Geocaching -Mainstream, T5 und Verantwortung

erstellt am: 23. 11. 2012 um 9:55 Uhr

Dies ist ein Gastbeitrag von Frank Mammen, einem leidenschaftlichem Geocacher. In seinem Beitrag möchte er seine persönlichen Erfahrungen mit uns teilen und Lust auf's Cachen machen. Wie auch ihr einen Gastbeitrag bei uns einreichen und mit etwas Glück einen der beliebten Ortlieb Rack-Pack gewinnen könnt, erfahrt ihr hier. Viel Spaß beim Lesen!
 

Was ist Geocaching?

Geocaching, das ist per Definition: Das Suchen von Dosen an definierten Plätzen.

  • Auffassung der Cacher: Spaß, Natur, Suchen, GPS, Klettern, Tauchen, Wandern, etc.
  • Auffassung der Gegner: Laut, unnütz, Wild aufscheuchend, Ignoranz gegenüber Privateigentum, zerstörend, rücksichtslos
  • Und für mich: Freizeit, Spaß – und seit T5 eine völlig neue Dimension des Cachens!

 

Alte Hasen – alte Zöpfe?

Ich betreibe Geocaching aktiv seit mehr als sechs Jahren und das inzwischen in 20 Ländern. Meine ersten Dosen wurden mit einem GPS (Garmin) gefunden. Cachen hatte damals etwas „Mysteriöses“ und einen Thrill. Die ersten Dosen waren ein Erlebnis. Jeder Log wurde zelebriert, an viele der Dosen erinnere ich mich noch genau.
 

Wie vieles wandelt sich auch das Cachen. Inzwischen gibt es Apps für immer mehr Smartphones. Fertig zum Herunterladen, fertig zur Suche und damit in den Augen manch alter Hasen ein „begründeter“ Frevel.
 

Das Schöne daran ist: Es ist damit leicht, Geocaching einfach mal auszuprobieren. Aus meiner Sicht ist das nicht so Schöne daran jedoch, dass damit auch die Unvernunft neuer Cacher einhergeht. Darüber hinaus steigt gleichzeitig die Abneigung unserem Hobby gegenüber durch Jäger, Förster, Grundstücksbesitzer. Die „alten Hasen“ lernten Cachen durch andere Cacher kennen und wurden somit auch entsprechend mit dem ungeschriebenen „Kodex“ geimpft. Wir suchen unauffällig, wir sind vorsichtig und aufmerksam im Umgang mit der Natur, wir hinterlassen nichts außer dem Log, wir zerstören weder Cache noch Natur, wir respektieren das Eigentum anderer, wir sind halt nicht mainstream …
 

Ich kenne immer mehr alte Hasen, die sich in Nischen des Cachens zurückziehen. Fuhr man früher 20km für eine Dose, so findet man heute auf einem Kilometer 20 Dosen. Die Nischen sind vielfältig: Manche machen nur noch D5, weil sie wirklich das teilweise wochenlange Knobeln lieben (Respekt!), manche gehen auf Wherigos, manche machen Multis aus Leidenschaft. Ich zähle mich inzwischen auch zu den „älteren Herrschaften“ und habe T5 für mich entdeckt.
 

Wofür steht T5?

Die Bezeichnung T5 steht für fünf Terrain-Sterne und soll heißen, dass zum Erreichen des Caches spezielles Material erforderlich ist. Das können sein: Kletterausrüstung, Tauchausrüstung, Leiter, Schlauchboot und noch vieles mehr. Die meisten T5 sind noch immer Klettercaches. Und hier greifen die Shops den Mainstream auf.
 

T5-Ausrüstung

Leider entsteht immer mehr der Eindruck, dass neben der Unvernunft und dem fehlenden Wissen einiger „Cacher“ die Kommerzialisierung Einzug hält. So finden sich teilweise minderwertige Produkte in Geocache-Kategorien. Es finden sich auch unnötige Produkte dort oder Produkte, deren Sinn sich mir beim Cachen nicht erschließt. Eine Petzl-Basissteigklemme wird angeboten, ein passender Schultergurt jedoch nicht. Bandschlingen sind okay, aber die Längen sind nicht erläutert (wofür brauche ich diese). Es werden einfachste Gurte angeboten, die m.E. sehr gefährlich sein können. Dazu gleich
 

Erste Schritte im T5

Wer mit dem Gedanken spielt, einen T5 loggen zu wollen, sollte sich beim ersten Versuch auf keinen Fall alleine und ohne erfahrenen T5-Cacher dorthin bewegen! Der erfahrene Cacher stellt sicherlich gern sein Equipment zur Verfügung und erläutert, worauf es ankommt.
 

