Dies ist ein Gastbeitrag von Frank Mammen, einem leidenschaftlichem Geocacher. In seinem Beitrag möchte er seine persönlichen Erfahrungen mit uns teilen und Lust auf’s Cachen machen. Wie auch ihr einen Gastbeitrag bei uns einreichen und mit etwas Glück einen der beliebten Ortlieb Rack-Pack gewinnen könnt, erfahrt ihr hier. Viel Spaß beim Lesen!

 

Was ist Geocaching?
Geocaching, das ist per Definition: Das Suchen von Dosen an definierten Plätzen.

Auffassung der Cacher: Spaß, Natur, Suchen, GPS, Klettern, Tauchen, Wandern, etc.

Auffassung der Gegner: Laut, unnütz, Wild aufscheuchend, Ignoranz gegenüber Privateigentum, zerstörend, rücksichtslos

Und für mich: Freizeit, Spaß – und seit T5 eine völlig neue Dimension des Cachens!

 

Alte Hasen – alte Zöpfe?
Ich betreibe Geocaching aktiv seit mehr als sechs Jahren und das inzwischen in 20 Ländern. Meine ersten Dosen wurden mit einem GPS (Garmin) gefunden. Cachen hatte damals etwas „Mysteriöses“ und einen Thrill. Die ersten Dosen waren ein Erlebnis. Jeder Log wurde zelebriert, an viele der Dosen erinnere ich mich noch genau.

Wie vieles wandelt sich auch das Cachen. Inzwischen gibt es Apps für immer mehr Smartphones. Fertig zum Herunterladen, fertig zur Suche und damit in den Augen manch alter Hasen ein „begründeter“ Frevel.

Das Schöne daran ist: Es ist damit leicht, Geocaching einfach mal auszuprobieren. Aus meiner Sicht ist das nicht so Schöne daran jedoch, dass damit auch die Unvernunft neuer Cacher einhergeht. Darüber hinaus steigt gleichzeitig die Abneigung unserem Hobby gegenüber durch Jäger, Förster, Grundstücksbesitzer. Die „alten Hasen“ lernten Cachen durch andere Cacher kennen und wurden somit auch entsprechend mit dem ungeschriebenen „Kodex“ geimpft. Wir suchen unauffällig, wir sind vorsichtig und aufmerksam im Umgang mit der Natur, wir hinterlassen nichts außer dem Log, wir zerstören weder Cache noch Natur, wir respektieren das Eigentum anderer, wir sind halt nicht mainstream …

Ich kenne immer mehr alte Hasen, die sich in Nischen des Cachens zurückziehen. Fuhr man früher 20km für eine Dose, so findet man heute auf einem Kilometer 20 Dosen. Die Nischen sind vielfältig: Manche machen nur noch D5, weil sie wirklich das teilweise wochenlange Knobeln lieben (Respekt!), manche gehen auf Wherigos, manche machen Multis aus Leidenschaft. Ich zähle mich inzwischen auch zu den „älteren Herrschaften“ und habe T5 für mich entdeckt.

 

Wofür steht T5?
Die Bezeichnung T5 steht für fünf Terrain-Sterne und soll heißen, dass zum Erreichen des Caches spezielles Material erforderlich ist. Das können sein: Kletterausrüstung, Tauchausrüstung, Leiter, Schlauchboot und noch vieles mehr. Die meisten T5 sind noch immer Klettercaches. Und hier greifen die Shops den Mainstream auf.

 

T5-Ausrüstung
Leider entsteht immer mehr der Eindruck, dass neben der Unvernunft und dem fehlenden Wissen einiger „Cacher“ die Kommerzialisierung Einzug hält. So finden sich teilweise minderwertige Produkte in Geocache-Kategorien. Es finden sich auch unnötige Produkte dort oder Produkte, deren Sinn sich mir beim Cachen nicht erschließt. Eine Petzl-Basissteigklemme wird angeboten, ein passender Schultergurt jedoch nicht. Bandschlingen sind okay, aber die Längen sind nicht erläutert (wofür brauche ich diese). Es werden einfachste Gurte angeboten, die m.E. sehr gefährlich sein können. Dazu gleich.

 

Erste Schritte im T5
Wer mit dem Gedanken spielt, einen T5 loggen zu wollen, sollte sich beim ersten Versuch auf keinen Fall alleine und ohne erfahrenen T5-Cacher dorthin bewegen! Der erfahrene Cacher stellt sicherlich gern sein Equipment zur Verfügung und erläutert, worauf es ankommt.

