Zwei deutsch-südafrikanische Schwestern, denen wir einen Teil ihrer Ausrüstung gesponsert haben, radeln durch Südostasien, um über die grausame Nashorn-Wilderei aufzuklären. Vanessa (30) und Victoria (35) starteten ihre aufregende 6000 km lange Reise durch Südostasien am 20. April 2015. Ihre Tour wird sieben Monate dauern und China, Vietnam, Laos, Kambodscha, Thailand, Malaysia durchqueren und in Singapur enden. Mehr über ihr Abenteuer auf dem Weg und ihre selbst entwickelte Kampagne “Buy No Rhino” erzählen sie euch hier:

Nashorn-Krise im südlichen Afrika
In Südafrika beherrscht das Thema die Medien und man kommt kaum drum herum. Umso erstaunlicher finde ich (Victoria) es, dass der Ernst der Lage vielen Menschen in Europa nicht bewusst oder bekannt ist. Eine viel wichtigere Rolle spielen jedoch die Menschen in Asien. Dort wird das Horn des Rhinozerosses nämlich konsumiert! Hier entsteht die Nachfrage, die verantwortlich ist für die dramatisch ansteigende Wilderei in Afrika. Vietnam und China sind die zwei Länder mit dem stärksten Verbrauch des Hornes. Und genau da wollen wir ansetzen. Der Krieg gegen die Nashorn-Wilderei kann nur in Asien gewonnen werden – nicht in Afrika.

Nachfrage nach Nashorn-Produkten in Südostasien
Unser Ziel ist es, direkt in diesen Ländern über das Thema zu informieren und aufzuklären. Mit im Gepäck haben wir das „Rhino Art Project“, ein Kunstprojekt aus Südafrika für Schulkinder. Entlang unserer Route wollen wir in den größeren Städten Schulen besuchen und mit Studenten sprechen. Die Aufklärung der Jugend ist ein Schlüssel um einen Paradigmenwechsel hervorzubringen und alte Traditionen, die nicht wissenschaftlich belegt werden können und heute überholt sind, loszulassen.

Reise-Vorbereitungen in Kapstadt
Bis wir dann tatsächlich auf dem Radel saßen, vergingen Monate der Planung. Es gab viele offenen Fragen: Welche Ausrüstung benötigen wir? Welche Fahrräder? Was ist mit Impfungen und Malaria-Prophylaxe? Wie überbrücken wir die Zeit finanziell? Vanessa kündigte ihre Stelle als Modeeinkäuferin. In Zukunft plant sie einen Wechsel in den Umweltschutz. Mein Arbeitgeber unterstützte mein Unterfangen und wir vereinbarten ein Sabbatical.

In den letzten Tagen vor unserem Abflug liefen die Vorbereitungen in Kapstadt auf Hochtouren. Die Ortliebtaschen – jeweils vier plus Lenkertasche pro Fahrrad – und einiges an Ausrüstung (Schlafsäcke und -matten, Fotostativ, Camping-Kocher und Töpfe etc.) hatte ich aus Deutschland mitgebracht.

Der kleine südafrikanische Mountain-Bike Hersteller Pyga sponserte unsere beiden tollen Fahrräder. Dass wir uns auf die Top-Qualität der Räder verlassen können, ist ein beruhigender Gedanke. Sehr wichtig: die schmalen Sättel tauschten wir zum Glück vorher gegen die breitesten Modelle aus, die wir finden konnten. Irgendwann waren die Räder endlich in Pappkartons verstaut, die Gepäcktaschen voll und wir für den Abflug bereit.

IMG_1258   endStart in Hong Kong
Die erste Prüfung erwartete uns bei der Ankunft in Hong Kong, als wir die Fahrräder erst einmal zusammen bauen mussten. In der wuseligen und faszinierenden Metropole ging es dann gleich los! Am nächsten Morgen hatten wir unseren ersten Schulbesuch. Keine Zeit für Jetlag! ;-)

Insgesamt besuchten wir bis jetzt vier Schulen mit unserem Kunstprojekt. Die Resonanz der Kinder war erstaunlich. Sie waren sehr engagiert und fragten uns Löcher in den Bauch. Neben detaillierten Fragen zur Wilderei und zu Nashörnern, fragten sie z. B. auch, was sie selbst unternehmen und wie sie uns unterstützen könnten. Besonders motivierend war, dass die ersten Medien auf uns aufmerksam wurden und über uns berichteten. Eine tolle Möglichkeit die Menschen zu erreichen und von der Nashorn-Krise zu erzählen.

