Seit über sieben Jahren bietet das beliebte Skandinavien Magazin NORR seinen Lesern ein abwechslungsreiches Angebot an faszinierenden und abwechslungsreichen Themen rundum die nordischen Länder, deren prachtvolle Natur und die Menschen, die dort leben. Auch das Repertoire der aktuellen Ausgabe klingt vielversprechend. Einen der dort veröffentlichten Beiträge möchten wir euch hier und heute vorstellen.

An dieser Stelle besten Dank an die Redaktion der NORR, die uns diesen Artikel freundlicherweise für euch zur Verfügung gestellt hat.

Und euch viel Spaß beim Lesen :)

 

Dieser Artikel ist im NORR Magazin, Ausgabe 3/2012 erschienen, die seit dem 27. September im Handel erhältlich ist. www.norrmagazin.de

Der Traum vom Norden

Gibt es so etwas wie typisch nordische Architektur? Die Ausstellung »New Nordic« im Louisiana Museum of Modern Art versucht, diese Frage zu beantworten.

Text: Gabriel Arthur
Fotos: Erik Berg, Poul Buchard/Brøndum & Co.

Die Ausstellung »New Nordic« hat große Aufmerksamkeit in den nordischen Ländern erregt. Gibt es eine deutliche nordische Identität und wie schlägt sich das gegebenenfalls in der Architektur nieder? Nicht nur um diese Frage dreht sich die Ausstellung. Es geht auch um die Existenz einer allgemeinen nordischen Identität.

So werden die Bedeutung des Wohlfahrtsstaates und andere identitätsstiftende Merkmale wie Musik und Mode ebenfalls bei »New Nordic« aufgegriffen. Hintergrund der Problematisierung ist die Erfolgswelle, auf der die nordischen Länder in vielen Bereichen reiten. Die »New Nordic Cuisine« oder das schwedische Modewunder sind außer der Architektur weitere Symbole des Erfolgs. Doch was genau gefällt den Menschen eigentlich, wenn sie im weltbesten Restaurant, dem Noma in Kopenhagen, zu Abend essen und dabei enganliegende Klamotten des schwedischen Labels Acne tragen?
Gibt es einen roten Faden, der alle fünf nordischen Länder vereint, wenn es um Architektur, Design und Musik geht? Die Ausstellung beantwortet diese Frage mit einem eindeutigen »Ja«.

Nordische Architektur ist oft von einer besonderen Nähe zur Natur geprägt. Entweder passt sie sich der Umgebung an – oder steht in starkem Kontrast zu ihr. Es gibt eine Vorliebe für »einfaches« Material wie Stein, Stahl und Holz und handwerkliche Kompetenz spielt eine große Rolle. Zugänglichkeit und das Gefühl, willkommen zu sein, sind weitere Attribute nordischer Architektur.

Ein typisches Beispiel für den skandinavischen Stil ist das neue Opernhaus in Oslo, das von dem norwegischen Architekturbüro Snøhetta entworfen wurde. Das weiße, abfallende Dach aus Stein ist eine Hommage an das norwegische Fjell. Seit ihrer Einweihung im Jahr 2008 gehört die Oper zu einem der beliebtesten Treffpunkte in Oslo.
Nordische Architektur ist demokratisch, natürlich, umweltfreundlich und hat einen hohen ästhetischen Anspruch.

 

 

Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Es gibt auch kritische Stimmen – zum Beispiel in Bezug auf die Auswahl der Objekte. Was für eine Rolle spielt das, was nicht gezeigt wird? Heruntergekommene Hochhaussiedlungen, die Umweltverschmutzung der Ostsee, Landflucht im großen Stil.

Trotzdem ist die Ausstellung einen Besuch wert. Doch sollte man im Hinterkopf behalten, dass die dargestellten Exponate eine Best-of-Auswahl nordischer Architektur sind und nicht notwendigerweise einen Ausschnitt der Wirklichkeit abbilden.

Die Ausstellung »New Nordic« im Louisiana-Museum bei Kopenhagen geht noch bis zum 21. Oktober 2012. www.louisiana.dk