Eine Woche Urlaub und akutes Reisefieber, was stellt man damit an? Zwischen all den schönen Fleckchen auf dieser Welt habe ich mich dieses Mal für den Lysefjord in Südnorwegen entschieden. Schnelle Anreise und atemberaubende Landschaft waren bei dieser Entscheidung ausschlaggebend. Ein paar Tage wandern mit leichtem Gepäck, nichts Überflüssigem und trotzdem alles dabei zu haben – das hatte ich mir vorgenommen. Als der Riesenberg Ausrüstung dann neben meinem kleinen 35 Liter Rucksack lag, zweifelte ich doch an meinem Vorhaben, aber nach kräftigem Aussortieren war am Ende doch alles im und am Rucksack verstaut. 13 kg + Wasser brachte das gute Stück nun auf die Waage. Erstaunlich, da mein normales Trekking-Gepäck meist um die 20 kg wiegt.
Preikestolen-Tipp-Unterwegs

Der Preikestolen, nervenkitzel am frühen Morgen

    Meine Packliste:
  • Merino Tshirt, Wollpullover, Primaloft Jacke, Regenjacke- und Hose, Socken und Wäsche, Stirnband
  • platzsparender Minikocher, kleiner Topf, Löffel und Messer
  • dünner Schlafsack, leichte Matte, Zelt, Wanderstöcke
  • Erste-Hilfe-Set, Zahnbürste, Waschzeug, Trekking Handtuch
  • Lebensmittel für fünf Tage bestehend aus Tüten Essen, Schokolade und Müsli
  • Karte und Kompass, Kamera, ein Buch
In der Hoffnung, trotzdem für jede Gelegenheit gerüstet zu sein, freute ich mich nun sehr auf die Reise.     Per Direktflug nach Stavanger und dann per Anhalter zum Ausgangspunkt meiner Tour, der Preikestolhytta. Das erste Stück bis zum Preikestolen ist für jeden, der Ruhe und Einsamkeit in den Bergen schätzt, der Horror. Die breit gepflasterte Touristenautobahn stört das Bild dieser friedlichen Landschaft. Aber ich kann jeden, der die gut sieben Kilometer lange, bergauf-führende Strecke auf sich nimmt verstehen, der Ausblick der uns erwartet ist grandios! Oben an der Kanzel angekommen, genieße ich die Aussicht und beobachte das bunte Treiben. Ich habe den Plan, hier oben zu übernachten, um am frühen Morgen den Preikestolen ganz für mich allein zu haben. Ein kräftiger Regenschauer vertreibt die meisten Wanderer und nachdem es ruhiger geworden ist, baue ich mein Zelt in sicherer Entfernung zur Abbruchkante auf. Während das Wasser für mein Trekking-Tüten-Essen kocht, genieße ich schon einmal die tolle Stimmung: Oben auf dem Berg über dem Fjord – und das Wichtigste: Ruhe. Zugegeben: Ich war nicht ganz allein mit der Idee hier oben zu campen, aber so gab es am nächsten Morgen zumindest die Gelegenheit zum gegenseitigen Fotoshooting – ganz allein auf dem bekannten Preikestolen.
Norwegen-Reisebericht-Unterwegs

Bei herrlichem Wetter geht’s weiter!

Da es zu dieser Jahreszeit selbst in Südnorwegen nur einige wenige Stunden der Dämmerung gibt, aber nie richtig dunkel wird, steht die Sonne schon Früh um sechs hoch am Himmel und man möchte eigentlich gar nicht mehr liegen bleiben. Alles wieder im Rucksack verstaut und weiter geht es. Am zweiten Tag meiner Tour bin ich tatsächlich keiner Menschenseele begegnet – das totale Gegenteil zum Vortag. Die Landschaft könnte nicht vielseitiger sein: Durch dichte Birkenwälder bergab, dann über Geröllfelder wieder bergauf bis über die Baumgrenze, über Fels-Plateaus und bunte Sommerwiesen und wieder hinab bis ganz zum Fjord. Alle paar Meter stehen bleiben, die Ruhe genießen und staunen. Trotzdem hatte ich an diesem Tag mehr geschafft, als ich mir vorgenommen hatte. Übrigens gar kein leichtes Unterfangen, da ich zur Planung nirgends Angaben zu Geh-Zeiten dieser Tour gefunden habe. Daher plante ich aus Angst mich zu überschätzen eher kleine Tages-Etappen ein.

Trekkingnahrung-Fjord-Kocher

Eine kleine Stärkung für zwischendurch…

Zugegeben nach einem knapp 18 km Marsch das Zelt direkt am Fjord aufzuschlagen ist ein überragendes Gefühl. Trotz des verhältnismäßig leichten Gepäcks, war das ständige auf-und-ab und die Geröllfelder ziemlich anstrengend. Schnell ein Bad im klaren Fjord, ein energiereiches Abendessen und dann die müden Knochen auf der Isomatte ausstrecken. Jeder Outdoorer wird diese Erleichterung kennen.
Fjord-Zelten-Norwegen-Unterwegs

Zelten mit Ausblick direkt am Fjord

Um 4 Uhr früh heizte die Sonne das Zelt so sehr auf, dass ich nicht länger schlafen konnte und wollte. Während ich einen besonders großen Becher Kaffee genieße, beobachtet mich ein kleiner Seehund, der neugierig am Ufer des Fjordes entlang schwimmt. Allein diese kleine Begegnung stärkt schon für den ganzen Tag und lässt den Muskelkater fast vergessen. Also weiter geht’s. Die Strecke sollte an diesem Tag deutlich leichter zu laufen sein. Ein ehemaliger Traktor-Weg, der die meisten Kilometer hinauf zur Nothütte in den Bergen führt kann man gut entlang wandern und auch die Hochmoore, durch die ich den weiteren Teil der Strecke laufe, sind nach der langen Trockenphase in diesem Gebiet kein Problem.
Lysebotn-Norwegen-Reisebericht

Ein Traum!

Ein einziger Wanderer kommt mir entgegen; und eine ganze Menge Schafe, die hier oben den Sommer verbringen und mich ein Stück begleiten. Ich bin bereits mittags an meinem angedachten Tagesziel und laufe einfach weiter, bis ich an die Straße gelange, die in Serpentinen hinunter nach Lysebotn führt. Das Dorf Lysebotn besteht aus einer Hand voll festen Einwohnern und lebt fast ausschließlich vom Tourismus. Es liegt ganz am Ende des Fjordes und ist somit ein beliebtes Ausflugsziel. Zu meinem Glück erbarmt sich ein Einheimischer meiner müden Füße und nimmt mich im Auto die steilen 700 Höhenmeter hinunter in den Ort mit. Unten angekommen beschließe ich, die Nacht auf dem Campingplatz zu verbringen. Eigentlich war ich guter Hoffnung hier noch einige Nahrungsmittel nachkaufen zu können. Doch leider lagen mir hier falsche Informationen vor: Tour-Essen gibt’s hier nicht. Naja, dann muss es eben reichen. Aber die Dusche konnte mir keiner nehmen! Ebenso wenig wie den grandiosen Ausblick über den Fjord. Ganz anders aus dieser Perspektive.
Lysebotn-Bergwelt-Ausblick

Vom Campingplatz in Lysebotn hat man ganz andere Eindrücke der Bergwelt

Die 700 HM, die ich am Tag zuvor mit dem Auto hinunter zum Fjord gefahren wurde musste ich am nächsten Morgen auf der anderen Seite ja auch irgendwie wieder hoch. Das Wetter hatte sich leider schon am Vortag etwas zugezogen und sich nun zu stetigem Nieselregen gewandelt. Die enge, steile Straße hinauf zu kraxeln trägt nicht gerade zur guten Laune bei, also wieder Daumen raus und ich durfte dieses Mal eine muntere Reisegruppe aus dem asiatischen Raum begleiten, die von meiner Ausrüstung und meinen Geschichten begeistert waren. Ihr Ziel: Der Kjerag-Bolten. Dieser in der Eiszeit dort oben eingeklemmte Stein ist mindestens genauso berühmt wie der Preikestolen – nur nicht so leicht zu erreichen. Trotz des Wetters (mittlerweile ein kräftiger Sturm und Regen) war die Strecke sehr gut begangen, aber nichts desto trotz sehr anstrengend. Dank der richtigen Schuhe waren aber auch die nassen Steine kein Problem und ich wagte mich sogar auf den Kjerag. Gänsehaut pur.
Kjerag

