Erfahrungsbericht vom 24-h-Mountainbike-Rennen am Alfsee 2015

erstellt am: 12. 06. 2015 um 8:28 Uhr

Den Entschluss, beim 24h-MTB-Rennen am Alfsee mitzumachen, hatte ich schon getroffen , bevor ich überhaupt ein Mountainbike besessen habe. Ehrlich gesagt gingen meine Gedanken in die Richtung: der Alfsee liegt zwischen Oldenburg und Osnabrück. Plattes Land, das kann ja nicht so schwierig sein. Radfahren kann ich, also klar, ich komplettiere das 6er-Team! (Die angekündigten 160 Höhenmeter pro 12 km-Runde habe ich erstmal ignoriert). Der Unterschied zwischen Radfahren und Mountainbiken Als ich dann stolze Besitzerin meines Bikes war, stand erstmal die Gewöhnung an die Klickpedalen auf dem Programm. Wie komme ich schnell aus den Dingern raus, wenn was Unvorhergesehenes passiert? Auch die Sorge, dass ich ganz einfach vergesse, dass ich fest mit den Pedalen verbunden bin und dann beim Halten an der Ampel einfach umfalle und als völliger Trottel da stehe, schwirrte irgendwie in meinem Hirn herum. Da hilft nur eins: sich vertraut machen und das Herausdrehen üben, üben und nochmal üben! Am besten gleich in Verbindung mit Balanceübungen. Das Radel kennenzulernen, wie es sich verhält und wie es reagiert ist grundlegend, um Vertrauen aufzubauen. Zugegeben, als ich all das in einem Mountainbikebuch für Anfänger gelesen habe, habe ich im Stillen gedacht: Ist das alles nicht ein bisschen übertrieben? Ich fahre doch seit ca. 37 Jahren Fahrrad. Dass das aber so gar nicht dasselbe ist, wie schmale Singletrails, Spitzkehren in steilem Gelände oder enge Schotterpisten zu bewältigen, habe ich sehr schnell gemerkt. Ich als MTB-Anfängerin war vor dem Rennen zweimal im Gelände unterwegs. Im Teutoburger Wald habe ich die erste Tour absolviert und habe großen Respekt vor Spitzkehren entwickelt. Die blauen Flecken an den Beinen haben mich noch lange daran erinnert, dass ich hier unbedingt noch üben muss. Das habe ich auch fleißig getan. Sonntags auf einem Parkplatz bei mir um die Ecke habe ich das Langsamfahren und Stehen ohne abzusteigen geübt, habe um eine Trinkflasche immer engere Kreise in super langsamem Tempo gedreht und habe auf der Bordsteinkante das Fahren auf schmalen Pfaden simuliert. Am Pfingstwochenende war ich dann mit Freunden im Spessart unterwegs, habe einiges dazu gelernt und habe auch mal drei Tage hintereinander ordentlich Höhenmeter erradelt. Hier ging es neben dem Verfeinern der Technik auch darum, zu schauen, ob mein Hintern das ohne Murren mitmacht oder ob ich mich am zweiten Tag schon gar nicht mehr auf den Sattel setzen mag. Schließlich ist das Ziel eine Alpenüberquerung in 7 oder 8 Tagen, da sollte das mit dem Hintern und dem Sattel schon ein gutes Zusammenspiel sein. Das Rennen
Unser Team mit dem einfachen Namen Die 6

Die 6: Stefan, Carsten, Maic, Betreuer Tobi, ich, und Sponsor Carsten

  Nun stand am letzten Wochenende dann das Rennen vor der Tür. Am Samstag Mittag hat sich unser Team zum ersten Mal getroffen, zumindest waren 4 Fahrer und ein befreundeter Physiotherapeut schon da, zwei Teammitglieder mussten zunächst noch arbeiten und sind dementsprechend später zu uns gestoßen.         Die Wettervorhersage war eigentlich gut; Samstag sollte der Regen ab mittags aufhören. Pünktlich zum Start um 14 Uhr gab es jedoch noch mal einen richtig fetten Regenguss, der zum Glück dann in leichtes Tröpfeln übergegangen war, als ich als zweite Fahrerin dann in der Wechselzone stand. Bis zu diesem Zeitpunkt war alles ganz easy, aber als ich da stand und auf meinen Teamkollegen wartete und ringsherum das Wettkampffieber um sich griff, da hat es mich auch erwischt. Der Puls hat beschleunigt, bevor ich überhaupt unterwegs war. Fühlte sich wie früher beim Leichtathletik an, vor dem 800 Meter Lauf. Cool! Naja, und so richtig beruhigt hat sich der Puls dann auch erst, nachdem ich nach meiner Runde das Staffelband an Stefan übergeben hatte, denn holla, die Strecke hatte es wirklich in sich! Die Steigungen auf matschigem Untergrund und feuchtem Gras waren ganz schön knackig. Dazu dann noch die vielen Radler, die vor und hinter mir unterwegs waren. So konnte ich gar nicht ganz in Ruhe auf schwierige Passagen zufahren, nein alles war ein bisschen hektischer als sonst. Und siehe da: das geht auch! Wieso lange überlegen, wo man lang fahren soll, wenn neben dir plötzlich von hinten ein schneller Biker auftaucht und es dann eh nur noch geradeaus runter geht, weil du dem anderen sonst ins Gehege kommst. Und dann heißt es: Augen auf und das Beste draus machen 😉
Kurz vor der Einfahrt in die Wechselzone nach der ersten Runde

