Erste Hilfe bei Unterwegs.biz

erstellt am: 03. 03. 2017 um 10:04 Uhr

Erste Hilfe ist ein wichtiges Thema und kann im Notfall über Leben und Tod entscheiden. Der letzte Kurs liegt bei den meisten von uns schon eine ganze Weile zurück. Dies traf bis Freitag auch auf meine Kollegen und mich zu. Daher fand am vergangenen Freitag ein ausführlicher Auffrischungskurs in unserem Onlineshop statt. Da erste Hilfe für jeden von uns wichtig ist, möchte ich euch im Folgenden eine Zusammenfassung unseres Kurses geben und euch die wichtigsten Tipps und Anleitungen aufzeigen.

Notruf absetzen! Entscheidend ist, egal, mit welchem Notfall ihr konfrontiert werdet, das sofortige Absetzen des Notrufes. Denn im Ernstfall zählt jede Sekunde! Die richtige Nummer ist immer die 112. Das Eintreffen des Rettungsdienstes dauert in der Regel maximal 10 bis 15 Minuten, aber selbst eine Minute kann sich wie mehrere Stunden anfühlen. Sei es auf der Arbeit, im Brandfall oder auch auf der Autobahn. Während euch euer Schulungsleiter noch vor 10 Jahren die fünf W-Fragen (Wo?, Was? Wie? Welche Art von Verletzung? und das anschließende Warten auf Rückfragen?) eingeprägt hatte, könnt ihr euch heute auf die direkte telefonische Abfrage bis hin zur Hilfestellung für die Reanimation erfahrener Leute aus dem Rettungsdienst verlassen.

Keine Panik! Gerade in Momenten, in denen ein Verletzter auf eure Hilfe angewiesen ist, geht es an eure Nerven! Dennoch solltet ihr versuchen ruhig zu bleiben und eure vollständige Konzentration auf die Erstversorgung der verletzten Person zu richten. Wichtig ist, in jedem Fall geht Selbstschutz vor! Bringt euch nicht auch noch selbst in eine gefährliche Situation. Leider schauen gerade bei uns in Deutschland sehr viele Leute einfach weg, wenn jemand dringend Hilfe benötigt. Oftmals schauen dieselben Leute erst dann hin, wenn ein anderer mit der Erstversorgung beginnt. Während zuvor jeder zweite weg schaute, steht dann plötzlich eine Traube Menschen um die Unfallstelle herum. 

“Deutschland steht in Sachen Erste Hilfe ganz weit unten!” (Jörg Limberg, Ausbildungsleiter der Johanniter-Unfall-Hilfe)

Bleibt auf Empfang! Da heutzutage so ziemlich jeder von uns ein Handy besitzt, gehören Notrufsäulen und Telefonzellen der Vergangenheit an. Solltet ihr mal in eine Notsituation geraten, in der ihr den Rettungsdienst bereits erreicht habt und euer Empfang plötzlich abbrechen oder euer Akku leer sein sollte, dann bloß keine Panik! Der Rettungsdienst bekommt eure Nummer angezeigt und ist notfalls in der Lage, eure letzte Position zu orten. Selbst dann, wenn eure Nummer eigentlich unterdrückt wird. Die sofortige Ortung eines Handys hat schon so manchem Bergsteiger das Leben gerettet!

Und dann… ganz plötzlich…! Da keiner von uns weiß, wann uns ein Notfall erwischt, zählt die entscheidende Vorbereitung. Hierzu gehören sowohl regelmäßige Erste-Hilfe-Kurse als auch ein paar kleine Hilfsmittel. Die folgenden Beispiele zeigen euch, wie ihr vorbereitet seid, wenn es darauf ankommt…

Beispiel: Verkehrsunfälle

Beispiel 1: Autounfall Ihr seid auf der Autobahn unterwegs. Plötzlich ereignet sich direkt vor eurem Auto ein Verkehrsunfall.

Was ist zu tun? Wenn möglich, ist es empfehlenswert, das Auto etwa 20 bis 30 Meter von der Unfallstelle entfernt auf derselben Fahrbahn abzustellen. Mit Warnblinker und Fernlicht für möglichst gute Sichtbarkeit sorgen. Daraufhin könnt ihr euch an den folgenden Schritten orientieren:

  1. Schnappt euch eure Warnweste, euren Erste Hilfe Kasten und das Warndreieck
  2. Lauft zum Aufstellen des Warndreiecks bitte immer hinter der Leitplanke oder ganz weit am Fahrbahnrand entlang
  3. Stellt das Warndreieck etwa 100 Meter (innerorts 50 Meter) von der Unfallstelle entfernt auf. Sollte sich der Unfall direkt in oder hinter einer Kurve ereignet haben, dann vor der Kurve.
  4. Zündung des Unfallwagens abstellen
  5. Vermeidet an der Unfallstelle offenes Feuer oder Funken
  6. Unfallstelle/Verletze vor “Zuschauern” abschirmen