Der Kjerag

Der „normale“ Wanderweg führt auf gleicher Strecke wieder zurück zum Parkplatz, doch ich wollte ja noch weiter. Da ich insgesamt viel schneller unterwegs war, als ich mir das dachte, hatte ich in Lysebotn (meinem eigentlichen Zielpunkt) beschlossen, auf der anderen Fjordseite weiter zu wandern, bis der Proviant alle ist. Da diese südlichere Seite mit gut 1000 Meter über dem Meer noch etwas höher ist, als die nördliche, hatte ich statt mit Sonnenbrand in den ersten Tagen nun mit Sturm, Schneefeldern und Schmelzwasser zu kämpfen.
Reise-durch-Norwegen-Tipp

Auf 1000 Meter Höhe führt der Weg entlang des Fjordes

Ganz andere, aber nicht weniger spannende Eindrücke. Allerdings sollte die kommende Nacht nicht besonders friedlich werden. Ich suchte für das Zelt auf dem Hochplateau nach einer windgeschützten Stelle mit der ich auch zufrieden war – bis der Wind sich nachts drehte und das Zelt mit jeder Böe neu herausforderte. Selbst ich zweifelte hier an der Stärke des ultra- leichten Materials, aber erstaunlicher Weise es war überhaupt kein Problem.  
Reisetipp-Unterwegs-Schneefelder-Norwegen

Schneefelder wohin das Auge reicht…

Tag 5 meiner Runde um den Lysefjord sollte auch mein letzter sein. Durch den andauernden Regen erwachten die Bäche und Moore wieder aus der Trockenzeit und ich stand mehr als einmal bis zum Knöchel im Matsch. Gut, dass meine Wanderstiefel gepflegt und somit echt ideal für diese Gegebenheiten waren. Bei der ein oder anderen Bachdurchquerung, die aufgrund des Regens nötig war, zog ich es aber doch eher vor, barfuß hindurch zu waten, nasse Wanderschuhe sind mit das Schlimmste auf einer Tour. Dennoch war das Wetter mit passender Kleidung kein Problem und die Landschaft durch die Wolken eher noch eine Spur interessanter.    
Tentporn-Zeltausblick-Norwegen

Ausblick aus meinem Zelt

Die letzte Etappe, vom Fjell hinunter zum Fjord bestand aus einer extra Herausforderung: 4444 Holz-Stufen, entlang einer Wasserleitung hinab in den Ort Fjørli, von dem aus die Fähre mich zurück zum Ausgangspunkt bringen sollte. Zum Glück hatten die Erbauer in regelmäßigen Abständen Verschnaufe-Möglichkeiten eingerichtet, die ich dankend annahm. In dem kleinen Fischerort wartete ich nun auf die Fähre, die für die Einwohner die einzige Verbindung zur Außenwelt ist. Es ist noch einmal ein eigenes Erlebnis, vom Wasser aus die steilen Felswände zu bestaunen, auf denen man noch Tage zuvor entlang wanderte.

Svenja-Norwegen-Reisebericht

Ein großartiger Moment

Für mich war die Wanderung ein toller Beweis dafür, dass man trotz wenig Ausrüstung eine Tour in den Bergen zu einem unvergesslichen, positiven Erlebnis machen kann, wenn man denn das Richtige mitnimmt. So schnell vergeht ein Jahr… In dem folgenden Beitrag erfahrt ihr, was Svenja in ihren letzten Wochen in Neuseeland erlebt hat. Viel Spaß beim Lesen und Träumen!       Fjordland
10. Neuseeland_Milford

Der Mitre Peak am Milford Sound: Sagenhaft schön

10. Neuseeland_Delfine

Bei dem Cruise im Milford Sound schwimmen Delfine mit dem Boot um die Wette

Ein Cruise mit einem der unzähligen Anbieter ist ein Muss und beim Anblick der ca. 30 Busparkplätze, die, wie uns versichert wurde, im Sommer alle und ständig besetzt sind, waren wir sehr froh, diese Jahreszeit und den ersten Cruise morgens gewählt zu haben. Mit nur einer Hand voll anderer Touristen konnten wir die beeindruckenden Ansichten genießen. Begleitet von Delfinen rund ums Boot und nach einer kleinen Kanutour auf dem Fjord bin ich echt sprachlos bei all diesen Eindrücken.   Queenstown
10. Neuseeland_Queenstown

Die ersten Frühlingstage am Seeufer von Queenstown

Nach dem Ausflug zum Milford Sound ging es nach Queenstown, ein anderer wirklich typischer Ort für Touristen. Jetzt, am Ende der Ski-Saison, ist es allerdings verhältnismäßig ruhig und der See mit blühenden Obstbäumen am Ufer vor den schneebedeckten Bergen ist eine grandiose Ansicht. Übrigens sind die meisten Bäume und Sträucher in Neuseeland immergrün, das heißt, sie verlieren ihre Blätter im Winter nicht. Jedoch ist es jetzt im Frühling noch einmal intensiver grün und bunt. Queenstown ist das Outdoor- und Extremsport-Paradies der Südinsel und so ließen wir uns auch gerne davon anstecken und genossen die tolle Aussicht bei einem Tandem-Paragliding Flug.
10. Neuseelan_Te Anau

Lake Te Anau auf der Südinsel. Im Winter hat man den See ganz für sich alleine.

Westcoast
10. Neuseeland_Berge

In den frühen Morgenstunden, wenn der See klar ist, sieht man ein super Spiegelbild vom Mt. Cook und den umliegenden Gipfeln

An der Westküste befinden sich auch die beiden großen Gletscher: Franz-Josef und Fox. In ehemals vom Eis ausgeschachteten Tälern kann man fast bis zum Eis wandern. Sehr erschreckend allerdings, wenn man die Eindrücke mit den Fotos von vor einigen Jahren vergleicht, als die Gletscher noch hunderte von Metern weiter Richtung Meer ragten. Eines der Opfer globaler Erwärmung. Trotz alledem ist die Aussicht vom Helikopter auf die großen Gletscher und vor allem auf den Mount Cook (den ich ja schon von Ostseite gesehen habe) ein Traum. An meinen letzten Tagen in Neuseeland gönnte ich mir noch eine Fahrt mit der Trans-Alpinen Eisenbahn von der Westküste über die Alpen bis nach Christchurch an der Ostküste. Mit einem Stopp in Arthurs Pass, wo ich -trotz spontanem Wintereinbruch mit viel Neuschnee- noch ein paar Tage wandern war.
10. Neuseeland_Kea

Keas: Die Papageien der Berge. Frech, neugierig und intelligent.

  Das wars…
10. Neuseeland_Banks

Akaroa auf der Banks Penninsula ist ein kleines verschlafenes Dorf. Ein tolles letzes Wochenede für mich.

12 Monate Neuseeland – ein Jahr ist um. Ein Wochenende noch, welches ich bei mittlerweile grandiosem Sommerwetter auf der Banks-Peninsula Nähe Christchurch verbringe. Mit dem Seekajak um Buchten der Küste herumzufahren ist perfekt, um noch einmal alles Revue passieren zu lassen. 350 Tage am Ende der Welt. Zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Kanu. Im Camper Van, dem Flugzeug oder Zug, auf Pferderücken, im Motorboot, Helikopter oder einfach trampen – jeder Tag brachte ein neues Abenteuer, ein neuer Ort und wirklich interessante Begegnungen. Seit ich wieder in Deutschland bin musste ich oft die Frage beantworten „Und? Wie wars?“ Natürlich ist es schwierig, pauschal zusammenzufassen, wie es war. Ich kann nur sagen, dass mich Neuseeland mit seiner Vielseitigkeit und die Offenheit der Menschen unglaublich fasziniert und begeistert hat. Somit kann ich jedem empfehlen, eine Reise an dieses Ende der Welt zu wagen. Jedoch würde ich jederzeit das Winterhalbjahr vorziehen. Im Sommer muss ich leider sagen, ist das Land touristisch sehr überlaufen. Alles in allem würde ich die Reise jederzeit wieder machen und blicke super gerne auf die Zeit zurück.   Central Otago
9. Pinguin

Herrlich, die Pinguine am Strand zu beobachten

Wir haben hier in Neuseeland schon viele komische Vögel getroffen, doch die Begegnungen in Oamaru, einer Stadt an der Ostküste toppt alles: Auf dem kleinen Campingplatz am Hafen wohnten wir doch tatsächlich mit Pinguinen zusammen. Diese tollpatschigen Gefährten, die ich ehrlich gesagt nicht in Neuseeland erwartet hatte, schwimmen den ganzen Tag im Meer umher und kommen im Schutz der Dämmerung an Land um geschützt in kleinen Höhlen oder (wie in diesem Falle) unter den Wohnwagen und Hütten zu übernachten. Kolonien verschiedener Arten befinden sich hier an der südlichen Ostküste, zum Beispiel „Little Blue Penguins“ wie hier in Oamaru oder die Yellow-Eye Pinguine. Diese seltene Art ist nur in Neuseeland zu finden und man muss wirklich Glück haben, diese scheuen Tiere zu erspähen
9. Steampunk