 

Ausrüstung T5 und Kursbesuche
Ohne entsprechendes Wissen kann der erste Spaß sehr schnell hochriskant werden. Wer sich aus Unwissenheit unter einer Brücke abseilt und später nicht mehr weiß, wie er ohne den heruntergefallenen Abseilautomaten wieder hochkommt, spürt dann den günstigen Preis des Sportgurtes schnell – und vor allem sehr unangenehm. Die Brücke muss nicht hoch sein, da reichen 3m! Das Geländer ist nicht greifbar, unten ist das Wasser kalt und der Boden rutschig. Der nächste Muggel ist weit weg. Das kann dazu führen, dass die Beine taub werden. Vielleicht hat das Smartphone ja noch Empfang im Niemandsland. Und dann dauert es sicherlich, bis man erläutert, wo man ist („Hänge unter der Brücke, deren Namen ich vergessen habe.“). Schuld ist nicht das Material! Schuld ist der Cacher selbst, der auf die Angebote hereinfiel und T5 unterschätzt. Wer dann aus Leichtsinn einen vorher nicht geübten oder gar falschen Handgriff tätigt, schadet sich, verärgert die Rettungskräfte und sorgt so für ein schlechtes Bild unseres schönen Hobbys in der Öffentlichkeit.

 

Ich rate daher dringend dazu, die ersten T5 niemals ohne Erfahrenen anzugehen. Er leiht sicherlich das Kletterzeug aus. Und wer dann Lust auf mehr bekommen hat, sollte schon mal ca. 800 Euro in die Hand nehmen. Ich persönlich empfehle einen Industrieklettergurt (Petzl, Singing Rock), einen guten Automaten mit Panikgriff, eine sehr gute Knotenkenntnis (die sehr wenigen, aber notwendigen Knoten müssen im Schlaf beherrscht werden), Pilotleine und einen 300g Wurfsack, immer einen Helm und vor allem die Teilnahme an Kletterkursen speziell für Geocacher. Gute Karabiner, Bandschlingen mehrer Längen, einen Achter oder einen Tube als Reserve. Wer höher hinausgeht, wird eines Tages ein spezielles Hilfsmittel kaufen. Hinzu kommt ein Kurzseil, ein weiterer Automat, spezielle Karabiner, weitere Wurfsäcke, mehr Pilotleine, eine Big-Shot, Transportsäcke. Da sind aber Themen wie Höhlenkletterei noch nicht berücksichtigt. Im Norden sind die auch seltener zu finden.

 

 

Der Gurt
Ein Klettergurt, wie er im Sportklettern genutzt wird, ist für den Einstieg eine Alternative. Wer sich für das T5-Klettern wirklich interessiert, wird schnell wechseln. Hintergrund: Ein Sportklettergurt wird dann notwendig, wenn die Kletterer ins Seil fallen oder sich abseilen. Mehr aber auch nicht. Ein Industrieklettergurt wird ab der ersten Sekunde voll genutzt und trägt die ganze Zeit das volle Gewicht des Kletterers. Ein T5-Cacher ist in der gleichen Situation, weshalb also weniger nutzen als sinnvoll? Die Industrieklettergurte sind bequemer, haben wesentlich bessere Anbindungsmöglichkeiten und die Traglasten sind weit höher. Wer in 18m Höhe im Baum auf sein Kurzseil umbaut und so auf 25m Höhe spaziert, weiß spätestens hier die seitliche Ösen zu schätzen.

 

Und dann wird das T5-Cachen mit dem richtigen Equipment vom richtigen Shop, nach der richtigen Einführung und dem Besuch von Kursen zum tollen Ereignis. Einige meiner Favoriten waren bisher Bäume mit 30m und Abseilen vom Turm aus 36m. Aber auch eine Dose in “nur” 10m ist gut: Richtig angegangen hilft sie, sich immer wieder auf die Skills und das Material zu konzentrieren und sich der Verantwortung sowohl sich als auch den Rettungskräften gegenüber bewusst zu werden.

 

Fazit:

T5 ist eine schöne Sache und hat seinen Reiz.

Wer T5-Dosen klettern will, sollte zuerst mit einem sehr erfahrenen(!) T5-Kletterer los. Bitte nicht mit jemandem, der erst fünf Dosen gefunden hat! Das ist leichtsinnig!

Wer ernsthaft mit dem Gedanken spielt, sich eigene Ausrüstung zuzulegen, sollte etwas in die Tasche greifen, um sinnvolles Equipment zu kaufen.

Der Besuch von Kursen wird ausdrücklich empfohlen.

T5 wird dann zu einer schönen und sicheren Sache – welcome to the abnormals!

 

Sinn und Unsinn von T5, möglicherweise auch die ganze Diskussion um die rechtliche Situation ist in diesem Blog außen vor. Das wird in anderen Foren breitgetreten und muss jeder für sich entscheiden. Mir geht es hier um Erfahrungen, die ich einfach teilen möchte!