Ausrüstung T5 und Kursbesuche

Ohne entsprechendes Wissen kann der erste Spaß sehr schnell hochriskant werden. Wer sich aus Unwissenheit unter einer Brücke abseilt und später nicht mehr weiß, wie er ohne den heruntergefallenen Abseilautomaten wieder hochkommt, spürt dann den günstigen Preis des Sportgurtes schnell – und vor allem sehr unangenehm. Die Brücke muss nicht hoch sein, da reichen 3m! Das Geländer ist nicht greifbar, unten ist das Wasser kalt und der Boden rutschig. Der nächste Muggel ist weit weg. Das kann dazu führen, dass die Beine taub werden. Vielleicht hat das Smartphone ja noch Empfang im Niemandsland. Und dann dauert es sicherlich, bis man erläutert, wo man ist („Hänge unter der Brücke, deren Namen ich vergessen habe.“). Schuld ist nicht das Material! Schuld ist der Cacher selbst, der auf die Angebote hereinfiel und T5 unterschätzt. Wer dann aus Leichtsinn einen vorher nicht geübten oder gar falschen Handgriff tätigt, schadet sich, verärgert die Rettungskräfte und sorgt so für ein schlechtes Bild unseres schönen Hobbys in der Öffentlichkeit.
 

Ich rate daher dringend dazu, die ersten T5 niemals ohne Erfahrenen anzugehen. Er leiht sicherlich das Kletterzeug aus. Und wer dann Lust auf mehr bekommen hat, sollte schon mal ca. 800 Euro in die Hand nehmen. Ich persönlich empfehle einen Industrieklettergurt (Petzl, Singing Rock), einen guten Automaten mit Panikgriff, eine sehr gute Knotenkenntnis (die sehr wenigen, aber notwendigen Knoten müssen im Schlaf beherrscht werden), Pilotleine und einen 300g Wurfsack, immer einen Helm und vor allem die Teilnahme an Kletterkursen speziell für Geocacher. Gute Karabiner, Bandschlingen mehrer Längen, einen Achter oder einen Tube als Reserve. Wer höher hinausgeht, wird eines Tages ein spezielles Hilfsmittel kaufen. Hinzu kommt ein Kurzseil, ein weiterer Automat, spezielle Karabiner, weitere Wurfsäcke, mehr Pilotleine, eine Big-Shot, Transportsäcke. Da sind aber Themen wie Höhlenkletterei noch nicht berücksichtigt. Im Norden sind die auch seltener zu finden.
 

Der Gurt

Ein Klettergurt, wie er im Sportklettern genutzt wird, ist für den Einstieg eine Alternative. Wer sich für das T5-Klettern wirklich interessiert, wird schnell wechseln. Hintergrund: Ein Sportklettergurt wird dann notwendig, wenn die Kletterer ins Seil fallen oder sich abseilen. Mehr aber auch nicht. Ein Industrieklettergurt wird ab der ersten Sekunde voll genutzt und trägt die ganze Zeit das volle Gewicht des Kletterers. Ein T5-Cacher ist in der gleichen Situation, weshalb also weniger nutzen als sinnvoll? Die Industrieklettergurte sind bequemer, haben wesentlich bessere Anbindungsmöglichkeiten und die Traglasten sind weit höher. Wer in 18m Höhe im Baum auf sein Kurzseil umbaut und so auf 25m Höhe spaziert, weiß spätestens hier die seitliche Ösen zu schätzen.
 

Und dann wird das T5-Cachen mit dem richtigen Equipment vom richtigen Shop, nach der richtigen Einführung und dem Besuch von Kursen zum tollen Ereignis. Einige meiner Favoriten waren bisher Bäume mit 30m und Abseilen vom Turm aus 36m. Aber auch eine Dose in "nur" 10m ist gut: Richtig angegangen hilft sie, sich immer wieder auf die Skills und das Material zu konzentrieren und sich der Verantwortung sowohl sich als auch den Rettungskräften gegenüber bewusst zu werden.
 

Fazit

T5 ist eine schöne Sache und hat seinen Reiz.
 

