nemski Rovt anfing zu regnen. 6. Tag – Der schönste Trail Sloweniens Auf Tag 6 hatten wir uns schon seit dem Start (und eigentlich auch schon vorher) gefreut, denn schon der Name “Zaubertrail” verheißt viel Fahrspaß! Im Netz haben wir vom perfekten Flow gelesen und waren dementsprechend gespannt. Selbst die Ankündigung, dass man vorher wirklich leidensfähig sein muss, da der Trail schwer zu erreichen ist, sollte uns nicht abschrecken. Nach einem besorgten Blick nach draußen gleich nach dem Wachwerden war eins schon mal klar: Das Wetter war auf unserer Seite. Es war zwar bedeckt und nicht gerade warm, aber wieder trocken, nachdem es sich wohl in der Nacht ausgeregnet hatte. Die Frage, wie nach der regnerischen Nacht die Bodenbeschaffenheit sein würde, würde uns der Trail dann später beantworten. Wir sind zunächst die wenig befahrene Straße angenehm bergauf gefahren, bevor wir dann an einem Abzweig auf einen Schotterweg abbogen. Dank der guten Beschreibung fanden wir nach weiteren 330 Höhenmetern auch den Einstieg in die Schiebepassage. Hinter Gestrüpp sind wir auf einen schmalen Waldpfad gestoßen, der relativ zugewachsen war. Gar nicht so einfach, sich da ohne große Blessuren durch Dornengestrüpp und Brennnesseln zu schlängeln. Die nassen Steine sah man auch nicht besonders gut, aber egal, was tut man nicht alles für den Spaßfaktor? Und dann lag er vor uns, der Anfang des Zaubertrails:
Zaubertrail

Zaubertrail

Es ist hoffentlich verständlich, dass wir während der Abfahrt nicht besonders viele Fotos gemacht haben. Die hat viel zu viel Spaß gemacht, als dass wir viele Pausen machen wollten. Von Maic sind gar keine dabei, da er einfach viel zu schnell war. Aber ich hoffe, dass ihr mir glaubt, wenn ich sage, dass der Trail spitzenmäßig war. 5 km bergab, erst schmal, dann ein bisschen breiter und später wieder schmal, besser könnte man einen Trail gar nicht anlegen. Und dieser alte Militärtrail ist von allein so gut, ohne dass ihn jemand großartig pflegt. auf-dem-TrailNach diesem Fahrspaß sind wir dem Schotterweg gefolgt, der moderat bergauf bis zu einer Straße führte. Diese war noch einmal ganz schön anstrengend, sie ging sehr steil bergauf und es war mittlerweile recht warm. Diesen Teil bin ich zu schnell hochgefahren, ohne großartige Pausen, denn hier waren sie: nervige Fliegen, die uns bisher erspart geblieben waren. Diese Viecher waren einfach unerträglich! An einem Bauernhof vorbei ging es über eine Wiese, die an sich gar nicht so schwierig zu fahren war, man musste aber schon ein wenig Schwung haben. Da hat mich dann der zu schnell gefahrene Anstieg eingeholt und gestraft. Ein kurzer Kreislaufeinbruch mit etwas Atemnot hat uns trotz Fliegenattacke zu einer kurzen Pause genötigt. Entspannte-TrailsWenig später kamen wir in einem Waldstück an ein wirkliches Hindernis. Hier war der Weg komplett abgerutscht. Im steilen Gelände ging es unterhalb des nicht mehr vorhandenen Weges so steil bergab, dass ein Fehltritt fatal hätte enden könnte. Da wir auf den GPS Karten keine alternativen Routen finden konnten, half es nichts: hier mussten wir lang. So stand es auch in der Beschreibung. Maic hat sich ein Herz gefasst und ist gleich mit dem Bike in der Hand losgegangen. Seine Aussage: “Ist gar nicht so schlimm wie es aussieht” war teilweise richtig. Ohne Fahrrad hätte ich es auch nicht so schlimm empfunden. Wir haben das Hindernis überwunden und wenig später noch eine weitere gefährliche Stelle gemeistert. Danach entspannte sich die Strecke und wir konnten feine Wiesenwege, schmale Asphaltpisten und Schotterwege genießen. Auf diesem Streckenabschnitt waren außer unserer Route keinerlei Wege hinterlegt und so mussten wir einige Male umdrehen, da wir zu spät erkannten, dass der von uns genommene Weg der falsche war. Im Grunde genommen nicht schlimm, aber muss der falsche Weg immer so steil sein, dass es auch richtig anstrengend ist, ihn wieder zurückzufahren????
Helmfrisur

