„Far North“ – und das so weit im Süden

Nun sind wir schon einige Zeit hier und haben uns ein bisschen eingewöhnt. Unser Weg führte in den ersten Wochen ganz hinauf in den Norden zum Cape Reinga, einem Leuchtturm hoch über der Passage, an der Pazifik und Tasmanische See zusammentreffen. Leider war das Cape an diesem Tag in dichten Nebel gehüllt und wir mussten mit der tollen Aussicht bis zum nächsten Tag warten. Von unserem Campingplatz aus konnten wir dann bei besserem Wetter in 2-3 Stunden zu besagtem Leuchtturm wandern. Entlang der Steilküste, über einen Bergrücken, hinab zu einer kleinen Bucht, in der das Bad im Meer eine willkommene Erfrischung bot, hinauf zum Cape.

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So sahen wir leider nicht viel von der “tollen Aussicht”

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Cape Reinga bei Sonnenlicht

 

 

Auf der Weiterfahrt Richtung Süden hielten wir am legendären 90 Miles Beach, der in jedem Reiseführer als Höhepunkt des Nordlandes beschrieben ist. Dieser kilometerlange Strand ist für den Kraftfahrzeugverkehr freigegeben und darf von Allrad-Fahrzeugen befahren werden. Optisch hat er leider nicht viel zu bieten und da eine Fahrt in unserem Auto und bei aufkommender Flut nicht in Frage kam, entschieden wir uns für den deutlich sichereren Weg auf „befestigten“ Straßen – Abenteuer genug. Der Linksverkehr kostete uns auf den ersten Kilometern so einige Nerven und die zum Teil sehr engen, kurvigen und steilen Schotterstraßen entlang der Küste forderten das Auto und uns bereits in den ersten Tagen viel ab. Mittlerweile haben wir uns aber auch daran gewöhnt.

 

Neuseeland-Beach

Mit unserem Auto haben wir uns nur ein Stück weit auf den 90 Miles Beach getraut

Es wäre zu viel, von jeder schönen Ecke des Nordens zu berichten, aber einige Orte sind uns als besonders schön aufgefallen. Da wäre zum Beispiel ein kilometerlanger Surfstrand (Paihia Beach), über eine ausgefahrene Schotterstraße zu erreichen und kaum ausgeschildert. Oder die Kauri Wälder im Westen: einst über die ganze Insel verbreitet, sind heute (leider aufgrund des Menschen) nur noch wenige alte Baumriesen zu finden. Wir haben diese zum Teil 50 Meter hohen und 1200 Jahre alten Bäume sehr bewundert. Wenn man bedenkt, dass Neuseeland erst seit knapp 900 Jahren besiedelt ist (und seit der Entdeckung des Europäers James Cook erst 300 Jahren vergangen sind), wird einem die Lebensdauer dieser Pflanzen erst ganz bewusst. Unbedingt einen Halt wert waren auch die riesigen Sanddünen an der Zufahrtsstraße zum Cape Reinga. Das Gefühl, mitten in der Wüste zu stehen, mit Blick aufs Meer. Neuseeland zeigte wieder einmal seine Vielseitigkeit.

Zugegeben hätten wir uns für die Region Northland mehr Zeit nehmen können, aber wir steckten noch zu sehr im Alltag. Zu sehr war noch der Gedanke verankert, in kurzer Zeit viel zu sehen, da die Zeit ja begrenzt ist. Mittlerweile sind wir entspannter, sind angekommen, nehmen uns die Zeit für Stopps an fast jeder schönen Straßenecke und genießen unsere Freiheit.

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Sonnenuntergang über den Inseln vor Coromandel-Town

Weihnachten unter Palmen und Silvester am Strand

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“The Pinnacles” unser Must-Do der Coromandeln

Mitte Dezember fuhren wir hinüber zur wunderschönen Coromandel Halbinsel. Von der Straße auf Meereshöhe aus gesehen wirkt die bis zu 700 m hohe Bergkette wie ein unüberwindbares Gebirge. Während wir in ein langgezogenes Tal fuhren, in dem tolle Wanderungen zu finden sein sollten stolperten wir quasi durch Zufall (und durch die unglaubliche Hilfsbereitschaft der Einheimischen) über unsere erste Arbeitsstelle. Wir halfen einem älteren Ehepaar in deren Gärtnerei und bekamen dafür Unterkunft und Verpflegung gestellt. Das ganze nennt sich Wwoofen (World-Wide Opportunities on Organic Farms) und ist nicht nur eine günstige Art des Reisens (bzw. günstige Beschaffung der Arbeitskräfte) sondern auch eine tolle Möglichkeit des kulturellen Austausches. Für unsere Gastgeber kamen wir wohl gerade recht des Weges, denn so konnten sie über die Feiertage verreisen, während wir fleißig Blumen gossen, uns um die Tiere kümmerten und unsererseits über Weihnachten ein tolles Quartier hatten. Von unserer Unterkunft aus konnten wir wunderschöne Tageswanderungen machen, unter anderem auf ´The Pinnacles`: Vulkanische Felsen die über dem Dschungel-artigen Waldgebiet aufragen und von denen man eine tolle 360° Aussicht über die Berge und Wälder hinweg bis zum Meer auf beiden Seiten der Halbinsel hat. Weihnachtsstimmung kam während der Feiertage allerdings wenig auf, denn während im Radio „Let it snow“ gespielt wurde, lief unsere Klimaanlage auf Hochtouren.

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Den ersten Morgen des neuen Jahres am Strand zu verbringen, war schon etwas ganz besonderes

An Silvester waren wir wieder unterwegs und biwakierten an diesem Abend am „New Chums Beach“, der als einer der Top 20 Strände weltweit zählt. Unter einem perfekten Sternenhimmel und dem Rauschen der Wellen lauschend konnten wir perfekt ins neue Jahr hinein feiern. Ganz in der Nähe fanden wir auch die bekannte „Cathedral Cove“, ein über Jahrtausende vom Meereswasser ausgehöhlter Felstunnel von der Größe einer Kathedrale. Über eine 30-minütige Wanderung kamen wir an den Strand um uns dieses Phänomen anzusehen. Auch der „Hot Water Beach“ ist nur ein paar Kilometer entfernt. An diesem Sandstrand tritt bei Ebbe heißes Wasser aus und man kann in einem selbst ausgebuddelten Pool relaxen. Da wir aber am Vortag mit einem Einheimischen ins Gespräch kamen, der uns ein Foto zeigte, auf dem man vor lauter Menschen weder Strand, och Meer sehen konnte, beschlossen wir diese Attraktion auszulassen und fuhren stattdessen ein Stück weiter in die Berge. Hier konnten wir nicht nur schöne Wanderungen unternehmen, sondern auch unter tollen Wasserfällen baden und auf eigene Faust die Überbleibsel des Goldrausches (in Form von Mienen und langen Tunneln, die in den Fels gesprengt wurden) erkunden.

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Nach einer kurzen Wanderung erreicht man die Cathedral-Cove und kann sich im Meer abkühlen

Wieder einmal mussten wir also feststellen, dass all die touristischen Must Do´s und Must See´s zwar schön und spektakulär sind, dass es aber nur ein paar Kilometer nebenan noch viel schönere und interessantere Dinge zu sehen gibt. Zumindest wenn man sich von den Postkarten-Motiven losreißen kann und ein bisschen individueller das Land erkunden möchte.

Im allgemeinen können wir aber sagen, dass wir bisher wunderbar erholt und zugleich tief beeindruckt von dieser wunderbaren Insel sind.