Notfallhammer-GurtschneiderSo könnt ihr helfen! Da es bei Verkehrsunfällen leider nicht selten dazu kommt, dass der Verletzte bewusstlos im Wagen liegt und dieser verriegelt ist, können einfache Dinge, wie zum Beispiel ein Notfallhammer oder auch ein Gurtschneider hilfreich sein. Viele Autos sind mit einer automatischen Zentralverriegelung ausgestattet (sie verriegelt die Türen ab 20 km/h automatisch), die im Alltag zwar praktisch sein kann, im Notfall jedoch ein großes Problem darstellt, da sie sich häufig nicht mehr entriegeln lässt. Hier seht ihr drei verschiedene Gurtschneider. Bei dem mittleren Modell handelt es sich um eine 5in1 Multifunktions- Notfall Lampe mit blinkender Warnleuchte und Nothammer, der Tipp unseres Schulungsleiters Jörg.

Achtung! Selbst dann, wenn der Airbag noch nicht ausgelöst wurde, heißt das nicht, dass es nicht mehr passieren könnte! Selbst eine kleine Erschütterung könnte ausreichen, um ihn auch noch verspätet auszulösen. Solltet ihr euch dann zwischen dem Verletzten und dem Airbag befinden, könnte dies lebensgefährlich werden. Um euch und die verletzte Person nicht in Gefahr zu bringen, solltet ihr lieber gleich die Gurte durchschneiden.

Die Erstversorgung… Nachdem ihr den Gurt entfernt habt, solltet ihr versuchen, die verletzte Person unter den Achseln zu greifen, auf dem Sitz zu drehen und aus dem Wagen bzw. aus dem Gefahrenbereich zu ziehen. Sollte euch das gelungen sein und wollt ihr Hilfe holen oder sollte die Person würgen müssen, dann bringt sie zunächst in die stabile Seitenlage. Hierzu legt ihr sie vorsichtig auf den Rücken, bringt den einen Arm in einen 90 Grad Winkel und stellt das gegenüberliegende Bein auf. Erst dann legt ihr eure Hand an die gegenüberliegende Schulter des Verletzten und dreht ihn vorsichtig zu euch auf die verletzte Seite. Sollte der Verletzte euch körperlich überlegen sein, dann lehnt euch mit eurem Gewicht von hinten gegen das bereits aufgestellte Bein. Hier seht ihr, wie es so selbst einer Vierjährigen schnell gelingt, ihren Vater in die stabile Seitenlage zu bringen.

Motorradunfall-Helm-abnehmenBeispiel 2: Motorradfahrer Auch hier ist das direkte Alarmieren des Notrufes entscheidend! Außerdem ist es wichtig, dass ihr direkt den Helm entfernt oder den noch ansprechbaren Verletzten dazu auffordert, seinen Helm abzunehmen. Sollte der Motorradfahrer beatmet werden müssen, ist es nur OHNE Helm möglich.
  1. Visier hoch
  2. Schloss auf
  3. Hände so weit es geht hineinstecken und Helmpolster zur Seite drücken
  4. Helm vorsichtig in Richtung Kinn heben und zu euch ziehen
  5. Kopf auf eure Knie oder auf eure zusammengerollte Jacke legen und stützen
  6. Verletzten je nach Zustand in stabile Seitenlage bringen

Klare Anweisungen erteilen! Da man im Notfall mindestens sechs Arme und Beine gebrauchen könnte und jede Sekunde zählt, ist es wichtig, dass ihr weiteren Leuten direkte und klare Anweisungen erteilt. Bittet sie nicht darum, sondern fordert sie dazu auf:

“Du alarmierst den Notruf und du stützt seinen Kopf…!”

Beispiel: Vergiftung

Die eigentliche Vergiftung kommt eigentlich erst dann zustande, wenn Chemikalien o. ä. wieder hochgewürgt werden. Generell solltet ihr sofort den Notarzt alarmieren und die Person einige Kohle-Tabletten mit viel Wasser schlucken lassen. Diese verkapseln erst einmal die giftigen Substanzen im Magen. Da sämtliche Chemikalien und Putzmittel registriert sind, können die Ärzte schnell handeln und das richtige Gegenmittel verabreichen.