coole Helmfrisur

Naja, im Endeffekt sind wir dann auf dem recht steil abfallenden Trail in Labinje angekommen, dort kann man sich noch ein altes Partisanenlazarett aus dem 2. Weltkrieg anschauen. Hier wurden verwundete Widerstandskämpfer versorgt ohne Gefahr zu laufen, von den Nazis entdeckt zu werden. Von hier aus ging es entspannt hinab nach Cerkno, unserem Zielort. Am Ende waren es 41,95 und 1621 Höhenmeter, wir waren ganz schön geschafft und haben uns im Supermarkt dann unser Ankommerbier genehmigt. Mit der Helmfrisur konnte man sich ja sonst nirgends sehen lassen ;-).   7. Tag – nickelige Steigungen und 240 Höhenmeter extra für eine Pizza Die ursprüngliche Etappe der Trans Slovenia Route führt nach Idrija. Dort hatten wir leider keine Unterkunft gefunden, sodass wir auf ein B&B in Spodnja Idrija ausgewichen sind. Dies war 8 km von Idrija entfernt, so hatten wir eine kurze Etappe von knapp 30 km und nur 1120 Höhenmetern vor uns. Aber so locker, wie das klang, war die Etappe dann gar nicht, denn die Anstiege hatten es alle irgendwie in sich. Ich war ganz schön am Ende, vielleicht steckte mir aber auch der vorherige Tag noch ein bisschen in den Knochen.
Praktische Armlinge und Beinlinge

Praktische Armlinge und Beinlinge

Das Wetter war etwas durchwachsen, immer mal wieder hat es geregnet und wir mussten uns ständig an- oder ausziehen. Wir sind dann kurz vor Idrija aus der Route ausgestiegen und haben mithilfe von Google Maps den Weg zum B&B Na Kluk gefunden. Die sehr freundliche und hilfsbereite Anamarija hat uns herzlich empfangen und hatte eine gute Nachricht für uns. Das Paket mit den Slicks, das wir vorab schon dorthin geschickt hatten, war angekommen. So haben wir dort bei einem leckeren Bierchen unsere Bereifung gewechselt, denn für die letzten zwei Tage und 300 km war Straße geplant. Den Namen der Slicks: Kojak fand ich übrigens äußerst gelungen ;-). Danach sind wir auf Anamarijas Empfehlung in den nächsten Ort gefahren, um mit einer leckeren Pizza unsere Reserven wieder aufzufüllen. Der Ort war nur 4 km entfernt, aber: es ging nur bergab. Und das hieß: nachher mit vollem Bauch und eigentlich lustlos wieder bergauf zurück zum B&B. Von den 240 Höhenmetern hatte Anamarija uns vorsichtshalber nichts erzählt. Später meinte sie: “Wieso, ihr seid doch sportlich!” 8. Tag – 160 Kilometer, so verrückt wie es klingt Extra für uns wurde das Frühstück schon um 7 aufgetischt. Wir wollten so viele Kilometer schaffen wie möglich und daher früh los. Wir hatten unsere Rucksäcke erleichtert, alles Überflüssige ins Paket, das die Wirtin netterweise für uns nach Deutschland schicken wollte, gesteckt, damit das Gewicht auf dem Rücken und somit auf den Gesäßknochen so gering wie möglich wird. Wir hatten wenig befahrene Straßen geplant, nur ab und zu mussten wir kurze Strecken auf der Bundesstraße fahren, wo man deutlich gemerkt hat, dass Samstag und somit Anreisetag war. Kurz vor der Grenze nach Kroatien war natürlich viel los und am Grenzposten hat uns die Dame, die unsere Ausweise kontrolliert hat, streng darauf hingewiesen, dass wir ja auf der LKW Spur über die Grenze wollten. Auf unser Argument, dass es ja keine extra Spur für Fahrradfahrer gibt, haben wir keine Antwort erhalten.
Po Entlastung

