Unterwegs mit dem Segelschulschiff Alexander von Humboldt II Unsere Kollegin Julianne hat in diesem Sommer wieder die Segel gehisst. Im folgenden Blogbeitrag erzählt sie uns von ihrem Segeltörn und macht damit Lust auf´s Seeluft schnuppern!
Das Herzstück der Navigatoren an Bord

Julianne mit dem Herzstück der Navigation

  „Na, wie war Dein Urlaub? Wieder gut gelandet oder schaukelt es noch?“ – ja, während es andere Menschen eher in die Berge zieht, mache ich mich auf den Weg ans Meer. Genauer gesagt ‚auf´s Meer‘. Denn während ich den All-Inclusive-Hotelurlaub jedem anderen von Herzen gönne, ist das keine Urlaubsform für mich. Süßes Nichtstun halte ich so circa zwei bis drei Tage auf der Terrasse meiner Eltern aus, danach suche ich mir irgendetwas zu tun.       Infiziert vom “grünen Virus”
Da kann es schon einmal (sanft) schaukeln

Es kann schon mal (sanft) schaukeln!

Mein erster Segelurlaub auf der Alexander von Humboldt II war 2012. Mein jüngerer Bruder war auf der Vorgängerin schon einmal mitgesegelt und so dachte ich mir „Was der Kleine kann, das kriege ich auch hin!“. Gesagt, getan, gesucht und gebucht. Im September 2012 von Reykjavik nach Travemünde. Aus meinem Freundeskreis waren einige überrascht-besorgt, weil ich doch an Bord niemanden kennen würde. Aber mein Gedanke war: „Die Menschen, die sich für so etwas anmelden, müssen genauso verrückt sein wie ich – das passt schon!“ Und so flog ich nach Reykjavik, ging an Bord und war infiziert. An Bord nennen wir es den “grünen Virus”. Und wirklich: Viele, die an Bord mitfahren, werden zu Wiederholungstätern.

Jeder muss regelmäßig Wache schieben

Dabei hört sich das Bordleben gar nicht so entspannt an: Jeder Gast wird täglich einer von drei Wachen zugeteilt. Diese übernehmen für zwei Schichten à vier Stunden täglich die Arbeit an und unter Deck.
Arbeit an Deck - das Gangspill

Arbeit an Deck – das Gangspill

Und die Zeiten sind toll: Einerseits die 0-4-Wache, von Mitternacht bis 4:00 Uhr morgens und von 12:00 Uhr mittags bis 16:00 Uhr arbeitet sie an Deck. Nachts schält sie auch die Kartoffeln für die Smuts (Köche) mit, daher wird die 0-4-Wache auch die “Kartoffelwache” genannt. Dann die 4-8-Wache (4:00 – 8:00 Uhr und 16:00 – 20:00 Uhr), meiner Meinung nach die schönste Wache, da meistens Sonnenauf- und -untergang in diese Zeitfenster fallen. Außerdem bekommt man jede Mahlzeit mit, wenn man sich nicht über die Mittagszeit hinlegt. Und letztlich die 8-12-Wache, die angenehmste für alle, die ihren Schlafrhythmus nicht auf nächtliche Wachen umstellen wollen. Und all diese Wachschichten werden natürlich unabhängig vom Wetter gefahren. Ob es regnet, hagelt, nebelig ist oder die Sonne scheint – das Schiff fährt und braucht uns. Die Wachen sind für alle seglerischen Arbeiten wie (Ent-)Packen der Segel, Setzen und Bergen der Segel, Ausguck, Ruder und das Fine-Tuning der Segelstellung (Brassen) verantwortlich. Und sollte doch einmal etwas “freie Zeit” während der Wache sein, so lässt sich diese vorzüglich zur Weiterbildung der Mannschaft nutzen: Welches Seil (Tampen) an welchem Ort macht was bei welchem Segel?! Welche Knoten gibt es und wozu sind sie gut? Und wie viele Feuerlöscher haben wir eigentlich so an Bord herum stehen?  Das klingt in den Ohren mancher “Landratten” schon eher nach Arbeit als nach Urlaub. Eine bunte Mischung an Bord
Arbeit an Deck - Tampen reißen