 

Beispiel: epileptischer Anfall

Ein solcher Anfall kann tatsächlich jeden von uns treffen, und zwar von Geburt an! Mögliche Auslöser könnten zum Beispiel sein:
  • Discolicht
  • kaputte Neonröhren
  • wechselnde Reklame (in Großstädten)
  • während der Autofahrt (vorwiegend nachts oder zwischen Alleen)
  • alte, flackernde Bildschirme

Was ist zu tun? Wichtig ist zunächst, dass ihr den Betroffenen sofort von dem Auslöser isoliert. Also solltet ihr in der Disco zum Beispiel sofort dafür sorgen, dass alle Lichter angeschaltet werden. Dann den Notruf absetzen und die Person auskrampfen lassen. Bitte NICHT festhalten und NICHTS zwischen die Zähne legen! Brille abnehmen und eng anliegende Kleidung lockern. Erst nachdem das Krampfen vorbei ist, könnt ihr sie bei Bedarf in die stabile Seitenlage bringen.

Beispiel: Verbrennung

Hautschichten-Foto-hautarzt-degenhardtOb es sich bei einer Verbrennung um eine eher harmlose Verletzung oder eine lebensgefährliche Verbrennung handelt, hängt davon ab, wie weit es die Hitzewirkung durch die drei Hautschichten (siehe Grafik) geschafft hat. Unsere Haut ist unser größtes und zugleich intelligentestes Organ und regeneriert sich immer wieder auf’s Neue, sobald sie verletzt wurde. Sei es eine Schürfwunde oder auch die lästige Hornhaut. Daher solltet ihr nie auf die Idee kommen, die Hornhaut zu entfernen, denn der Jojo-Effekt folgt gewiss 😉

Verbrennungsgrade und Beispiele: 1. Grades: Sonnenbrand 2. Grades: Sonnenbrand mit Bläschen (Brandbläschen bitte, wenn überhaupt, nur vom Arzt öffnen lassen, da die Infektionsgefahr zu groß ist!)
  • 2a: Rötung lässt sich weg drücken
  • 2b: Rötung lässt sich nicht mehr weg drücken
3. Grades: Bildung von Brandschorf (viele kleine Hautkrümel), herabgesetzter Berührungsschmerz, Haare locker 4. Grades: Verkohlung der Haut, keine Blutung nach Nadelstichprobe  
Verbandpaeckchen

Sterile Verbandspäckchen inklusive Kompresse

Bei Verbrennungen ersten oder zweiten Grades könnt ihr dem Verletzten mit einem sterilen Verbandspäckchen helfen und die Verbrennung verbinden. Denkt bitte daran euch Handschuhe anzuziehen. Beides findet ihr in euren Erste Hilfe Kästen. Für leichte Linderung des Schmerzes sorgt lauwarmes Wasser. Bloß kein kaltes Wasser! Sollte die Verbrennung bis in die letzte Hautschicht (die Leberhaut) gedrungen sein, ist das Schmerzempfinden gleich Null. Bei einer Verbrennung vierten Grades sind sowohl die Hautschichten verkohlt als auch das darunterliegende Muskelgewebe mit Knochen, Sehnen und Gelenken erfasst worden.    Tipps für Wärmflaschenliebhaber: Da es in unserer Runde so einige Wärmflaschenliebhaber gab, die bis zu dem Tag unserer Schulung nie darüber nachgedacht haben, dass eine Wärmflasche platzen kann, wenn sie “falsch” befüllt und ein gewisser Druck (z. B. durch Anlehnen) darauf ausgeübt wird, hier ein paar Tipps:
  1. NIE mit kochend heißem Wasser befüllen!
  2. nur zur Hälfte befüllen.
  3. vorsichtig etwas Luft heraus drücken
  4. in ein Handtuch wickeln
 

Beispiel: Herzinfarkt

Bei einem Herzinfarkt wird zwischen einem lauten und einem leisen Infarkt unterschieden. Während uns der leise Infarkt im Schlaf erwischen kann, macht sich der laute Herzinfarkt durch Schmerzen und ein dafür typisches Druckgefühl bei uns bemerkbar. Während Frauen Bauch- oder Rückenschmerzen empfinden, zieht es Männern meist im linken Arm und teilweise bis hin zum Unterkiefer. Außerdem erleiden sie häufig einen starken Druck im Brustkorb. Da Bauchschmerzen leider keine Seltenheit sind und die Schmerzen eher verdrängt werden, werden 99,7 % der Herzinfarkte bei Frauen nicht gleich und teilweise erst viel zu spät erkannt. Tipp: Notruf absetzen und aufrecht hinsetzen bis der Arzt kommt! Kein Koffein, kein schwarzer Tee o. ä.!