Eine der vielen Galerien im Zentrum von Oamaru: Das Steampunk HQ

      Oamaru an sich ist im viktorianischen Stiel erbaut und bekannt für den sogenannten „Steam Punk“. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber auf jeden Fall einen Besuch wert. Ein Abstecher von unserer Küstenrute führt mich ins Herz Neuseelands. Central Otago, das Land der Merinoschafe, Kilometer langen und geraden Straßen, den Southern Alps und riesigen Seen. Lake Tekapo zum Beispiel ist bekannt für seinen perfekten Sternenhimmel. Nach einer kleinen Wanderung vom Ort hinauf auf den Mt John hat man eine grandiose Aussicht über die fast steppen-artige Gegend und kann die Sternwarte besuchen. Ich habe gerade eine Neumond-Nacht erwischt, und der Sternenhimmel der südlichen Hemisphäre ist wirklich beeindruckend. Selten kann man hier sogar Southern Lights – quasi das Gegenteil vom Nordlicht – beobachten.
9. Kirche

Die meist fotografierte Kirche im Lande

    Ein weiteres Wahrzeichen der Gegend ist die Kirche am Seeufer, Church of the Good Shepherd (Kirche des guten Hirten) die 1935 fertiggestellt wurde und durch ihre Lage mit Blick auf den See und die Berge noch heute von großer Bedeutung für die Einwohner ist.          
9. Tekapo

Lake Pukaki – wie gemalt…

Lake Pukaki, von den großen Gletschern gespeist, ist bekannt für seine leuchtend blaue Farbe. Am Ende des Sees kann man schon vom Weitem die Gipfel des Mt Cook, des höchsten Berges Neuseelands sehen. Der kleine verschneite Ort gleichen Namens ist jetzt im Winter wirklich ruhig und bei meinem Glück mit dem Wetter kann ich die Sicht auf Mt Cook ganz alleine genießen. Ein Aufstieg auf den besagten Berg würde selbst von hier noch 6 Tage dauern. Sir Edmund Hillary, wohl einer der bekanntesten Neuseeländer, trainierte hier für seinen aufstieg zum Mt Everest. Für mich persönlich war es genug, entlang der Seen zum Gletscher zu wandern.
9. MtCook

Blick auf den Mount Cook

  Southland Wieder zurück an der Küste ging es weiter Richtung Süden. Ein kleiner Stop bei den bekannten Moeraki Boulders machte uns wieder einmal bewusst, welch großen Einfluss die Elemente auf die Landschaft Neuseelands haben. Diese Felsen wurden vom Meer ausgewaschen und Kugelrund geformt. Endlich erreichen wir Dunedin, meiner Meinung nach die bisher schönste Stadt Neuseelands. Heimat von Neuseelands größter Universität, einer großen Schokoladenfabrik und der offiziell steilste Straße der Welt. Wir versuchen gar nicht erst, mit dem Auto die Baldwin Street (Steigung von knapp 35 %) hinauf zu fahren, es reicht, den in Treppenstufen angelegten Bürgersteig hinauf zu klettern.
9. Küste

Die Südküste ist wirklich wunderschön.

Zu sehen gibt’s hier um Dunedin definitiv genug. An den großen Stränden und Klippen außerhalb der Stadt kann man den seltenen Royal Albatos erspähen, faule Seelöwen und natürlich wieder Robben und Pinguine beobachten. Die ganze Gegend ist sehr beeinflusst vom Wetter. Zum Schutz der Weiden angepflanzte Baumreihen stehen zum Teil waagerecht, was uns zeigte, wie stark der Wind hier sein kann. Am Abend bekamen wir tatsächlich selber diese Gewalt zu spüren. Ich habe noch nie so ein starkes Gewitter erlebt und der Wind brachte unseren Van fast zum umkippen, zumindest fühlte es sich so an.    
9. Bluff

Slope Point: Wer noch südlicher will, muss schwimmen!

Im Dezember waren wir am Cape Reinga, dem nördlichsten Punkt Neuseelands. Jetzt sind wir am Slope Point, dem südlichsten Punkt des Hauptlandes. Südlicher von hier ist aber noch Neuseelands „dritte Insel“ Steward Island. 85 % Wald und nur eine Hand voll dauerhafte Einwohner. Tobi war so mutig, im winterlichen Wetter das Schiff zur Insel zu nehmen und ein Paar Tage in der Einöde auf einem der Tracks wandern zu gehen. Neuseeland hat insgesamt 8 dieser Great Walks: Ausgebaute Wanderwege durch ansonsten unerschlossenes Gebiet in den Nationalparks. Übernachten kann man in Hütten oder ausgewiesenen Campingplätzen. Manche dieser Hütten muss man in der Saison bis zu 5 Monate vorher buchen, doch im Moment hat man sie fast für sich alleine.   Knapp ein Monat bleibt uns nun noch, um das Fjordland und die Westküste der Südinsel zu erkunden, dann geht’s auch schon wieder in die Heimat.    
8. Berge

Auf ins nächste Abenteuer!

Da waren wir nun, mal wieder ohne genauen Plan, dieses Mal auf der Südinsel. Während die letzten 500 km auf der Nordinsel durch flaches Ackerland führten bestätigte sich hier unten sofort jedes Vorurteil was die Bergwelt angeht und die steilen, kurvigen, engen Straßen wurden beim herbstlichen Regenwetter zum Abenteuer.
8. Golden Bay 2

Im Licht des Sonnenaufgangs sieht diese Bucht wirklich golden aus.

Wir wollten uns zuerst die Tasman-Region ganz im Norden ansehen: Der Tasman-Nationalpark ist bekannt für seine Wanderungen entlang an traumhaften Stränden, Seerobben im klaren Wasser und ist ein regelrechtes Kajak Paradies. Da die Sonne trotz der Jahreszeit immer noch erstaunlich warm ist, konnten wir noch einmal ausgiebig am Strand relaxen, wenn auch ohne im mittlerweile eiskalten Meer zu baden.

Ganz im Norden liegt die sichelförmige ‘Golden Bay’. Durch eine riesige Bergkette vom Rest der Insel abgeschnitten ist es hier friedlich und zu dieser Jahreszeit sehr einsam. Wenn man das Ende der Straße Richtung Norden erreicht hat und zum Leuchtturm am Cape Farewell wandert hat man eine tolle Aussicht über den Farewell Split, eine Sandbank, die sich über 26 km über Wasser und 6 weitere unter Wasser erstreckt. Durch diese Bank wird die Golden Bay vor den Gewalten des Meeres geschützt.

8. Golden Bay 1

Aussicht während einer Wanderung im Tasman National Park

Wir haben Glück und einen klaren Tag erwischt: Eine Einheimische macht uns darauf aufmerksam, dass man am Horizont sogar den Mt. Egmont auf der Nordinsel, den wir vor einigen Monaten erklettert haben, erkennen kann. Die Region ist wirklich sehenswert, aber eine der schönsten Ecken ist Wharariki: Nach nur 10 Minuten zu Fuß durch Sanddünen kommt man an diesen riesigen Strand. Charakteristisch für Wharariki sind die riesigen Felsen die in der Brandung liegen. Felsbrücken, Bögen und Hölen, die Heimat für viele Meeresbewohner und Seevögel bieten kann man hier erkunden. Wie gesagt, zu dieser Jahreszeit verirren sich nicht mehr viele an so abgelegene Orte und so können wir am menschenleeren Strand den Sonnenuntergang genießen.

8. Cape Farewell

Die Archway Islands am Cape Farewell, so klingt für uns der Sommer aus

Genug vom Strand und erst einmal wieder ins Inland: Der ‘Nelson Lakes National Park’ im Norden der neuseeländischen Alpen wartet auf uns. Was ein Wetterumschwung: Bei einer kleinen Wanderung, die wir unternahmen, um eigentlich eine tolle Aussicht über den Lake Rotoiti zu bekommen, fing es unerwartet an zu schneien. Am nächsten Morgen stand dann endgültig fest, dass es Winter wird: Die Scheiben unseres Vans, in dem wir schliefen, waren nicht nur von außen, sondern auch von innen gefroren. Na herzlichen Dank! Das Aufstehen aus dem warmen Schlafsack ist doch schon schwer genug. Das Beste an so kalten Nächten ist jedoch bekannter Weise, dass die folgenden Tage sonnig werden und auf unserem Weg nach Blenheim fahren wir bei strahlendem Sonnenschein entlang schneebedeckter Berge – einfach traumhaft!  
8. Wandern

Normalerweise sollte man von hier eine tolle Aussicht über die Nelson Lakes haben… Gut, dass wir die passende Ausrüstung für den kleinen Wintereinbruch dabei haben.

