Immer öfter werden wir damit konfrontiert, dass Kunden eine gewisse Skepsis an den Tag legen, wenn sie sehen, dass die Ware “Made in China” (Vietnam, Korea….) ist. Viele verbinden damit, dass die Ware unter Bedingungen produziert wird, die nicht ihren ethischen Ansprüchen gerecht wird.

Tatsächlich lässt sich im Bereich der Outdoor-Bekleidung kaum etwas “Made in Europe” finden. Das liegt nicht zuletzt daran, dass kaum jemand bereit ist (war), für ein Produkt gleicher Qualität mehr zu bezahlen, nur weil es in Europa gefertigt ist. Erst in letzter Zeit stellen anständige Löhne und gute Arbeitsbedingungen auch eine Qualität dar, für die Kunden bereit sind, etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Auch “weiche Faktoren” spielen also heute eine Rolle bei der Kaufentscheidung.
Wer allerdings glaubt, es werde bald wieder einen größeren Anteil an in Europa hergestellter Bekleidung geben, den muss ich enttäuschen: die Technologie auch für die Fertigung hochwertiger Outdoor-Produkte steht in Asien. Und diese Entwicklung lässt sich nicht so einfach revidieren.

Um diesem Dilemma zu entgehen gibt es immer mehr (Outdoor)-Hersteller, die der Fair Wear Foundation (FWF) beigetreten sind oder beitreten. Die Fair Wear Foundation wurde 1999 gegründet und setzt sich für die Verbesserung der Arbeitbedingungen in der Textil- und Bekleidungindustrie ein. Die FWF prüft in den Fabriken vor Ort, wobei sie nicht weltweit tätig ist. Eine Karte mit der Länderübersicht gibt es bei http://www.fairwear.org

Für die Markenhersteller bietet diese “Kontrolle” (man spricht auch von Besuchen) vor Ort eine gewisse Sicherheit, dass die Standards eingehalten werden. Für die produzierenden Betriebe ist der Besuch eine gute Möglichkeit, über die Weiterentwicklung der Ziele zu diskutieren und diese umzusetzen.

Einen Überblick über die Ziele der FWF bietet dieses Video:

 

 

Die Ziele der FWF sind in 8 Punkten zusammengefasst und dadurch leicht verständlich:

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Arbeiter können
nicht  zur Arbeit gezwungen werden,
z. B. durch Einbehalten der Löhne
oder Einsperren in den Fabriken.

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Die meisten Arbeiter in der Textilindustrie sind Frauen. Sie sind häufig Opfer von Diskriminierung und Belästigungen. FWF setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen für Frauen und andere benachteiligte Gruppen wie Wanderarbeiter ein.

FAIR-WEAR-3 KopieKinder sollten zur Schule gehen können. Wenn sie alt genug sind, um zu arbeiten, müssen sie vor gefährlichen Arbeiten und langen Arbeitszeiten geschützt werden.

 

 

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Zur Erzielung nachhaltiger Veränderungen müssen Arbeiter bei der Verbesserung ihrer Bedingungen mitreden dürfen.
Das Recht auf Bildung von Gewerkschaften und Verhandlungen mit der Fabrik sind ein Anfang.

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Arbeiten um zu leben – darum geht’s. Der Lohn für eine normale Arbeitswoche sollte hoch genug sein, um die Grundbedürfnisse der Arbeiter und ihrer Familien zu erfüllen – inklusive eines Geldbetrags, der zur freien Verfügung steht.

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Sechs Arbeitstage, acht Arbeitsstunden pro Tag. Das ist laut UN das Maximum. Was darüber hinausgeht, sollte freiwillig sein, bezahlt werden und zwölf Stunden pro Woche nicht übersteigen.
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Arbeiter haben ein Recht auf sichere und gesunde Arbeitsbedingungen. Dazu gehören frei zugängliche Notausgänge und eine angemessene Sicherheitsausrüstung.
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 Arbeiter haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen Vertrag sowie bestimmte Leistungen, wie Rente, soziale Sicherheit, Versicherungen und Abfindungen. Arbeitgeber müssen diese Rechte respektieren.

 

 

 

Es gibt aber auch durchaus Kritik zur FWF. So bemängeln einige, dass es keine verbindlichen Standards gibt die grundsätzlich erfüllt sein müssen. Die Fair Wear Foundation setzt eher darauf, die Firmen dort abzuholen, wo sie sind und dann an der Verbesserung der Verhältnisse zu arbeiten.

Es ist also eine Absichtserklärung besser zu werden. Da es aber regelmäßige Überprüfungen gibt und die Marken, die der FWF beigetreten sind, für die gesamte Lieferkette verantwortlich sind, wird sich jeder bemühen, die Grundsätze zu erfüllen.

Dass übrigens viele amerikanische Hersteller bei der FWF nicht zu finden sind liegt daran, dass es in den USA die Fair Labour Association gibt, bei der diese Firmen Mitglieder sind.

Um euch über die Bedingungen bei eurer Lieblingsfirma zu informieren, könnt ihr auf deren Website mal nach dem “code of conduct” schauen (die meisten Hersteller haben so etwas), dort wird erklärt, was die Marke für faire Arbeitsbedingungen und Umweltschutz tut.

Noch eine Hinweis: die Fair Wear Foundation ist nicht mit fairtrade zu verwechseln, hier gibt es andere Qualifizierungskriterien.

Eine Liste der Mitglieder der Fair Wear Foundation findet ihr hier: FWF Mitglieder .
Dort könnt ihr nachschauen, welche (Outdoor-)Firmen bereits dabei sind.

Jeder sagt jetzt natürlich, dass es gut  wäre, dass seine Klamotten unter fairen Bedingungen produziert werden. Aber: seid ihr auch bereit dafür mehr Geld auszugeben?