Kurz vor der Einfahrt in die Wechselzone nach der ersten Runde

Auch habe ich zügig gelernt, dass die schnellen Fahrer schon wissen, was sie tun, wenn sie andere an den „unmöglichsten“ Stellen überholen. Da kommt ein kurzer Zuruf von hinten: “Links” oder “Rechts”, so dass man weiß, auf welcher Seite sie vorbeifahren und dann rauschen sie auch schon vorbei.   Auf meiner zweiten Runde war die Strecke schon schön abgetrocknet, sodass die Anstiege und Abfahrten griffiger waren. Außerdem hatte sich das Fahrerfeld sehr entzerrt und konnte mich ganz auf mein Rad und mich konzentrieren. Als dann auch noch die Sonne rauskam, war das das I-Tüpfelchen der perfekten Runde. Das hat sich dann auch in der Zeit niedergeschlagen, diese Runde war meine schnellste. Von einer perfekten Runde konnte unser Nachzügler Torsten dann nicht reden, denn er hatte auf seiner ersten Runde gleich einen Platten und leider keinen Ersatzschlauch dabei. Wenigstens hatte er daran gedacht, sein Handy einzustecken, so konnte er uns Bescheid geben und wir uns auf dem Weg zu ihn machen, um den Schlauch zu wechseln. Das Schicksal mit dem defekten Schlauch hat mich dann bei meiner nächsten Runde auch getroffen. Besonders ärgerlich, da meine Zeit bis dahin eigentlich ganz gut aussah. Leider bin ich im Schlauch auswechseln noch nicht ganz so schnell wie die Jungs bei der Formal 1 beim Reifenwechsel. Und hätte ich gewusst, dass es zum Ziel gar nicht mehr so weit ist, wäre ich besser zu Fuß gegangen 😉 Nein, ich bin fest davon überzeugt, dass es inklusive Schlauchwechsel schneller ging als wenn ich geschoben hätte… Yeah!
Abendstimmung

Abendstimmung

Die Runde gegen 2 Uhr in der Nacht war noch einmal eine Herausforderung für sich. Es waren ca. 6 Grad, es war feucht und nebelig und auf dem Rad mit Fahrtwind ganz schön frisch. Das Gute daran war, dass nun keine Insekten mehr unterwegs waren, die mir in den zum Luft schnappen geöffneten Mund fliegen oder sich hinter die Sonnenbrille verirren. Die schon derbe ausgefahrene Strecke war im Dunkeln ganz schön knifflig.         Die Streckenposten des THW und das Wissen, dass mein Team über die Racemap App immer meinen Standort tracken kann, haben mir hier echte Sicherheit gegeben. Denn so viele Fahrer wie tagsüber waren nachts dann doch nicht unterwegs. Super schön war die Runde in der Morgendämmerung. Die Sonne über dem See aufgehen zu sehen, das Vogelgezwitscher in den Ohren, das war schon ein besonderer Moment. Einen Augenblick habe ich auch die nun schon etwas lahmen und daher im Anstieg zwickenden Oberschenkel vergessen.   Mein Fazit So ein Rennen ist etwas ganz anderes als die Ausfahrt am Wochenende, egal ob man da allein oder in einer netten Gruppe unterwegs ist. Die Ansteckung mit dem Wettkampffieber und der damit verbundene gesteigerte Leistungswille ist schon etwas Besonderes. Was nehme ich sonst noch aus dem Rennen mit?
  • Das Wissen, dass man auch mit einem Marathonläufer, einem Schwimmer, drei Bikern und einer Anfängerin ein tolles Team zusammenstellen kann.
  • Dass ich Windschattenfahrer, die sich nicht revanchieren, doof finde.
  • Dass es Spaß macht, an seine Grenzen zu gehen (auch mit lahmen Beinen geht die nächste Runde dann doch noch in ganz annehmbarer Zeit).
  • Dass man auch mit 40 noch viel dazulernen kann 😉
  • Dass die Teilnahme nächstes Jahr sehr wahrscheinlich ist….
Und hier noch das ganze Team:
Torsten, Stefan, Carsten, Nicola, ich, Maic

Torsten, Stefan, Carsten, Nicola, ich, Maic

Noch viel mehr Bilder und Impressionen vom Rennen gibt es auf Andi’s Radsportfoto Seite!

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Mountainbiketour von Österreich durch Slowenien nach Kroatien | Elchblog - hier bloggt der Elch von Unterwegs.biz | am 17. September 2015 um 08:16 Uhr

[…] Naja, zumindest habe ich da mein Mountainbike erstanden. Über meine ersten Erfahrungen und das 24 h Rennen am Alfsee als MTB Frischling hatte ich hier ja schon berichtet. Dass als erster großer Ausflug dann die […]



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