Wer T5-Dosen klettern will, sollte zuerst mit einem sehr erfahrenen(!) T5-Kletterer los. Bitte nicht mit jemandem, der erst fünf Dosen gefunden hat! Das ist leichtsinnig!
 

Wer ernsthaft mit dem Gedanken spielt, sich eigene Ausrüstung zuzulegen, sollte etwas in die Tasche greifen, um sinnvolles Equipment zu kaufen.
 

Der Besuch von Kursen wird ausdrücklich empfohlen.
 

T5 wird dann zu einer schönen und sicheren Sache – welcome to the abnormals!
 

Sinn und Unsinn von T5, möglicherweise auch die ganze Diskussion um die rechtliche Situation ist in diesem Blog außen vor. Das wird in anderen Foren breitgetreten und muss jeder für sich entscheiden. Mir geht es hier um Erfahrungen, die ich einfach teilen möchte!

Beitrag teilen!





Kommentar schreiben:


Ihr Kommentar:




Frank | am 12. Juli 2013 um 13:25 Uhr

Nachtrag 12.07.13
Inzwischen gibt es sogar Geocaching-Vereine. Oh je! Das Cachen hat somit eine Dimension bekommen, die wohl nicht im ursprünglichen Sinne war. Meine These: Der Verein ist zuerst zum Informieren und Vermitteln da, dann zum Vermitteln, dann zum Maßregeln und später als Reservereviewer oder Hobbypolizei unterwegs. Immer mehr Smartphone-Cacher finden Dosen, ohne Rücksicht auf andere oder andere Dosen oder das Hobby schlechthin zu nehmen. Einmal wollte ich mit einem Newbie, der m.E. schlechte Dosen legte, in einer von mir initiierten, gemeinsamen Wanderrunde etwas über Cachen erzählen – er kam einfach nicht. Das bestätigte mich darin, dass ich kaum noch erzähle, was ich genau beim Cachen treibe.

Auch die Anzahl der Dosen steigt. Wir müssen uns nicht wundern, wenn andere verärgert werden, weil überall “Cacher” auftauchen. Ich gehe jetzt inzwischen dazu über, nur noch mit bekannten Cachern loszugehen und dort in aller Stille T5 zu machen. Ich gehe mit Newbies nicht mehr los – es gibt ja das Allheilmittel “Internet”.

Wenn ich mir im Netz Videos und Bilder ansehe, graust es mir schon manchmal. Ohne Helm, ohne Verbindung HSK zu Gurt, ohne zusätzlichen Tube oder Achter, langhaarig geht man eben mal hoch. Ist ja soo leicht. Der zweite Cacher, selber unerfahren, filmt drauf los. Wenn dann die HSK klemmt oder die Haare abreißen (kein Scherz, selber gesehen), kommt das Gefummel und dann die Panik. Und die Alternative mittels Tube wurde nicht geprobt. Titel auf einem Foto: “So sieht das pefekte Klettern aus.” Das spricht einfach für sich…

Ich ziehe für mich daraus:
1.) Der ursprüngliche Gedanke des Cachens, auch des T5, ist nicht bekannt oder wird ignoriert.
2.) Wer klettern will, sollte sich das richtig zeigen lassen.
3.) Ich gehe nur noch mit jemandem klettern, den ich persönlich kenne. Eine einmalige negative Erfahrung mit einem “Unbekannten” reicht.
4.) Ich mag meine Big Shot und mein Kurzseil! Damit komme ich in Bäume ab 20-25m – und diese Dosen werden nicht von Newbies geloggt.
5.) Bereits ausgesprochene Angebote, das mal zu zeigen, stehen weiterhin. Darauf freue ich mich, logo. Neue Angebote zum Klettern gibt es nicht mehr. Fragen beantworte ich aber gern.
6.) Ich kenne nur einen Kletterer, der absolut puristisch unterwegs ist und nur mit Prusiks arbeitet. Aber der kann das (wirklich!), sichert sich auch dabei und kennt die Basics.
7.) Mein Material (z.B. Kambiumschoner) beschaffe ich mir im Industriekletterbedarf. Dort ist die Auswahl für mich persönlich besser und für mein Klettern am Ende risikoärmer.



Willkommen auf elchblog.de – dem Blog für News, Tipps und Tricks aus den Bereichen Outdoor, Trekking, Reisen und Freizeit. Ihr findet hier alles rund um die große Outdoor-Welt. Der Elchblog ist eine Kreation von Unterwegs – unterweg.biz dem bekannten Online Outdoor Shop.