Po Entlastung

Wir wollten “irgendwann nach Rijeka” vom Hinterland auf die Küstenstraße wechseln. Dass sich das so lange hinziehen würde, hatten wir nicht geahnt. Und auch damit, dass es in den Dörfern so gar keine Einkehrmöglichkeiten gibt, hatten wir nicht gerechnet. So mussten wir uns mit Keksen, Riegeln und M&Ms über Wasser halten. Apropos Wasser: Davon hatten wir ja auch nicht besonders viel mit, weil wir unsere Trinkblasen nicht befüllt hatten, zu viel Gewicht. Unsere Idee “An jeder Tanke kann man Wasser kaufen” wäre gut gewesen, wenn es denn mal etwas mehr Tankstellen gegeben hätte. Nach ungefähr 100 km dachte ich, dass meine Po-Schmerzen auf keinen Fall noch schlimmer werden könnten. So oft wie möglich stehen war die Devise. So haben wir uns dann vorangekämpft.   Die Stimmung war trotz allem gut: Windschatten       auch wenn die Hangbefestigung das ausgesagt hat, was wir manchmal gedacht haben:PUH Als wir dann endlich auf die Küstenstraße stießen, war es ein kleiner Kulturschock. Nach all der Zeit, in der wir durch wirklich einsame und ruhige Gegenden gefahren sind, brummten hier auf einmal ein Auto und Motorrad nach dem anderen an uns vorbei. Klar, das ist DIE Ferienregion, aber müssen die alle so rasen und vor allem so dicht an uns vorbeiknallen? Nach 160 km waren wir auf jeden Fall der Meinung, dass es für den Tag reicht. 162,7 km, 1539 Höhenmeter und 8 Stunden, 23 Minuten Zeit im Sattel. Wie schon gesagt: verrückt! Über eine Agentur haben wir noch ein einfaches Zimmer gefunden. Nach dem Duschen sind wir noch was essen gegangen und haben zumindest einen Teil der 5464 verbrauchten Kalorien wieder reingefuttert. In dieser Nacht hätten wir beide wie Tote geschlafen, wenn nicht ein Kühlschrank draußen auf dem Flur ein unsagbar nerviges Quietschgeräusch gemacht hätte. Wir waren kurz davor den Stecker zu ziehen, hätten uns damit aber sicher keine Freunde gemacht…   9. Tag – “nur” noch 130 Kilometer bis zum Ziel
Der Maic an der Küste

Der Maic an der Küste

Am nächsten Tag ist es uns beiden sehr schwer gefallen, sich mit dem wunden Hintern auf den Sattel zu setzen. Die Küstenstraße wurde, je weiter wir gen Süden fuhren, immer ruhiger was den Verkehr anging, aber nicht, was das Auf und Ab anging. Immer wenn wir gedacht haben, dass es nun schön lange bergab oder zumindest mal horizontal gehen würde, kam nach der nächsten Kurve schon wieder eine Steigung. Von weitem sahen sie alle sanft aus, aber dann musste ich doch fast immer vorne auf das kleine Ritzel wechseln, während Maic viele Anstiege flott im Wiegeschritt genommen hat.       Auch am letzten Tag war der angestrebte Schnitt 20 km/h. Den hatten wir am Tag vorher fast erreicht und der sollte nun auf jeden Fall das Ziel sein. Wir haben uns mächtig ins Zeug gelegt, aber auch nicht vergessen, ab und an mal ein Foto zu machen. Es war heiß, ca. 29 Grad, und als wir nach 18 Kilometern dieses Schild gesehen haben:
Das Ziel vor Augen

Das Ziel vor Augen

hat das die Etappe nicht leichter gemacht. 114 Kilometer, die wir ab da rückwärts gezählt haben. Von unseren Poschmerzen abgelenkt haben uns die immer wieder schönen Aussichten aufs Meer und die sich ständig verändernde Landschaft auf der Landseite. Diese beiden letzten Etappen waren für mich ein wirklich harter Kampf. Aber als wir dann gegen 16 Uhr in Starigrad Paklenica ankommen, waren wir stolz wie Oskar. Es ist erstaunlich, was man alles schaffen kann:
Ziel erreicht