Beispiel: Schlaganfall

Schlaganfall

Geschlossener und offener Schlaganfall mit Blutung

Bei einem Schlaganfall handelt es sich um einen Hirnschlag, der sowohl geschlossen als auch offen und mit bereits austretender Blutung sein kann. Die Ursachen können sowohl Stress, Aufregung oder auch der oft damit einhergehende hohe Blutdruck sein. Typisch für einen Schlaganfall sind insbesondere ein starrer Blick oder auch eine erste offensichtliche Lähmungserscheinung im Gesicht.

Tipp: Betroffene können nicht mehr normal lächeln. Bittet sie zu lächeln und ihr seht stattdessen eine Fratze, dann alarmiert sofort den Notruf, denn bei einem Schlaganfall zählt die “Goldene Stunde”, in der sämtliche Blutproben, Untersuchungen etc. ausgewertet werden sollten, sodass der Druck aus dem Kopf genommen werden kann und damit der Betroffene möglichst keine bleibenden Schäden davon trägt.

Weitere Notfälle und Tipps für die Erstversorgung:

Sei es ein Autounfall, ein Herzinfarkt oder auch ein unvorhergesehener Sturz, so könnt ihr den Verletzten helfen bis der Arzt übernimmt… Erste-Hilfe-Herzdruckmassage   Das Beatmen oder im schlimmsten Fall Wiederbeleben kann unter anderem in einer der folgenden Situationen erforderlich sein:
  • Sturz aus größerer Höhe (Faustregel: Körpergröße +15 cm)
  • Wasserrettung
  • Stromunfall
  • Asthmaanfall

Da wir als Laien nur selten gleich auf Anhieb erkennen können, was genau die Ursache der Notsituation ist, sind die folgenden Tipps hilfreich für die Beurteilung und richtige Handlung:

  1. Person ansprechbar? Was ist passiert?
  2. Person bewusstlos? Puls messen (zwei Finger auf die Halsschlagader oder auf das Handgelenk legen)!
  3. Atmung kontrollieren
  4. zum Beatmen auf eine harte Unterlage legen (NIE im Bett oder auf der Couch beatmen!)

Beatmung erforderlich? Um die richtige Stelle für die Herzdruckmassage zu finden, könnt ihr euch am besten an der Mitte des Brustkorbes auf Achselhöhe orientieren. In dem folgenden Video seht ihr, wie ihr den korrekten Druckpunkt findet. 

Wichtig ist, dass ihr den Brustkorb 30 Mal möglichst regelmäßig um etwa 5 bis 7 cm eindrückt und mit zwei Beatmungsschüben fortfahrt. Diesen Zyklus fortführen, bis die Rettungskräfte euch anweisen, aufzuhören oder eine eigenständige Atmung einsetzt. Eine gute Eselsbrücke für die richtige Geschwindigkeit bietet euch der Rhythmus des Liedes “Staying Alive” der Bee Gees.

“Es ist schwerer einen Luftballon aufzublasen als einen Menschen zu beatmen!” (Jörg Limberg, Ausbildungsleiter der Johanniter-Unfall-Hilfe)

Unterstützend findet ihr in öffentlichen Gebäuden, wie Banken, Universitäten oder auch Tankstellen häufig sogenannte AEDs. Hierbei handelt es sich um eine AED-Erste-HilfeDefibrillator-Variante, die jeder nutzen kann, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Erkennen könnt ihr sie an dem typischen grün-gelben Herzsymbol mit Blitz.

  1. AED aus Halterung entfernen – ein Notruf erfolgt automatisch!
  2. Pads auf die freie Brust (Rasierer liegt dabei und muss bei Männern unter Umständen genutzt werden)
  3. Anleitung erfolgt vom Gerät
  4. Elektroschock nach Anweisung auslösen.

Im Anschluss an den Schock folgt ihr den Anweisungen des AEDs und fahrt so lange mit der Herzdruckmassage fort, bis der Notarzt eintrifft. Erst dann, wenn er euch offiziell ablöst, könnt ihr die Erstversorgung beenden.

Wichtig: Solltet ihr einen AED benutzt haben, dann nutzt anschließend die entsprechende Hotline und gebt die Gerätenummer durch, sodass das Gerät direkt wieder einsatzbereit für den nächsten Notfall ist.  

Hilfe für Helden! Sollte euch nach der Rettungsaktion zu Hause oder auf der Arbeit plötzlich schwindelig werden oder sollte das Kopfkino unaufhörlich von vorne beginnen, dann scheut euch nicht davor erneut die 112 zu wählen. Kaum einer steckt eine solche Situation einfach so weg! Das wissen auch der Notruf und die speziell geschulten Notfallseelsorger! Diese treffen umgehend bei euch ein und sind für euch da!

 

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