Lansky kompl

Schärfset von Lansky

In diesem Beitrag möchte ich euch einige Tipps zum Schärfen von Messern geben. Unter der Vielzahl von Schärfutensilien, Schleifsteine, Schärfsets, elektrische Schärfsysteme.., das zu finden was zu einem passt, ist nicht immer einfach bei der großen Vielzahl der angebotenen Hilfsmittel.

 

Muttis Küchenabziehstahl
Ich habe mein erstes Jagdmesser, das ich als Konfirmationsgeschenk bekam, nach einiger Zeit der Nutzung versucht zu schärfen, zuerst mit Muttis Küchenabziehstahl, dann mit einem alten Ölstein, den ich im Keller gefunden hatte. Das Ergebnis war leider weder bei dem einen, noch bei dem anderen Schleifutensil erfolgreich. So entschloss ich mich schließlich das Messer zu einem professionellen Messerschleifer zu geben. Meine damalige Vorstellung von kunstvoll geschmiedeten Samuraischwertern, deren Schliff es ermöglicht ein Haar zu spalten, waren durch einen Bericht in einer Zeitschrift in den 1980 ern, sehr klar geprägt. Und so sollte es mit meinem Messer auch werden. Voller Vorfreude wartete ich also auf das Ergebnis. Umso größer war meine Enttäuschung, als ich das Messer anschließend wieder in den Händen hielt. Ja, es war leidlich scharf, aber durch das Einspannen in die entsprechende Halterung der Schleifmaschine und dem wohl relativ groben Stein, war von den Ätzungen auf der Klinge nichts mehr zu sehen. Stattdessen war das Messer im gesamten Klingenbereich mit zahlreichen Schleifspuren überzogen. Tief erschüttert bezahlte ich den Messerschleifer und gab ihm mein halbes Monatstaschengeld. Das Messer, das für mich sehr wertvoll war, hätte ich allerdings am liebsten weg geworfen.

 

jap Stein

Zweiseitiger japanischer Wasserstein

Messer selber schärfen
So beschloss ich, meine Messer in Zukunft nur noch selber zu schärfen. Einige Zeit später lernte ich einen Kunsttischler kennen, der ein ähnlich ausgeprägtes Verhältnis zu seinen Werkzeugen, Messern und Beilen wie ich hatte. Beeindruckt war ich, dass selbst mit jedem Fahrtenbeil von ihm, eine Rasur jederzeit möglich war. Von ihm konnte ich also noch einiges lernen.

 

edge

Nicht alle Messer haben den gleichen Winkel

Da für mich Messer keine Verbrauchsgegenstände darstellen, werde ich nicht näher auf Gerätschaften eingehen, die von dem Messer einen feinen Grat abschneiden, das Schärfergebnis ist teilweise ganz ok, allerdings entwickelt sich die Fase mit der Zeit zu einem Sägeschliff, da es kaum möglich ist, einen gleichmäßigen Zug auf die gesamte Klinge auszuüben.

 

Lansky Halter

Lansky Halterung

Das Schärfset von Lansky
Entscheidend für ein gutes Schleifergebnis ist der Winkel der Fase und der Schleifstein, da je nach Modell sowohl dieser Winkel variiert als auch der Stahl sehr unterschiedlich sein kann. Das Schwierigste bei der ganzen Schleiferei ist letztendlich den vorgegebenen Winkel, gleichmäßig über die gesamte Länge der Fase beizubehalten.

Lansky mit Messer

Der Winkel wird exakt eingehalten

Ein interessantes Schleifset ist hier das Schärfset von Lansky. Es beinhaltet verschieden grobe Schleifsteine. Besonders hervorzuheben ist hierbei, dass die Winkel vorgegeben sind und so auch ohne Erfahrung ordentliche Schleifergebnisse erzielt werden können. Das Messer wird in die Halterung eingespannt und der Schleifstein mithilfe des Führungsstäbchen in die richtige Winkelposition gebracht. Um beide Seiten des Messers gleichmäßig zu schleifen, wird die Halterung umgedreht und das Führungsstäbchen in das Loch mit dem gleichen Winkel gesteckt. Nun wird mit gleichmäßigen Druck geschliffen. Ist ein gutes Ergebnis entstanden, wechselt man zum nächst feineren Stein und achtet darauf, dass man wieder dieselbe Winkelvorgabe benutzt. Vor der Benutzung wird der Schleifstein mit einem Tropfen Öl behandelt, durch das Steinstaub/ Ölgemisch entsteht das Schleifmittel mit der der Klinge feine Metallpartikel abgetragen werden.