Blenheim an sich ist eine der bekanntesten Weinregionen Neuseelands. Kilometer um Kilometer fahren wir durch die Felder und alles was wir sehen sind Reihen voller Weinreben und gelegentlich mal ein imposanter Gutshof, in dem man dann die Weine probieren und kaufen kann. Aber ganz ehrlich: So romantisch man sich das Ganze auch vorstellen mag, es ist einfach industrieller Weinanbau und dieser ist für die Arbeiter bei diesem Wetter nicht nur hart, sondern wird auch nur minimal bezahlt.
8. Blenheim

Zwischen den nördlichen Ausläufern der Southern Alps und dem Meer liegen nur wenige Kilometer

Etwas nördlich von Blenheim finden wir einen gemütlichen Campingplatz in einer kleinen Bucht. Durch einige Erdverschiebungen und ausgewaschen vom Meereswasser wurden kilometerlange Tunnel und Spalten von der Natur in den Fels gearbeitet, bei deren Erkundung man sich unbedingt auf seine Stirnlampe verlassen sollte… Wir genossen die Zeit in der Bucht, versuchten uns im Angeln und sammelten Meeresfrüchte fürs Mittagessen direkt von den Felsen. Das gibt es auch nur hier in Neuseeland 😉

Unser weiterer Weg führt von nun an immer entlang der Ostküste. Es ist wirklich beeindruckend auf der einen Straßenseite 1000 m hohe, von Schnee gekrönte Berge, zu sehen und auf der anderen Seite direkt das Meer. Ein kleiner Punkt wird uns besonders in Erinnerung bleiben:

Seehundbabys-Neuseeland

Eine tolle Überraschung

Wir hielten nur an um uns nach der Autofahrt die Beine zu vertreten und zu einem kleinen Wasserfall zu laufen, doch wir wurden überrascht: Dieser ca 500 m lange Bachlauf wurde von den Seehunden als „Kindergarten“ auserkoren. Im Herbst tummeln sich hier hunderte kleiner Seehundbabys, entwickeln spielerisch ihre Jagdtechniken und sozialen Fähigkeiten und sind geschützt vor ihren Feinden. Aber sie spielen nicht nur im Wasser. Überall auf den Felsen und im Wald laufen sie herum. Wir verbrachten Stunden damit, sie zu beobachten.

8. Relaxen

Es geht doch nichts über ein bequemes Camp! (An dieser Stelle kann ich sehr die Travel Hammock von Exped empfehlen)

Um die Stadt Taupo zu besuchen machten wir vom Tongariro Nationalpark im Herzen der Nordinsel noch einmal einen kleinen Abstecher nach Norden. Eine schöne Stadt, die vom Blick über den riesigen See auf die Berge des zentralen Vulkanplateaus geprägt wird. Der Lake Taupo ist Neuseelands größter Süßwassersee: 616 km² groß und bis zu 185 m tief. Auch hier spürt man noch, dass man sich auf vulkanischem Boden befindet. Neben den Wasserfällen, die durch Erdverschiebungen entstanden sind bieten heiße Quellen direkt am Fluss Anblicke zum Staunen.
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Strandpromenade in Napier: Die “Six Sisters”

Von Taupo aus fuhren wir den landschaftlich wirklich schönen Taupo-Napier Highway zurück an die Ostküste und in die Hawke´s Bay. Napier als Art-Deco-Capital ist wirklich schön und die Hawke´s Bay mit ihren weißen Klippen, den Weinbergen und weitreichenden Apfel-Plantagen auf jeden Fall einen Besuch wert. Zur Apfelernte waren wir leider schon ein bisschen spät, ansonsten ist es die Backpacker-Arbeitsregion Nr. 1. Auf der Weiterfahrt nach Süden gab es wenig erwähnenswertes. Zwar fährt man entlang einer bewaldeten, riesigen Bergkette, die allerdings im Vergleich zu dem bisher gesehenem eher öde wirkt. Ansonsten plattes, vertrocknetes Farmland und gelegentlich ein Paar Kühe. Wir waren schon ein bisschen enttäuscht.
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In freier Wildbahn zu beobachten: Seehunde am Cape Palliser

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Ganz im Süden der Nordinsel steht das Cape Palliser Lighthouse

Wiedergutmachen konnte dieses allerdings ein Abstecher zum Cape Palliser, dem südlichsten Leuchtturm der Nordinsel. Eine kleine Wanderung und unendlich viele Treppenstufen hinauf, dann hat man eine wirklich tolle Aussicht und bei klarem Wetter sieht man in der Ferne schon die schneebedeckten Berge der Südinsel. In der Nähe des Leuchtturms ist eine große Seehund Kolonie angesiedelt. Faul liegen die Alten auf Felsen oder im Gras in der Sonne und die Jungen toben in Wasser umher, springen, tauchen und spielen. Man kann sie stundenlang beobachten, wie sie in freier Wildbahn leben und sich kein Stück an den Menschen stören die alle versuchen, tolle Fotos von ihnen zu bekommen.   Man muss echt aufpassen, wohin man tritt. Denn, wenn sie sich nicht bewegen,  könnte man sie glatt für Steine halten. Auch Pinguine soll es zu dieser Jahreszeit hier unten geben, die haben sich jedoch erfolgreich vor uns versteckt. Da wir uns am Anfang überlegt haben, sechs Monate auf der Nordinsel und sechs Monate auf der Südinsel zu verbringen (ja, die Hälfte unseres „Urlaubes“ ist tatsächlich schon um) machten wir uns auf den Weg nach Wellington, der Hauptstadt (jedoch nicht der größten Stadt der Insel), von der die Fähre nach Picton auf der Südinsel ablegt. Nach den letzten Tagen in Einsamkeit war die Großstadt mit ihrem Highway und den engen Hochhausschluchten ein kleiner Schock. Wellington selber ist allerdings richtig schön und hat seinen ganz eigenen Charme.

Für das ‘Te Papa’ Museum direkt am Hafen sollte man sich mindestens 2-3 Stunden Zeit nehmen. Sehr liebevoll gestaltet lernt man super viel über neuseeländische Geschichte, die Maori, Tier und Pflanzenwelt des Meeres und die Vulkanaktivitäten. Da es kostenlos ist, lohnt sich der Besuch gleich umso mehr. Ebenfalls kostenlos ist die geführte Tour durch das Parlament. Außerhalb der Saison ist der touristische Andrang so gering, dass wir sogar in den Genuss einer Privatführung bekamen und jetzt zumindest einigermaßen über die Politik des Landes Bescheid wissen.

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Das historische Cable Car mit Blick auf Wellington

Eines der Wahrzeichen der Stadt sind die roten Cable-Cars. 1902 zum ersten Mal in Betrieb bringt diese Schienen geführte Bahn heute im 10 Minuten Takt bis zu 100 Passagiere aus der Stadt auf einen der Berge mit toller Aussicht über den Botanischen Garten und die City.
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Die Fähre der Interislander bringt uns von Wellington (Nordinsel) nach Picton (Südinsel)

Halbzeit in Neuseeland. Morgens um 7:00 Uhr stehen wir in der Warteschlange der Fähre über den ‘Cook Strait’. Auch hier kommt es uns zu Gute dass wir uns außerhalb der Sommersaison für die Überfahrt entschieden haben. Während im Dezember bis Februar fast alle Fähren ausgebucht sind und man mit wirklich langer Wartezeit (und hohen Preisen) rechnen muss, konnten wir das Schiff recht spontan buchen und zusammen mit einer Handvoll anderer Passagiere den Platz genießen. Drei Stunden dauert die Überfahrt, etwa die Hälfte der Zeit über offenes Meer, die zweite Hälfte durch die Inseln des `Queen Charlotte Sound’. Glücklicherweise hatten wir einen sonnigen Tag ohne starken Seegang erwischt. Dick eingepackt bestaunten wir die ersten Eindrücke der Südinsel an Deck. Es ist wie ein neuer Abschnitt auf dieser Reise und wir freuen uns tierisch darauf. Neuseeland Abenteuer Teil II, wir kommen!
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Die Belohnung für einen anstrengenden Aufstieg: Über den Wolken scheint die Sonne.