Ziel erreicht

Hier noch einmal alle Daten vom Garmin pro Etappe. Zusammengefasst: Übersicht 676 km und 13544 Höhenmeter, plus die 8 km und 240 Höhenmeter für die Pizza am 7. Tag. Mein Fazit:
  • Ich würde so eine Tour jederzeit wieder machen.
  • Es ist nicht besonders schlau, sich sowohl Schuhe als auch Sattel kurz vor so einer Tour neu anzuschaffen. Obwohl: Scheuerstellen an den Füßen lenken von den Poschmerzen ab 😉
  • Murphy’s Law beim Radeln: Man sieht den ganzen Tag kein Auto, aber wenn, dann tauchen sie immer an der steilsten und engsten Stelle auf!
  • Es ist gut, so eine Tour mit sehr guten Freunden zu machen, so kann man sich auch über die Befindlichkeiten (Poschmerzen etc.) ohne Scheu austauschen!
  • Auch wenn man mit Nichtschnarchern unterwegs ist: Ohrenstöpsel lohnen sich immer.
Ich freue mich schon auf die nächste Tour!   Hier noch eine kleine Galerie mit Impressionen von der Tour:   In Hintertux eröffnen Freunde von mir im November seit einigen Jahren die Skisaison. Von wunderbaren Wanderungen im Sommer hatte ihnen Alex, der Chef ihres Stammhotels, schon öfter vorgeschwärmt. Und dieses Jahr im Juli war es dann soweit. Alex hat sich Gedanken gemacht und uns eine Rundwanderung mit 3 Hüttenübernachtungen zusammengestellt. Er bietet seinen Gästen im Sommer auch selbst immer Wandertouren an und kennt die Zillertaler Berge wie seine Westentasche. Selbstverständlich haben wir nach der langen Nachtfahrt erst einmal im Hotel Eden eingecheckt, um uns bei Kaffee und Kuchen und in der Sauna mit Naturschwimmbecken auszuruhen. Das vorzügliche 6-Gänge-Menü und das umfangreiche und leckere Frühstück am nächsten Tag haben wir ausgiebig genossen. Mit dem erhöhten Kalorienverbrauch der nächsten Tage im Hinterkopf, hat das ein oder andere Schmankerl mehr reingepasst. 1. Tag: Tux – Lizumer Hütte
Stoankasern_Buttermilch

Buttermilch und Käseplatte auf der Almkäserei

Bei strahlendem Sonnenschein haben wir uns nach dem obligatorischen Foto vor dem Start auf den Weg gemacht. Laut der Track-Daten sollte die Etappe 8,8 km lang sein mit 1125 Höhenmetern. Es sollte stetig bergauf gehen, über die Junsalm hinauf zum Junsjoch, mit 2484 m der höchste Punkt dieser Etappe. Auf dem Weg liegt die Stoankasern, eine Almkäserei, wo man, wenn man gerade zur richtigen Zeit dort ist, dabei zuschauen kann, wie der leckere Almkäse hergestellt wird. Außerdem gibt es dort frische Buttermilch und leckere Käse-Probierplatten, genau das richtige für die erste Pause! Aufgrund der hohen Temperaturen haben wir uns schweren Herzens dazu entschlossen, lieber keinen Käse mitzunehmen.      
Junsjoch 2484 m

Junsjoch 2484 m

Frisch gestärkt ging es nun zunächst über einen Schotterweg in sanften Serpentinen, dann weiter über schmale Wanderpfade durch saftig grüne Wiesen hinauf zum Junsjoch. Oben angekommen nutzten wir die Pause nicht nur zum Nüsschen futtern sondern auch zum Fotografieren. Es ist immer wieder schön, den ersten Weitblick über die Berge zu genießen und die frische Bergluft einzuatmen. Die Blumenvielfalt der Wiesen ist uns hier besonders ins Auge gefallen, so bunte Almwiesen haben wir selten gesehen. Nach dem Junsjoch ging es dann stetig wieder bergab in Richtung Lizumer Hütte. Von weitem denkt man zunächst es ist ein kleines Dorf, jedoch befinden sich in der Nähe der Hütte Kasernen, die nicht nur vom Österreichischen Heer genutzt werden. Hier führen auch die Nachbarn Übungen durch. In der Woche nach unserem Besuch wurden zum Beispiel Belgier erwartet. So kann es sein, dass bestimmte Areale von Zeit zu Zeit für Wanderer gesperrt sind. Informationen dazu erhält man bei den Hüttenwirten. Wir jedenfalls hatten Glück und konnten uns dort frei bewegen.
Torsee