 

Soweit die Theorie… Aber schaut selbst… hier folgt die praktische Umsetzung…

 

Crock

Crock Stick

abziehstahl

Abziehstahl für unterwegs

Einige Schärfsysteme haben Keramikstäbe, die die Aufgabe des Schleifsteins übernehmen sollen. Andere bestehen aus Metall. Solche Schärfhilfen ersetzen das Schleifen nicht. Sie dienen lediglich zum Abziehen der Fase der Klinge. Es gibt nur einen Winkel, der vorgegeben ist. Daher sind diese Systeme aus meiner Sicht immer nur ein Kompromiss, um das Messer einen gewissen Grad an Schärfe zu geben. Ein Abziehstahl erfüllt den gleichen Zweck. Hier kann man den Winkel jedoch selbst bestimmen.

 

Die interessanteste Variante ein Messer zu schärfen ist, es mit einem richtigen Schleifstein zu versuchen. Ob man einen Öl- oder einen Wasserschleifstein bevorzugt, ist allerdings reine Geschmackssache. Die Anwendung ist sehr ähnlich.

 

Der Schleifstein wird solange ins Wasser gelegt, bis keine Blasen mehr hoch steigen

Der Schleifstein wird solange ins Wasser gelegt, bis keine Blasen mehr hoch steigen

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Der Papiertest: das Messer gleitet durch das Papier

Ich persönlich bevorzuge Wasserschleifsteine. Sicherlich liegt hierbei die größte Herausforderung darin, den richtigen Winkel beizubehalten und dazu bedarf es vor allem eines: ÜBUNG! Der richtige Winkel wiederum steht normalerweise bei der Beschreibung eines guten Messers, die der Verpackung beigelegt ist. Schleifsteine gibt es in unterschiedlichen Körnungen. Das bedeutet wie grob oder fein der Stein ist. Im normalen Fall kann ich ein Messer mit einer 1000′er Körnung gut nachschleifen und wechsele danach auf eine 3000′er oder sogar die schon sehr feine 6000′er Körnung. Ist die Fase meines Messers allerdings durch Missbrauch ramponiert (Kanten, Furchen, Scharten sind mit bloßem Auge erkennbar), greife ich zu einem gröberen Stein mit zum Beispiel 500′er Körnung. Je gröber der Stein ist, desto mehr Material wird beim Schleifen abgetragen. Daher entferne ich die Scharten mit dem groben 500′er Stein solange bis wieder eine einheitliche Fase vorhanden ist. Anschließend wechsele ich auf einen Stein mit einer feineren Körnung (1000′er oder 1500′er) und beginne das Messer hiermit scharf zu machen. Je nach Messer, kann ich danach das Messer noch mit einem noch feineren Stein (hierfür empfiehlt sich eine 3000′er oder gar 6000′ Körnung) zum letzten Quäntchen Schärfe bringen. Hier möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass die maximale zu erzielende Schärfe von der Zusammensetzung des Stahls abhängig ist!

 

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Optische Prüfung des Schleifwinkels

Schleifen auf dem Wasserstein
Als Erstes legt man den Schleifstein komplett ins Wasser bis keine Blasen mehr aufsteigen. Nach etwa 10 Minuten kann mit dem Schleifen begonnen werden. Jede Seite wird abwechselnd  10 mal auf dem Stein mit sanftem Druck bewegt und zwar so, als würde man eine sehr feine Scheibe von dem Stein abschneiden. Es ist immer wieder darauf zu achten, das der Stein nass ist, daher muss man immer mal wieder einige Tropfen Wasser auf den Stein tröpfeln. Um zu überprüfen, ob ich sauber den richtigen Winkel halte, muss ich immer wieder eine Sichtprüfung vornehmen. Dabei halte ich das Messer so zu Licht, dass sich das Licht auf der Fase spiegelt. Reflektiert das Licht einheitlich auf der gesamten Fase? Herzlichen Glückwunsch! Alles richtig gemacht! Genau so weitermachen! Reflektiert das Licht auf einem schmalen Steifen zur Schneide hin, wurde das Messer zu steil gehalten. Zu flach wurde das Messer gehalten, wenn im Licht ein heller Streifen am oberen Ende der Fase in Richtung Klingenspiegel zu sehen ist.

 

Das folgende Video zeigt euch noch einmal alles Schritt für Schritt…