Unser Erlebnis am Mount Taranaki (oder auch Mt. Egmont) beweist einmal wieder, dass es sich immer lohnt, auf den Berg zu gehen. Der 2518 m hohe Vulkan steht nahe der Küste von New Plymouth mitten im flachen Land und bietet einen gigantischen Anblick. Normalerweise. Als wir zum Startpunkt des Summit-Tracks fuhren, hingen die dicken Regenwolken sehr tief und wir konnten den Berg noch nicht einmal erahnen. Die Wetteraussichten am nächsten Tag sahen leider ähnlich aus. `Eventuell klart es am Nachmittag auf, aber eher unwahrscheinlich. Außerdem sind es am Gipfel -12°C, also nehmt regendichte und warme Sachen mit!`, so war die Aussage am Infocenter. Die Ausrüstung war kein Problem, also wagten wir am nächsten Morgen die Wanderung – und hatten Glück. Nach gut der Hälfte unserer Tour kamen wir durch die Wolkendecke in die Sonne. Ein Anblick wie aus dem Flugzeug entschädigte uns für den anstrengenden Aufstieg durch Lavageröll. Nach 5 Stunden klettern im Fels und rutschen im Geröllfeld war der Zustieg in den mit Eis bedeckten Krater eine Erleichterung und die letzten Höhenmeter bald geschafft. Der Wetterbericht hatte nicht gelogen und unsere Daunenjacken waren mehr als angebracht. Belohnt wurden wir am Gipfel mit einer atemberaubenden 360° Aussicht. Mittlerweile war es tatsächlich aufgeklart und wir konnten bis zum Meer auf der einen Seite und bis zum Zentralen Vulkanplateau auf der anderen Seite schauen.
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Im Krater des Mount Egmont (2518 m)

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Erst auf der Weiterfahrt bekamen wir die volle Größe des Berges zu sehen

Um noch mehr Vulkane zu sehen entschieden wir uns, den Weg Richtung Tongariro National Park einzuschlagen. Auf der Weiterfahrt war das Wetter deutlich besser und wir hatten doch noch eine tolle Sicht auf den Mount Egmont. Vermutlich war es besser, ihn vorher nicht gesehen zu haben, wer weiß, ob ich mir den Aufstieg auf diesen imposanten Vulkan zugetraut hätte.
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Mitten in Neuseeland plötzlich Grenzkontrollen?

  Ein Straßenschild auf dem Weg zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich. Wir würden jetzt die Republik Whangamomoana betreten, hieß es da. Des weiteren solle man sich doch bitte beim Grenzposten melden, bzw. wenn dieser nicht besetzt sei, im Hotel der gleichnamigen Hauptstadt. Hätte ich nicht kurz vorher einen Bericht über diesen „Kleinstaat“ gelesen, wir hätten uns doch sehr gewundert. Wir sind schon an den Humor der Neuseeländer gewöhnt und so machen wir den Spaß mit: Im Hotel lassen wir ordnungsgemäß unsere Reisepässe abstempeln und sind sehr willkommen. Lachend versichert die Bedienung/Grenzbeamtin, dass sie doch mehr Bier ausschenkt, als Pässe kontrolliert, aber das dennoch der Lieblingsteil ihres Tages sei. Tatsächlich erklärte sich der kleine Ort im Jahre 1989 selbst zur Republik. Wie ernst diese Erklärung jemals war, wissen wir nicht, jedoch wird heute augenzwinkernd auf die Ernsthaftigkeit bestanden. Zum berühmten Jahrestag kommen tausende Besucher, was wohl das eigentliche Ziel des Ganzen ist.
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Die Emerald-Lakes im Tongariro National Park. Alleine wegen dieser Ansicht lohnt sich die 20 km lange Wanderung schon.

Mitten auf der Nordinsel liegt, wie der Name schon erahnen lässt, das zentrale Vulkaplateau. Wie aus dem Nichts tauchen die über 2500 Meter hohen Bilderbuchvulkane aus dem Wald- und Weideland auf. Der Tongariro Nationalpark wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Wir wollen das berühmte Tongariro-Alpine-Crossing in Angriff nehmen und starten morgens bei Sonnenaufgang zur 19 km langen Wanderung durch aktives Vulkangebiet und einmal über das Plateau.

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Tongariro-Alpine-Crossing (mit Blick auf den Mt. Ngauruhoe)

Wir hatten nicht erwartet wie beim Mount Egmont fast alleine unterwegs zu sein, aber mit so einem Massenansturm hatten wir nicht gerechnet. Schon morgens um 7 waren geschätzt mehrere hundert Leute in 2er oder 3er Gruppen auf dem ausgetretenen Pfad unterwegs. Man sagte uns, festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung wären Voraussetzung für diese Tour. Scheinbar hatten über die Hälfte der Wanderer in einfachen Turnschuhen und Leggings andere Informationen als wir. Geschafft haben sie die Wanderung bestimmt auch, aber bei plötzlichem Wetterumschwung wäre die Tour im Gebirge kein Spaß mehr gewesen.

Verstehen können wir den Ansturm auf die Route allerdings schon, denn gerade bei so strahlendem Sonnenschein leuchten die Seen zwischen dem bunten Vulkangestein besonders. Hier und da dampft es und der Schwefelgeruch nimmt die letzten Zweifel daran, dass man sich nur eine dünne Erdschicht über heißer Lava befindet.
NeuseelandRuapehu

Neuschnee auf den Gipfeln des Mount Ruapehu

Von der Hauptroute aus kann man noch verschiedene Abstecher machen. Unter anderem auf dem Mt. Ngauruhoe. dem Vulkan in perfekter Kegelform der jedem Herr der Ringe Fan als „Schicksalsberg“ bekannt sein sollte. Tatsächlich drehte Peter Jackson die Teile der Trilogie und auch einige Szenen von „Der Hobbit“ hier auf dem Plateau, worauf die Einwohner extrem stolz sind. Der Mount Ruapehu ist mit 2797 m der höchste Gipfel der Nordinsel. Der Vulkan gilt immer noch als aktiv und macht gelegentlich mit leichten Erdbeben auf sich aufmerksam, auch wenn er das letzte Mal im September 2007 ausgebrochen ist und die heutige Bergkette formte.   Bis die um den Berg angelegten Skilifte ihren Betrieb aufnehmen ist es zum Glück für uns noch etwas Zeit, doch der erste Neuschnee auf dem Gipfeln lässt schon erahnen, dass der Winter nicht mehr unendlich weit weg ist. Während Zuhause die ersten Frühlingsblumen blühen sind wir hier in Neuseeland im Spätsommer angekommen. Die Tage werden merklich kürzer, nachts wird es schon fast kalt und die ersten Bäume beginnen sich ins goldene zu färben. Die Zeit verfliegt – es ist verrückt! Das Baden und Surfen im Meer ist auch nur noch mit Neopren-Anzug wirklich angenehm und so trennten wir uns schweren Herzens von der Küstenstraße um ins Inland zu fahren. Eine 80 km steile, kurvige Schotterstraße führte uns südlich von Gisborne hinauf zum Lake Waikaremoana in die Bergwelt der Nordinsel. Tolle Wasserfälle und Wanderungen lockten uns an und wir wurden nicht enttäuscht. Ein Paar Tage Urlaub gönnten wir uns hier, bevor wir in Richtung der Stadt Rotorua aufbrachen.
Diese Verkehrsteilnehmer haben definitiv Vorfahrt!

Diese Verkehrsteilnehmer haben definitiv Vorfahrt!

Auf der Weiterfahrt entdeckten wir ein Freizeitvergnügen der Neuseeländer für uns. Eine ca. 50 Meter lange natürliche Wasserrutsche bzw. Rock-Slide, die zwar etwas Mut erfordert, aber wirklich einen Stop wert ist und Spaß macht. Spätestens jetzt wissen wir, dass es stimmt: In Neuseeland gibt es viel mehr Schafe als Menschen. Alle paar Minuten müssen wir stark bremsen, weil entweder ein Paar Tiere zu stur sind, die Straße zu verlassen, oder gleich eine ganze Herde von Hunden und einem entspannten Bauern über einige Kilometer auf der Straße entlanggetrieben werden. Die Gegend um Rotorua befindet sich auf vulkanischem Boden. Schon einige Kilometer vor der Stadt konnten wir den Schwefelgeruch riechen, der mit jeder Windböe durch die Straßen fegt. Rotorua an sich ist ein Mekka für Adrenalin-Junkies (mit dick gefüllter Brieftasche). Motorcross Touren, Rafting, Mountainbiking, Bunjee-Jumping, Speed-Boat fahrten, … die Liste ist unendlich und für viel Geld kann man sich hier die Garantie auf actionreiche 30 Minuten erkaufen.
Mit dem Schutz der Maori kann auf unserer Wanderung nichts schief gehen

Mit dem Schutz der Maori kann auf unserer Wanderung nichts schief gehen

Da wir dem ganzen Trubel aber eher abgeneigt gegenüber standen, zogen wir es vor, die Rucksäcke zu packen und eine Wanderung zu einem Geheimtipp zu unternehmen. Nachdem wir den berühmten Hot-Water-Beach im Norden ja aufgrund der Besuchermassen ausgelassen hatten, bekamen wir hier eine neue Chance auf ein Bad im heißen Pool. Eine kleine Quelle kochend heißen Wassers fließt direkt in den Lake Tarawera und bot uns ein entspanntes, wenn auch unrealistisch warmes Bad. Auf einem kleinen Campingplatz direkt am See schlugen wir unser Zelt auf und genossen die Ruhe. Und folgendes wird jeder Outdoorfreund kennen: Man wacht morgens durch die Geräusche der Natur auf, zieht noch etwas verschlafen den Reißverschluss des Zeltes auf und ist sofort hellwach. So ging es uns an jenem Morgen. Der ganze See dampfte und die aufgehende Sonne wärmte das Zelt. Ein tolles Bild! Während der erste Kaffee auf dem Gaskocher schon fertig war, freuten wir uns einfach nur, an diesem Ort zu sein und wussten, das der Tag gut wird.
Der erste Blick aus dem Zelt verrät: Es wird ein toller Tag.