Füße kühlen im Torsee

  Bei der Ankunft an der Lizumer Hütte war es noch sehr früh. Nachdem wir unsere Bettenlager bezogen und einen leckeren Schokoladenkuchen verputzt hatten, haben wir uns mit etwas leichterem Rucksack auf den Weg zum Torjoch gemacht. Schneller als erwartet hatten wir das Joch erreicht (muss wohl an der Energie vom Schokokuchen gelegen haben) und sind dann noch weiter zum Torsee gewandert. An einer Stelle mit etwas weniger Mücken haben wir erst einmal die Füße ins kühle (nein eiskalte!) Nass gesteckt. Auch wenn die Wanderschuhe noch so bequem sind, ist das einfach herrlich! Wieder an der Hütte angekommen, waren dort mittlerweile auch weitere Wanderer eingetroffen. Und eine Jugendgruppe… diese hat von der resoluten Hüttenwirtin dann auch gelernt, was das Wort “Hüttenruhe” eigentlich bedeutet 😉   2. Tag Lizumer Hütte – Weidener Hütte
Hippoldspitze

Querfeldein

Der zweite Tag war laut unserem Tourenplaner Alex eigentlich eine eher einfachere Wanderung bei der wir aber “die schöne Hippoldspitze” mitnehmen können, wenn wir noch ein paar Höhenmeter machen wollen. Alex hatte die Tour im Kompass Webportal geplant und uns die jeweiligen Etappen ausgedruckt. Wie Anfänger haben wir gedacht: das reicht, da ist ja alles drauf. Dieser Tag sollte uns eines besseren belehren. Nach einer Gehzeit von ca. einer Stunde haben wir am Wegesrand eine Gruppe von einheimischen Frauen getroffen. Die wollten “einmal kurz auf die Hippoldspitze” gehen, sind dort vom Weg abgebogen und eine Bergwiese hochgewandert. Es stand dort kein Schild oder sonst ein Hinweis, aber es gab Markierungen. “Immer hinterher!” haben wir gedacht und sind munter drauflos marschiert. Und obwohl wir nach relativ kurzer Zeit schon keine Markierungen mehr gefunden haben, haben wir uns nicht von unserem Vorhaben abbringen lassen. Den Gipfel (und die Einheimischen) immer im Blick sind wir querfeldein den Berg hochgestapft, auch wenn wir immer wieder festgestellt haben, dass die angeblichen Wege wohl eher die Trampelpfade von Rindern sind.  Auch das ziemlich steile und dabei lockere Geröllfeld sind wir irgendwie kreuz und quer hochgekraxelt. Geschafft haben wir es, und wurden mit einem grandiosen Blick belohnt. Und nun komme ich zurück auf die Geschichte mit dem Ausdruck aus dem Kompass-Portal. Dort oben gab es zwar Schilder, aber auf keinem stand unsere Zielhütte. (Später haben wir herausgefunden, dass die Weidener Hütte auch Nafinghütte genannt wird, ich meine mich zu erinnern, dass das eventuell auf einem der Schilder stand…. hm). Nebenan gab es noch einen weiteren Gipfel und wie es danach weiterging, konnten wir nicht wirklich gut erkennen. Für eine korrekte Orientierung hätten wir natürlich eine Wanderkarte benötigt (die wir sonst bisher IMMER dabei hatten). Da wir uns nicht sicher waren und auch plötzlich niemand mehr da war, den wir hätten fragen können (die einheimischen Wanderinnen waren jedenfalls verschwunden), haben wir uns dann entschlossen, denselben Weg wieder zurückzugehen, da wir von dem Weg, auf dem wir ursprünglich unterwegs waren, wussten, dass es der richtige ist. Gesagt, getan. Den Weg 250 Höhenmeter unter uns im Blick sind wir wieder abgestiegen und haben unseren Weg dann weiter fortgesetzt. Ungefähr eine Stunde später kamen uns doch tatsächlich die einheimischen Damen entgegen! Die waren genauso verwundert wie wir. “Ihr hättet oben einfach über den anderen Gipfel gehen können, dann wärt ihr jetzt schon bei der Hütte und müsstet nicht alle Höhenmeter nochmal erklimmen”. Aha! Ein paar Minuten später kam dann auch das Schild “Hippoldspitze, 15 Minuten”.  Naja… die hier haben andere Wanderer dafür dann auch nicht gesehen:
Wer seid ihr denn?

Wer seid ihr denn?