Arbeit an Deck – Tampen reißen

Dem entgegen steht eine ganz andere Erfahrung an Bord. Zum einen die Wache, in der man über die Törnzeit meist zusammen wächst, wie in einer kleinen Familie. Die Menschen, die man morgens zuerst, eventuell noch zerknittert, sieht und denen man abends zuletzt “Gute Ruh!” wünscht. Mit denen man an Deck, egal bei welchem Wetter, steht und bei denen man recht schnell heraus hat, wer pausenlos Beatles-Lieder singen kann oder wer die besten norddeutsch-trockenen Witze erzählt. Dabei ist die “Besatzung” der Alex 2, wie wir unser Schiffchen auch liebevoll nennen, nicht so klischee-norddeutsch besetzt, wie mancher vermuten mag. Häufig sind die Wachen bunt durcheinander gewürfelt, egal ob Süd-, Ost-, West- oder Norddeutschland. Und einige Schweizer sieht man auch wiederholt an Bord. Gerade jetzt im Sommer, während der internationalen Großsegler-Regatta “The Tall Ship Races”, die als Jugendtörns gefahren werden, ist es mit Irland, Russland, Ungarn oder Dänemark durchaus noch internationaler. Meine Reise dieses Jahr führte übrigens von Kristiansand (Norwegen) über Aalborg (Dänemark) und Cuxhaven nach Bremerhaven zur “SAIL”. Dabei waren auch viele andere Großsegler, durch die Races bedingt, auf ähnlichem Kurs unterwegs – unter dem Dachverband STI (Sail Training International). Es ist schon etwas Besonderes, morgens aufzuwachen, raus zu gucken und weitere Silhouetten der großen Segler am Horizont oder näher auszumachen! Jeder kann mitsegeln
Urlaub unter Grünem

Urlaub unter grünen Segeln

Für das Segeln auf der Alex 2 werden keinerlei seglerische Vorkenntnisse benötigt. Jeder zwischen 14 Jahren und “Ich fühle mich noch fit genug für ein Abenteuer” ist an Bord gerne gesehen. Natürlich gibt es für den Hintergrunddienst ausgebildete Menschen. Einmal der Kapitän und der erste von drei zusätzlichen Steuerleuten – diese beiden brauchen ein nautisches Patent. Und für die Arbeit an Deck gibt es Menschen wie mich. Menschen, die sich in das Schiff, die Arbeit an Bord und die Menschen dort verliebt haben und sich so sicher waren, dass sie gesagt haben: Ich will für eine Weile ein Teil davon werden. „Moin, wir sind der “Stamm”! Wir nehmen jeden gerne an die Hand, erklären und üben mit euch, wer was wann wo und wie zieht, oder eben besser auch nicht. Für Seekrankheit kennen wir noch einen Geheim-Tipp und haben sonst aufmunternde Worte und etwas Zwieback parat. Denn nur zu gut wissen wir selbst, dass es jeden Mal einfach so erwischen kann. Also keine Sorge!”- so wird man an Bord begrüßt und aufgenommen, fühlt sich gut aufgehoben.  
Dat Glöcksche!

Die Schiffsglocke

Und so entsteht auf dem Schiff eine wunderbare Mixtur unterschiedlichster Menschen und Biographien, gewürzt mit dem täglichen (Arbeits-)Spaß draußen bei Wind und Wetter und abgeschmeckt mit der wunderbaren Silhouette des 2011 neugebauten Dreimasters Alexander von Humboldt II. Für mich seit 2012 eine perfekte Mischung für den Urlaub. Und auch wenn ich jedes Jahr mit meinem Rucksack zu Fuß unterwegs bin, so findet man mich genauso sicher für mehrere Wochen des Jahres irgendwo in den Masten und an Deck meines Lieblings-Schiffes.   Falls ihr nun auch Lust auf frische Seeluft, Gemeinschaft und Abenteuer bekommen habt, hilft Euch die Homepage der Alex-2 gerne weiter. Dort findet ihr jede Menge Infos über das Schiff, die Aufgaben der einzelnen Wachen und auch den aktuellen Törnplan, mit den Terminen und Orten, wo die Alex 2 gerade ist und wo sie noch hin fährt (natürlich mit Anmelde-Möglichkeit ;-)) Viele Grüße Julianne von Unterwegs Oldenburg

Schade! Dieses Gewinnspiel haben wir leider schon beendet.

Wir gratulieren der Gewinnerin

Pia T.

und wünschen ihr viel Spaß auf der zehntägigen, unvergesslichen Reise ins

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Toi Toi Toi – wir drücken euch die Daumen!

Euer Unterwegs Team

 

*Die Gewinner werden unter allen Teilnehmern ausgelost und schriftlich benachrichtigt. Teilnahmeschluss: 31.10.2015. Der Rechtsweg, die Übertragung der Reise sowie die Barauszahlung sind ausgeschlossen.