Der erste Blick aus dem Zelt verrät: Es wird ein toller, sonniger Tag

Übrigens findet man an vielen landschaftlich schönen Orten des Landes (wie eben auch an diesem See) sogenannte DOC-Campingplätze (Department of Conservation). die mit umgerechnet 4-6 € p.P. gut bezahlbar sind. Hier findet man naturbelassene, einfach gehaltene Campingmöglichkeiten. Meist sehr abseits gelegen sind es Selbstzahlerplätze, bei denen auf die Ehrlichkeit der Besucher gesetzt wird. Für eine Übernachtung auf normalen Campingplätzen zahlt man zwischen 15 und 25 $ pro Person und Nacht (ca. 10-15 €), je nach Lage natürlich. „Wild-Campen“ ist in Neuseeland normalerweise Verboten und wird, wie wir schon von einigen Backpackern gehört haben, mit saftigen Strafen verfolgt. Wenn man dennoch die Gelegenheit bekommt, so günstig zu übernachten, sollte dabei aber unbedingt Rücksicht auf Natur und Einwohnern genommen werden. Von Rotorua aus fuhren wir weiter Richtung Westen. Wir hatten schon viel von den Waitomo-Caves gehört und wollten uns die berühmten Glühwürmchen-Höhlen nicht entgehen lassen. Bei einer Bootstour auf dem unterirdischen Bach kann man unendlich viele Glowworms bewundern, die an der Höhlendecke leben und wie ein Sternenhimmel auf die staunenden Besucher hinab scheinen. Neben den Glühwürmchen gibt es in der Gegend noch einige andere Höhlen zu entdecken.
Wir entdechen immer wieder tolle Wasserfälle entlang der Straße

Wir entdecken immer wieder tolle Wasserfälle entlang der Straße

Wir wollen weiter nach New Plymouth und dem 2518 m hohen Mount Taranaki. Unser Weg führt auf Nebenstraßen an der Küste entlang. Enge Täler und interessante Felsformationen sind bei Herbststurm und Nebel noch interessanter als bei Sonnenlicht. Wir sind schon fast wieder am Meer angekommen, doch die Berge versperren uns den Weg. Es gibt nur eine Möglichkeit, an den Strand zu kommen: Ein 60 Meter langer Tunnel, ursprünglich zum Viehtrieb in den Fels geschlagen, ermöglicht es, die andere Seite der Berge, den Strand und die tosenden Wellen des Meeres zu genießen.    

Eine Route durch dieses wunderschöne Land zu finden, bei der man alles sieht, nichts verpasst und dennoch nicht unendlich viele Kilometer fährt – das ist schon ein Kunststück. Nachdem wir auf unserer Tour durch den Norden und über die Coromandel-Halbinsel immer entlang der Küste gefahren sind, jeden Tag im Meer baden und die Wellen beobachten konnten, wollten wir noch immer nicht ins Inland fahren. Wir blieben also in den letzten Wochen weiterhin auf der Küstenstraße und durchquerten die `Bay of Plenty` Richtung Osten.

4. Wellen

Gratis Autowäsche mit Meerwasser – Abseits der Hauptstraße wird es spannend

Jetzt sind wir schon knapp 3 Monate mit unserem kleinen Campervan unterwegs. Da wir uns ja bewusst für Travel AND Work entschieden haben und unsere Reisekasse schon merklich geschrumpft ist, machten wir uns auf die Suche nach einem Job. Natürlich gibt’s hier in Neuseeland auch Jobbörsen im Netz, bei denen man allerdings mit Vorsicht suchen sollte. Leider tauchen immer wieder dubiose Angebote auf, zum Beispiel Working Hostels, bei denen Vermittler einen Job in Aussicht stellen und der Arbeiter verpflichtet wird, monatelang im überteuerten Hostel zu wohnen. Wir versuchten uns also weiter mit unserer „durchfrage-Taktik“ und hatten Erfolg. Tobi, als gelernter Diesel-Mechanic fand schnell Arbeit in der Werkstatt einer großen Spedition und ich konnte mein Geld mit Kiwi-Thinning verdienen. Wie heißt es so schön, jeder Backpacker der in Neuseeland unterwegs ist, muss einmal Kiwis pflücken. Ich habe meinen Teil also schon erledigt. Zum Glück – denn nach zwei Wochen konnte ich echt keine Kiwis mehr sehen!
4. Landschaft

Neuseeland hält landschaftlich immer neue Eindrücke für uns bereit

Mit vollem Sparschwein, aufgefüllten Lebensmittelvorräten und vollem Tank ging es für uns nach zwei Wochen Arbeit weiter Richtung Osten. Man hatte uns gewarnt: Hier ist Niemandsland. Keine Geschäfte, keine Tankstellen und keine Menschen. Nachdem wir noch Kleinigkeiten am Auto repariert hatten, ging es los. Eines sei vorweg genommen: So schlimm, wie wir es befürchteten, war es doch nicht. In der Region um das East-Cape leben die meisten Māori (das indigene Volk Neuseelands). Neben der Straße entlang der Küste sind immer wieder kleine Höfe und Häuser im Weideland. Ins Landesinnere wird es schnell bergig und bewaldet. Eine sehr karge Landschaft, die uns ein ganz anderes Neuseeland zeigte, als das bisher kennengelernte.   Wir wollten bis zum East-Cape: Über eine 21 km lange, geschotterte Stichstraße, bei der am Ende eine kurze Wanderung zum Leuchtturm führt. Während der Sommerzeit ist hier der Ort, um als erster Mensch am Tag den Sonnenaufgang zu sehen. Morgens um 5 Uhr kletterten wir also die 700 Stufen zum Leuchtturm empor, um mit einem Dutzend anderer (überwiegend deutscher) Touristen die aufgehende Sonne zu bewundern. Leider hatten wir uns dazu einen wolkigen Tag ausgesucht und so waren wir bestimmt nicht die ersten, die die Sonne “nur” zwischen den Wolken aufblitzen sahen.
4. MtHikurangi

Diese hölzernen Statuen symbolisieren den Gott Māoi und seine Familie

Offiziell aber ist der Gipfel des Mount Hikurangi der Ort der Welt, an dem die ersten Sonnenstrahlen des Tages die Erde berühren. Dieser 1754 m hohe Berg hat eine lange historische Geschichte. Er gilt für die Ngāti Porou (Gruppe der Māori) als heilig, denn der Tradition zufolge fischte der Gott Māui den Gipfel des Berges und zog daran die Nordinsel Neuseelands aus dem Meer. Sie wird von den Neuseeländern deshalb auch oft als `Te Ika-a-Māui` (Der Fisch von Māui) bezeichnet. Vom Ausgangspunkt auf 200 Metern über dem Meer sind es gute 13 km bis zum Gipfel. Da man über privates und heiliges Land geht, muss man vorher eine Genehmigung einholen. Eine wunderschöne Wanderung durch eindrucksvolles Gebiet. Auf ca. 1000 Metern Höhe befinden sich neun Statuen, die den Gott Maoi und seine Familie zeigen. Der Berg gilt als Symbol für Ausdauer und Stärke im Glauben der Māori. Von uns forderte er viel Ausdauer bei den steilen Kletterpassagen und Stärke bewies besonders der Wind, denn die Böen ließen uns kurz unterhalb des Gipfels umkehren. Gegen die Māori Götter sind wir eben machtlos.  
4. Leuchtturm