  3. Tag: Weidener Hütte – Rastkogelhütte Der 3. Tag stand ganz im Zeichen des Rastkogel mit seinen 2762 m Höhe. Alex hatte schon so sehr von dem Panorama dort oben geschwärmt, dass wir ganz schön neugierig waren, ob der Rastkogel hält, was man sich von ihm verspricht. Das Wetter war wie bestellt, Sonnenschein und beste Sicht. Der Rastkogel ist einer der höchsten Gipfel in den Tuxer Alpen und die Wanderung dort hinauf wird als mittelschwer angegeben. Wir machten uns auf den Weg und genossen wieder einmal die farbenfrohen Wiesen. Selbst der Kammweg hoch oben ist noch von Blumen gesäumt, das sieht man eher selten. Nach einem stetigen Aufstieg erreichen wir den Rastkogel und wundern uns, dass hier schon ganz schön viel los. Das erklärt sich aber schnell, denn von Feldberg aus fährt eine Bahn, von der aus es dann nicht mehr ganz so weit ist bis auf den Rastkogel. Zum Glück ist es nicht überfüllt und wir können ganz in Ruhe das Panorama genießen. Der Rastkogel wird seinem Ruf als idealer Aussichtsberg gerecht: die Gletscher des Tuxer Hauptkamms, die Stubaier Alpen und die gesamte Karwendelkette entlang des Inns kann man von hier aus betrachten.
Panorama und Bergspaß

Panorama und Bergspaß

Na gut, hier auch noch ein Panorama:Rastkogel_2

 
Kleiner Gilfert mit Friedenssymbol

Kleiner Gilfert mit Friedenssymbol

Auf dem Weg weiter zur Rastkogelhütte kam uns wieder die Aussage von Alex in den Sinn: wenn ihr noch nicht müde seid, solltet ihr kurz vor der Hütte noch einen kleinen Abstecher zum Kleinen Gilfert machen. Der Weg dorthin ist etwas ganz Besonderes. Dort werden die Weltreligionen mit Zeichen dargestellt und oben auf dem kleinen Gilfert befindet sich ein Friedenssymbol, welches die Weltreligionen vereint. Durchaus sehenswert. Laut Alex sollte es ein Katzensprung sein. Wir haben uns auf den Weg gemacht und immer wieder gedacht, dass das Symbol sicherlich hinter der nächsten Biegung oder hinter der nächsten Kuppe zu sehen sein wird. Der Weg hat sich ziemlich lang hingezogen. Irgendwann haben wir dann das Symbol in weiter Ferne gesehen. Und obwohl keiner von uns besonders religiös oder spirituell angehaucht ist, haben wir uns natürlich entschlossen, nun auch noch den Rest des Weges zu bewältigen. Oben angekommen hatten wir wieder mal einen tollen Ausblick, da es aber mittlerweile recht windig und somit frisch geworden war, haben wir uns nicht lange dort oben aufgehalten. Der Weg zurück war derselbe, allerdings schien er uns jetzt sehr viel kürzer. Manchmal ist das komisch.   4. Tag Abstieg nach Tux
Abstieg

In den Wolken

  Am nächsten Morgen mussten wir dann doch einmal unsere Regenjacken anziehen. Für zwei Stunden waren wir in den tiefliegenden Wolken unterwegs. Es war ja “nur” der Abstiegstag, aber von wegen Abstieg, wir mussten doch noch einige Höhenmeter bergauf machen. Den Spruch vom letzten Jahr: “Es geht immer nur an den Höhenlinien entlang, ehrlich!” haben wir an dem Tag auch mehrfach gehört. Für die 25 km haben wir einige Stunden gebraucht. Die Vesper im Hotel Eden war uns jedoch Ansporn genug. Die Gedanken an Salat und Brot, leckeren Kuchen und Cappuccino und die Aussicht auf den entspannenden Sauna-Aufenthalt haben uns angetrieben. Was uns auch angetrieben hat, waren die penetranten Fliegenschwärme, die nach dem Regen im feuchten Wald auf uns gewartet haben. Wieso müssen die Viecher einem eigentlich immer um den Kopf schwirren? Die Pausen unterwegs waren dementsprechend kurz. Im Hotel Eden angekommen haben wir uns dann aber richtig verwöhnen lassen, die oben erwähnte Vesper, Sauna und abends ein leckeres 6-Gänge-Menü in lockerer und familiärer Atmosphäre waren der krönende Abschluss eines wunderbaren Wanderurlaubs. Und hier noch eine kleine Bildergalerie: