Kleiner Reisebericht aus Norwegen

erstellt am: 01. 07. 2016 um 12:10 Uhr

Eine Woche Urlaub und akutes Reisefieber, was stellt man damit an? Zwischen all den schönen Fleckchen auf dieser Welt habe ich mich dieses Mal für den Lysefjord in Südnorwegen entschieden. Schnelle Anreise und atemberaubende Landschaft waren bei dieser Entscheidung ausschlaggebend. Ein paar Tage wandern mit leichtem Gepäck, nichts Überflüssigem und trotzdem alles dabei zu haben – das hatte ich mir vorgenommen. Als der Riesenberg Ausrüstung dann neben meinem kleinen 35 Liter Rucksack lag, zweifelte ich doch an meinem Vorhaben, aber nach kräftigem Aussortieren war am Ende doch alles im und am Rucksack verstaut. 13 kg + Wasser brachte das gute Stück nun auf die Waage. Erstaunlich, da mein normales Trekking-Gepäck meist um die 20 kg wiegt.
Preikestolen-Tipp-Unterwegs

Der Preikestolen, nervenkitzel am frühen Morgen

    Meine Packliste:
  • Merino Tshirt, Wollpullover, Primaloft Jacke, Regenjacke- und Hose, Socken und Wäsche, Stirnband
  • platzsparender Minikocher, kleiner Topf, Löffel und Messer
  • dünner Schlafsack, leichte Matte, Zelt, Wanderstöcke
  • Erste-Hilfe-Set, Zahnbürste, Waschzeug, Trekking Handtuch
  • Lebensmittel für fünf Tage bestehend aus Tüten Essen, Schokolade und Müsli
  • Karte und Kompass, Kamera, ein Buch
In der Hoffnung, trotzdem für jede Gelegenheit gerüstet zu sein, freute ich mich nun sehr auf die Reise.     Per Direktflug nach Stavanger und dann per Anhalter zum Ausgangspunkt meiner Tour, der Preikestolhytta. Das erste Stück bis zum Preikestolen ist für jeden, der Ruhe und Einsamkeit in den Bergen schätzt, der Horror. Die breit gepflasterte Touristenautobahn stört das Bild dieser friedlichen Landschaft. Aber ich kann jeden, der die gut sieben Kilometer lange, bergauf-führende Strecke auf sich nimmt verstehen, der Ausblick der uns erwartet ist grandios! Oben an der Kanzel angekommen, genieße ich die Aussicht und beobachte das bunte Treiben. Ich habe den Plan, hier oben zu übernachten, um am frühen Morgen den Preikestolen ganz für mich allein zu haben. Ein kräftiger Regenschauer vertreibt die meisten Wanderer und nachdem es ruhiger geworden ist, baue ich mein Zelt in sicherer Entfernung zur Abbruchkante auf. Während das Wasser für mein Trekking-Tüten-Essen kocht, genieße ich schon einmal die tolle Stimmung: Oben auf dem Berg über dem Fjord – und das Wichtigste: Ruhe. Zugegeben: Ich war nicht ganz allein mit der Idee hier oben zu campen, aber so gab es am nächsten Morgen zumindest die Gelegenheit zum gegenseitigen Fotoshooting – ganz allein auf dem bekannten Preikestolen.
Norwegen-Reisebericht-Unterwegs

Bei herrlichem Wetter geht’s weiter!

Da es zu dieser Jahreszeit selbst in Südnorwegen nur einige wenige Stunden der Dämmerung gibt, aber nie richtig dunkel wird, steht die Sonne schon Früh um sechs hoch am Himmel und man möchte eigentlich gar nicht mehr liegen bleiben. Alles wieder im Rucksack verstaut und weiter geht es. Am zweiten Tag meiner Tour bin ich tatsächlich keiner Menschenseele begegnet – das totale Gegenteil zum Vortag. Die Landschaft könnte nicht vielseitiger sein: Durch dichte Birkenwälder bergab, dann über Geröllfelder wieder bergauf bis über die Baumgrenze, über Fels-Plateaus und bunte Sommerwiesen und wieder hinab bis ganz zum Fjord. Alle paar Meter stehen bleiben, die Ruhe genießen und staunen. Trotzdem hatte ich an diesem Tag mehr geschafft, als ich mir vorgenommen hatte. Übrigens gar kein leichtes Unterfangen, da ich zur Planung nirgends Angaben zu Geh-Zeiten dieser Tour gefunden habe. Daher plante ich aus Angst mich zu überschätzen eher kleine Tages-Etappen ein.

Trekkingnahrung-Fjord-Kocher

Eine kleine Stärkung für zwischendurch…

Zugegeben nach einem knapp 18 km Marsch das Zelt direkt am Fjord aufzuschlagen ist ein überragendes Gefühl. Trotz des verhältnismäßig leichten Gepäcks, war das ständige auf-und-ab und die Geröllfelder ziemlich anstrengend. Schnell ein Bad im klaren Fjord, ein energiereiches Abendessen und dann die müden Knochen auf der Isomatte ausstrecken. Jeder Outdoorer wird diese Erleichterung kennen.
Fjord-Zelten-Norwegen-Unterwegs

Zelten mit Ausblick direkt am Fjord

Um 4 Uhr früh heizte die Sonne das Zelt so sehr auf, dass ich nicht länger schlafen konnte und wollte. Während ich einen besonders großen Becher Kaffee genieße, beobachtet mich ein kleiner Seehund, der neugierig am Ufer des Fjordes entlang schwimmt. Allein diese kleine Begegnung stärkt schon für den ganzen Tag und lässt den Muskelkater fast vergessen. Also weiter geht’s. Die Strecke sollte an diesem Tag deutlich leichter zu laufen sein. Ein ehemaliger Traktor-Weg, der die meisten Kilometer hinauf zur Nothütte in den Bergen führt kann man gut entlang wandern und auch die Hochmoore, durch die ich den weiteren Teil der Strecke laufe, sind nach der langen Trockenphase in diesem Gebiet kein Problem.
Lysebotn-Norwegen-Reisebericht

Ein Traum!

Ein einziger Wanderer kommt mir entgegen; und eine ganze Menge Schafe, die hier oben den Sommer verbringen und mich ein Stück begleiten. Ich bin bereits mittags an meinem angedachten Tagesziel und laufe einfach weiter, bis ich an die Straße gelange, die in Serpentinen hinunter nach Lysebotn führt. Das Dorf Lysebotn besteht aus einer Hand voll festen Einwohnern und lebt fast ausschließlich vom Tourismus. Es liegt ganz am Ende des Fjordes und ist somit ein beliebtes Ausflugsziel. Zu meinem Glück erbarmt sich ein Einheimischer meiner müden Füße und nimmt mich im Auto die steilen 700 Höhenmeter hinunter in den Ort mit. Unten angekommen beschließe ich, die Nacht auf dem Campingplatz zu verbringen. Eigentlich war ich guter Hoffnung hier noch einige Nahrungsmittel nachkaufen zu können. Doch leider lagen mir hier falsche Informationen vor: Tour-Essen gibt’s hier nicht. Naja, dann muss es eben reichen. Aber die Dusche konnte mir keiner nehmen! Ebenso wenig wie den grandiosen Ausblick über den Fjord. Ganz anders aus dieser Perspektive.
Lysebotn-Bergwelt-Ausblick

Vom Campingplatz in Lysebotn hat man ganz andere Eindrücke der Bergwelt

Die 700 HM, die ich am Tag zuvor mit dem Auto hinunter zum Fjord gefahren wurde musste ich am nächsten Morgen auf der anderen Seite ja auch irgendwie wieder hoch. Das Wetter hatte sich leider schon am Vortag etwas zugezogen und sich nun zu stetigem Nieselregen gewandelt. Die enge, steile Straße hinauf zu kraxeln trägt nicht gerade zur guten Laune bei, also wieder Daumen raus und ich durfte dieses Mal eine muntere Reisegruppe aus dem asiatischen Raum begleiten, die von meiner Ausrüstung und meinen Geschichten begeistert waren. Ihr Ziel: Der Kjerag-Bolten. Dieser in der Eiszeit dort oben eingeklemmte Stein ist mindestens genauso berühmt wie der Preikestolen – nur nicht so leicht zu erreichen. Trotz des Wetters (mittlerweile ein kräftiger Sturm und Regen) war die Strecke sehr gut begangen, aber nichts desto trotz sehr anstrengend. Dank der richtigen Schuhe waren aber auch die nassen Steine kein Problem und ich wagte mich sogar auf den Kjerag. Gänsehaut pur.
Kjerag

Der Kjerag

Der „normale“ Wanderweg führt auf gleicher Strecke wieder zurück zum Parkplatz, doch ich wollte ja noch weiter. Da ich insgesamt viel schneller unterwegs war, als ich mir das dachte, hatte ich in Lysebotn (meinem eigentlichen Zielpunkt) beschlossen, auf der anderen Fjordseite weiter zu wandern, bis der Proviant alle ist. Da diese südlichere Seite mit gut 1000 Meter über dem Meer noch etwas höher ist, als die nördliche, hatte ich statt mit Sonnenbrand in den ersten Tagen nun mit Sturm, Schneefeldern und Schmelzwasser zu kämpfen.
Reise-durch-Norwegen-Tipp

Auf 1000 Meter Höhe führt der Weg entlang des Fjordes

Ganz andere, aber nicht weniger spannende Eindrücke. Allerdings sollte die kommende Nacht nicht besonders friedlich werden. Ich suchte für das Zelt auf dem Hochplateau nach einer windgeschützten Stelle mit der ich auch zufrieden war – bis der Wind sich nachts drehte und das Zelt mit jeder Böe neu herausforderte. Selbst ich zweifelte hier an der Stärke des ultra- leichten Materials, aber erstaunlicher Weise es war überhaupt kein Problem.  
Reisetipp-Unterwegs-Schneefelder-Norwegen

Schneefelder wohin das Auge reicht…

Tag 5 meiner Runde um den Lysefjord sollte auch mein letzter sein. Durch den andauernden Regen erwachten die Bäche und Moore wieder aus der Trockenzeit und ich stand mehr als einmal bis zum Knöchel im Matsch. Gut, dass meine Wanderstiefel gepflegt und somit echt ideal für diese Gegebenheiten waren. Bei der ein oder anderen Bachdurchquerung, die aufgrund des Regens nötig war, zog ich es aber doch eher vor, barfuß hindurch zu waten, nasse Wanderschuhe sind mit das Schlimmste auf einer Tour. Dennoch war das Wetter mit passender Kleidung kein Problem und die Landschaft durch die Wolken eher noch eine Spur interessanter.    
Tentporn-Zeltausblick-Norwegen

Ausblick aus meinem Zelt

Die letzte Etappe, vom Fjell hinunter zum Fjord bestand aus einer extra Herausforderung: 4444 Holz-Stufen, entlang einer Wasserleitung hinab in den Ort Fjørli, von dem aus die Fähre mich zurück zum Ausgangspunkt bringen sollte. Zum Glück hatten die Erbauer in regelmäßigen Abständen Verschnaufe-Möglichkeiten eingerichtet, die ich dankend annahm. In dem kleinen Fischerort wartete ich nun auf die Fähre, die für die Einwohner die einzige Verbindung zur Außenwelt ist. Es ist noch einmal ein eigenes Erlebnis, vom Wasser aus die steilen Felswände zu bestaunen, auf denen man noch Tage zuvor entlang wanderte.

Svenja-Norwegen-Reisebericht

Ein großartiger Moment

Für mich war die Wanderung ein toller Beweis dafür, dass man trotz wenig Ausrüstung eine Tour in den Bergen zu einem unvergesslichen, positiven Erlebnis machen kann, wenn man denn das Richtige mitnimmt.

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