Sonnenaufgang am östlichsten Leuchtturm der Welt

Die Straße entlang der Ostküste mag für viele sehr langweilig erscheinen, tatsächlich sollte man sich aber ein bisschen Zeit nehmen und die kleinen Straßen zum Meer hineinfahren, denn dort warten schöne Buchten, kleine Surfstrände und absolute Ruhe. Wir sind nun wieder in der Zivilisation angekommen. Die Stadt Gisborne bietet nach ein paar Tagen Einsamkeit viele Eindrücke und so genießen wir das bunte Leben hier. Welche Route wir ab jetzt einschlagen, ist noch nicht sicher. Wir machen es wie die Neuseeländer und lassen einfach alles auf uns zukommen. Entspannt sein ist das neuseeländische Lebensgefühl – und es färbt schon jetzt auf uns ab. „Far North“ – und das so weit im Süden Nun sind wir schon einige Zeit hier und haben uns ein bisschen eingewöhnt. Unser Weg führte in den ersten Wochen ganz hinauf in den Norden zum Cape Reinga, einem Leuchtturm hoch über der Passage, an der Pazifik und Tasmanische See zusammentreffen. Leider war das Cape an diesem Tag in dichten Nebel gehüllt und wir mussten mit der tollen Aussicht bis zum nächsten Tag warten. Von unserem Campingplatz aus konnten wir dann bei besserem Wetter in 2-3 Stunden zu besagtem Leuchtturm wandern. Entlang der Steilküste, über einen Bergrücken, hinab zu einer kleinen Bucht, in der das Bad im Meer eine willkommene Erfrischung bot, hinauf zum Cape.
Neuseeland-CapeNebel

So sahen wir leider nicht viel von der “tollen Aussicht”

Neuseeland-Cape

Cape Reinga bei Sonnenlicht

    Auf der Weiterfahrt Richtung Süden hielten wir am legendären 90 Miles Beach, der in jedem Reiseführer als Höhepunkt des Nordlandes beschrieben ist. Dieser kilometerlange Strand ist für den Kraftfahrzeugverkehr freigegeben und darf von Allrad-Fahrzeugen befahren werden. Optisch hat er leider nicht viel zu bieten und da eine Fahrt in unserem Auto und bei aufkommender Flut nicht in Frage kam, entschieden wir uns für den deutlich sichereren Weg auf „befestigten“ Straßen – Abenteuer genug. Der Linksverkehr kostete uns auf den ersten Kilometern so einige Nerven und die zum Teil sehr engen, kurvigen und steilen Schotterstraßen entlang der Küste forderten das Auto und uns bereits in den ersten Tagen viel ab. Mittlerweile haben wir uns aber auch daran gewöhnt.  
Neuseeland-Beach

Mit unserem Auto haben wir uns nur ein Stück weit auf den 90 Miles Beach getraut

Es wäre zu viel, von jeder schönen Ecke des Nordens zu berichten, aber einige Orte sind uns als besonders schön aufgefallen. Da wäre zum Beispiel ein kilometerlanger Surfstrand (Paihia Beach), über eine ausgefahrene Schotterstraße zu erreichen und kaum ausgeschildert. Oder die Kauri Wälder im Westen: einst über die ganze Insel verbreitet, sind heute (leider aufgrund des Menschen) nur noch wenige alte Baumriesen zu finden. Wir haben diese zum Teil 50 Meter hohen und 1200 Jahre alten Bäume sehr bewundert. Wenn man bedenkt, dass Neuseeland erst seit knapp 900 Jahren besiedelt ist (und seit der Entdeckung des Europäers James Cook erst 300 Jahren vergangen sind), wird einem die Lebensdauer dieser Pflanzen erst ganz bewusst. Unbedingt einen Halt wert waren auch die riesigen Sanddünen an der Zufahrtsstraße zum Cape Reinga. Das Gefühl, mitten in der Wüste zu stehen, mit Blick aufs Meer. Neuseeland zeigte wieder einmal seine Vielseitigkeit. Zugegeben hätten wir uns für die Region Northland mehr Zeit nehmen können, aber wir steckten noch zu sehr im Alltag. Zu sehr war noch der Gedanke verankert, in kurzer Zeit viel zu sehen, da die Zeit ja begrenzt ist. Mittlerweile sind wir entspannter, sind angekommen, nehmen uns die Zeit für Stopps an fast jeder schönen Straßenecke und genießen unsere Freiheit.
Neuseeland_Sonnenuntergang

Sonnenuntergang über den Inseln vor Coromandel-Town

Weihnachten unter Palmen und Silvester am Strand

Neuseeland-Pinnacles

“The Pinnacles” unser Must-Do der Coromandeln

Mitte Dezember fuhren wir hinüber zur wunderschönen Coromandel Halbinsel. Von der Straße auf Meereshöhe aus gesehen wirkt die bis zu 700 m hohe Bergkette wie ein unüberwindbares Gebirge. Während wir in ein langgezogenes Tal fuhren, in dem tolle Wanderungen zu finden sein sollten stolperten wir quasi durch Zufall (und durch die unglaubliche Hilfsbereitschaft der Einheimischen) über unsere erste Arbeitsstelle. Wir halfen einem älteren Ehepaar in deren Gärtnerei und bekamen dafür Unterkunft und Verpflegung gestellt. Das ganze nennt sich Wwoofen (World-Wide Opportunities on Organic Farms) und ist nicht nur eine günstige Art des Reisens (bzw. günstige Beschaffung der Arbeitskräfte) sondern auch eine tolle Möglichkeit des kulturellen Austausches. Für unsere Gastgeber kamen wir wohl gerade recht des Weges, denn so konnten sie über die Feiertage verreisen, während wir fleißig Blumen gossen, uns um die Tiere kümmerten und unsererseits über Weihnachten ein tolles Quartier hatten. Von unserer Unterkunft aus konnten wir wunderschöne Tageswanderungen machen, unter anderem auf ´The Pinnacles`: Vulkanische Felsen die über dem Dschungel-artigen Waldgebiet aufragen und von denen man eine tolle 360° Aussicht über die Berge und Wälder hinweg bis zum Meer auf beiden Seiten der Halbinsel hat. Weihnachtsstimmung kam während der Feiertage allerdings wenig auf, denn während im Radio „Let it snow“ gespielt wurde, lief unsere Klimaanlage auf Hochtouren.

Neuseeland-Biwak

Den ersten Morgen des neuen Jahres am Strand zu verbringen, war schon etwas ganz besonderes

An Silvester waren wir wieder unterwegs und biwakierten an diesem Abend am „New Chums Beach“, der als einer der Top 20 Strände weltweit zählt. Unter einem perfekten Sternenhimmel und dem Rauschen der Wellen lauschend konnten wir perfekt ins neue Jahr hinein feiern. Ganz in der Nähe fanden wir auch die bekannte „Cathedral Cove“, ein über Jahrtausende vom Meereswasser ausgehöhlter Felstunnel von der Größe einer Kathedrale. Über eine 30-minütige Wanderung kamen wir an den Strand um uns dieses Phänomen anzusehen. Auch der „Hot Water Beach“ ist nur ein paar Kilometer entfernt. An diesem Sandstrand tritt bei Ebbe heißes Wasser aus und man kann in einem selbst ausgebuddelten Pool relaxen. Da wir aber am Vortag mit einem Einheimischen ins Gespräch kamen, der uns ein Foto zeigte, auf dem man vor lauter Menschen weder Strand, och Meer sehen konnte, beschlossen wir diese Attraktion auszulassen und fuhren stattdessen ein Stück weiter in die Berge. Hier konnten wir nicht nur schöne Wanderungen unternehmen, sondern auch unter tollen Wasserfällen baden und auf eigene Faust die Überbleibsel des Goldrausches (in Form von Mienen und langen Tunneln, die in den Fels gesprengt wurden) erkunden.
Neuseeland-Cathedral

Nach einer kurzen Wanderung erreicht man die Cathedral-Cove und kann sich im Meer abkühlen

Wieder einmal mussten wir also feststellen, dass all die touristischen Must Do´s und Must See´s zwar schön und spektakulär sind, dass es aber nur ein paar Kilometer nebenan noch viel schönere und interessantere Dinge zu sehen gibt. Zumindest wenn man sich von den Postkarten-Motiven losreißen kann und ein bisschen individueller das Land erkunden möchte. Im allgemeinen können wir aber sagen, dass wir bisher wunderbar erholt und zugleich tief beeindruckt von dieser wunderbaren Insel sind.  