Erste Fahrradetappe durch ChinaIMG_4940
Unsere erste Fahrradetappe führte durch die bunte Casino-Stadt Macau. Von dort ging es westlich Richtung Vietnam. Erstaunlich, wie schnell wir uns an den fremden Alltag anpassten. Nach vier Tagen hatten wir unseren Tagesrhythmus gefunden und unsere Körper gewöhnten sich schnell an die Hitze, die hohe Luftfeuchtigkeit und die erhöhte Anstrengung – alles verbunden mit exzessivem Schwitzen! Interessanterweise waren es Arme und Schultern – nicht die Beine – die uns anfangs weh taten. Mit gefüllten Fronttaschen ist das Fahrrad relativ schwer zu lenken.

China war genau das richtige Land für den Einstieg. Die Straßen sind meist neu und sehr breit angelegt. Obwohl der Verkehr durchaus chaotisch ist und diverse Verkehrsteilnehmer (Mopeds, Traktoren, Drei-Räder, Fährräder, Busse, Lkws) kreuz und quer fahren, ist es doch relativ leicht sich zurecht zu finden. Nur ab und an waren die Straßen im „alten“ Zustand: sehr holprige, staubige Schotterpisten. Auch längere Bauabschnitte mussten wir durchqueren undDSC08292 dabei darauf achten, den schweren Maschinen aus dem Weg zu gehen. Den Industrie-Moloch um Guangzhou hatten wir bewusst gemieden. So führte unser Weg durch weite, grüne Landschaften, meist flach mit einigen größeren Hügeln.

Essenssuche und kulinarische Highlights
Beim Essen machten es uns die Chinesen sehr leicht. Jedes noch so kleine Städtchen hatte Restaurants und mindestens einen Markt. Morgens, mittags und abends wird hier warm gespeist. Alles wird gekocht, gebrutzelt oder gedünstet – auch die Salatblätter. Frühstück kauften wir meist von Straßenhändlern auf dem lokalen Markt. Hier probierten wir uns durch diverse Leckereien. Unser Lieblingsfrühstück war bald gefunden: Baozi (lockere, gedämpfte Hefebrötchen) und warme, süße Kichererbsen-Milch. Mmh, köstlich!

Beim Bestellen zeigten wir häufig auf Gerichte oder gingen mit in die Küche um die Zutaten auszuwählen. Die Chinesen nahmen es mit viel Humor, lachten über unseren sehr eingeschränkten Sprachkenntnisse und freuten sich über den Besuch der komischen Langnasen. Häufig wollten sie uns fotografieren. Schweißgebadet und mit rotem Kopf, aber immer mit einem großen Lachen, sind wir mittlerweile auf etlichen Handyfotos zu sehen.IMG_4904

Um unsere Sicherheit brauchten wir uns keinen Kopf zu machen. Nie hatten wir das Gefühl, dass uns jemand etwas stehlen möchte. Was für ein Unterschied zu Südafrika, wo man sein Umfeld und seine Tasche immer im Blick behalten muss! Anstatt zu zelten übernachteten wir bisher immer in Gästehäusern oder Hotels. Das war viel leichter als einen Zeltplatz zu finden. Und nach dem anstrengenden Radel-Tag in der Hitze freuten wir uns immer auf die Dusche abends und ein richtiges Bett.

Fazit
Wir genossen die Zeit in China und freuten uns, dass alles so reibungslos klappte.  Insgesamt ein gelungener Start für unsere „Buy No Rhino“ Tour.

 

In einigen Wochen wird uns der nächste Zwischenbericht der beiden erreichen. Dann wollen sie uns von ihrem Weg durch Vietnam und Laos berichten. Wer vorher schon mehr über ihr Projekt erfahren möchte, findet sie unter den folgenden Links:

https://www.facebook.com/BuyNoRhino

http://www.buynorhino.co.za