Kia Ora aus Neuseeland

Ja, wir sind tatsächlich angekommen. Alles Gepäck hat in die Rucksäcke gepasst, der Zoll hatte nichts gegen unsere Wanderstiefel und Campingausrüstung einzuwenden, alle Papiere zur Einreise waren vollständig und den richtigen Flieger haben wir auch erwischt. Es ist schon eine anstrengende Anreise, die – wie ich behaupte – auch erst lohnt, wenn man mehr als nur 3 Wochen hier bleibt. 20 Stunden Netto-Flugzeit sind heftig. Zugegeben, der Jetlag hat uns echt ein paar Tage aus dem Konzept gebracht. Nicht zu verachten der Wechsel von erfrischenden 5 Grad in Norddeutschland zu wunderbaren 27 °C strahlendem Sonnenschein hier am anderen Ende der Welt.  
Neuseeland_Auckland

Vom Mount Eden hat man eine tolle Aussicht über das Zentrum von Auckland

Vom Flughafen aus haben wir den ständig fahrenden Bus nach Auckland City genommen und wurden gleich von der tollen Hilfsbereitschaft der Neuseeländer überzeugt. Der Busfahrer fragte jeden Fahrgast nach dem Ziel der Reise, damit auch ja keiner den richtigen Ausstieg verpasst. So erreichten auch wir problemlos das Hostel direkt in der City, in dem wir schon von Deutschland aus die ersten Nächte gebucht hatten. Über das Hostel hatten wir auch ein Starterpaket gebucht, bei dem uns ein Mitarbeiter mit der Beantragung einer Steuernummer und der Kontoeröffnung bei einer neuseeländischen Bank helfen sollte. Beides braucht man, um hier zu arbeiten. Die Hilfe haben wir bekommen, aber sie wäre unnötig gewesen. Es läuft unbürokratisch einfach und dauert nur eine kurze Zeit bis alles erledigt ist. Dann konnten wir Auckland genießen.   Vom 328 m hohen Skytower hat man eine wunderbare Sicht über die ganze Stadt und wir bekamen einen ersten Eindruck von der Weite dieses Landes. Auch die kleine Wanderung zum Mount Eden hat sich gelohnt. Nachdem aller Papierkram erledigt war, wollten wir raus aus der Stadt und ein paar Tage Erholung um erst einmal richtig anzukommen. Da wir ja Campingausrüstung dabei haben und ein Zelt schnell gefunden war, zogen wir auf einen kleinen Campingplatz nördlich von Auckland um. Direkt am Strand und bei perfektem Sommerwetter konnten wir die ersten Eindrücke so richtig genießen.  
Neuseeland_Auto

Rollendes Hotel mit Meerblick.

Von Anfang an haben wir uns auf diversen Internetseiten nach Autos umgeschaut. Insgeheim rechneten wir mit einem etwas niedrigeren Preisrahmen, als die zur Verfügung stehenden Mini-Vans, in denen man bequem übernachten und alles Gepäck verstauen kann. Der Automarkt ist nicht mit dem in Deutschland zu vergleichen. Wagen unter 250.000 gelaufenen Kilometern werden kaum bezahlbar angeboten. Durch Zufall fuhr uns mitten in Auckland dann doch unser Van über den Weg und wir kauften ihn von zwei ebenfalls aus Deutschland kommenden Backpackern. Apropos: Es sind unglaublich viele junge Deutsche unterwegs. Natürlich haben wir damit gerechnet, aber diese Masse ist dennoch überraschend und uns fast ein bisschen zu viel.   Jetzt sind wir seit ein paar Tagen Richtung Norden unterwegs. Es ist natürlich nicht unbedingt nötig ein Auto zu kaufen oder zu mieten. Die meisten Ecken kann man mit den bequemen Reisebussen erreichen. Aber eben doch nur die meisten. Bisher sind wir fast ausschließlich kleine Landstraßen gefahren und an manch einsamer Bucht oder kilometerlangem Strand vorbeigekommen, die man nur über grobe Schotterstraßen und eben doch nicht mit dem Bus erreichen kann. Die Landschaft ist schon jetzt so beeindruckend und so abwechslungsreich, wie es nur möglich sein kann. Wälder, die aufgrund der uns unbekannten, exotischen Pflanzen an Dschungel erinnern, Berge und Klippen, die senkrecht ins Meer stürzen, dagegen viele Weiden und Weinberge, die eher an die Toskana erinnern. Hinter jeder Kurve staunen wir erneut. Wie kitschig und unwirklich sehen doch die Bildbände und Fotos im Internet aus, die uns als Informationsquelle dienten. In Wirklichkeit ist es noch viel kitschiger, denke ich und wie zur Bestätigung fliegt ein bunter Papagei vor unserem Auto her um sich auf einer Palme am Straßenrand nieder zu lassen. Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis ich mich an dieses unwirkliche Paradies gewöhnt habe.   Neuseeland_Strand Rucksack packen und los. Einfach mal raus sein, für eine Zeit. Seien wir ehrlich, das wollen wir doch alle. Zumindest im übertragenen Sinne. Wer einmal vom Fernweh infiziert ist, der bleibt es sein Leben lang. Ich für meinen Teil habe es mit in die Wiege gelegt bekommen. Meine Eltern sind seit jeher mit mir in der Weltgeschichte unterwegs gewesen. So habe ich nach der Schule meine Sachen geschnappt und habe mir ein Jahr als Au-Pair in Norwegen gegönnt. Wieder zurück in Deutschland habe ich meine Ausbildung bei Unterwegs begonnen – wo sonst, denn der Name ist Programm ;-). Menschen für das Draußensein ausstatten und meine Erfahrungen weitergeben ist das, womit ich mein Geld verdienen will. Täglich berate ich Kunden, die in den Urlaub fahren, eine Weltreise planen oder gerade wieder gelandet sind. Da wuchs erneut das Fernweh in mir. Ich muss mal wieder raus. Für länger als den Jahresurlaub meine ich. Zum Glück ist mein Freund Tobi genauso ein Weltenbummler wie ich und so stand recht schnell fest, dass wir die nächste Reise zusammen wagen.
Dieses Bild macht Lust auf Mehr! Neuseelands Landschaft ist vielseitig

Dieses Bild macht Lust auf Mehr! Neuseelands Landschaft ist vielseitig

Hinaus in die Welt. Das Problem sind immer nur die Reisekosten. Zudem muss man ja auch auf Tour von irgendwas leben. Immer nur Grünzeug vom Wegesrand ist auch nicht das Wahre. Woher also nehmen, wenn nicht stehlen? Die Antwort lautet Work & Travel. Ausgedehnte „Working Holiday“ Programme gibt es in den Klischeeländern (Kanada, Neuseeland, Australien) ohne Probleme und als Fan der skandinavischen Länder reizte mich von denen zur Auswahl stehenden Ländern Neuseeland am meisten.  
Alles ist gepackt, es kann losgehen

Alles ist gepackt, es kann losgehen

Das Visum gilt für bis zu 12 Monate, in denen man sich mit kleinen Jobs das Geld zum Reisen verdient. Als Job kommt alles Mögliche in Frage: Auf Farmen aushelfen, Kiwis ernten, Kellnern, Hotelbetten aufschütteln, Regale im Supermarkt einräumen… die Palette ist da ziemlich umfangreich. Zum Glück bin ich mit meinem Chef, dem Inhaber der Unterwegs-Gruppe, auf einen verständnisvollen Ansprechpartner gestoßen und so konnte der Flug bald gebucht werden.

Wir fliegen also nach Neuseeland und werden uns – nach ein paar Tagen Erholung und Urlaub – einen Job suchen. Was wir eigentlich vorhaben?? Das wissen wir nicht. Im Idealfall arbeiten wir dann immer so 3-4 Wochen an einem Ort und reisen dann weiter. So bekommt man das ganze Land zu sehen. Um vor Ort mobil zu sein, wollen wir uns ein gebrauchtes Auto kaufen. Der Markt an Backpacker-Fahrzeugen soll der Nachfrage entsprechend riesig sein. Alles Weitere bleibt bewusst ungeplant.

 Seit wir im August den Flug gebucht haben, vergeht die Zeit auch genauso – wie im Flug. Die Vorbereitungen laufen in vollem Gange. Reisepass und Visum beantragen, Krankenversicherung abschließen, Handyverträge für die Zeit im Ausland auf Eis legen, Kreditkarte besorgen, bei Unterwegs shoppen (bewusst in der Reihenfolge), impfen lassen… und das alles neben dem „normalen“ Alltag.

Meine Packliste

Meine Packliste

Jetzt sind es nur noch knapp zwei Wochen bis zur Abreise und so langsam wird es stressig. Rucksäcke Probe packen, Arbeiten abschließen, was nicht mitkommt in Umzugskartons ins Elternhaus verfrachten und nebenbei die Abschiedsparty planen. Der Aufregungs-Pegel steigt. Was nicht zuletzt an meinen verzweifelten Packversuchen liegt. In diesem Punkt bediene ich voll das weibliche Klischee. Wie soll ich Klamotten für 1 Jahr in meinen 60 Liter Trekking-Rucksack bekommen?? Nach zugegeben einigen Anläufen ist nun alles verstaut.   Neuseeland wir kommen.