Hallo zusammen,

im Folgenden findet ihr wieder eine neue und spannende Kolumne von André Schumacher. Viel Spaß beim Lesen ;) Eure Dori von Unterwegs

Steckbrief Fuerteventura

Inseldaten

Fläche: 1.660 km²

Länge: 98 km

Breite: 28 km

Höchster Gipfel: Pico de la Zarza (807 m)

Einwohner: 104.072 (63 Einw./km²)

Hauptstadt: Puerto del Rosario

Reisedaten

Zurückgelegte Distanz: 163 Kilometer

Gestiegene Höhenmeter: 2.800 Meter

Zeitraum: 17.07.2012 – 06.08.2012

Für Neugierige: www.poletopole.de/fuerteventura

Übernachten

Meine Lieblingsherbergen auf der Insel! Eine jede auf ihre Weise speziell. Geführt von Menschen, die bewegen und etwas geschaffen haben, das über das bloße Urlaubmachen hinausgeht. Absolut empfehlenswert!

Casa Princess Arminda (Betancuria)

Wohl das urigste Hotel der Insel. 600 Jahre alt. Nur 4 Zimmer. Ein jedes ein Traum. Dazu das beste Bier weit und breit. Und Ziegenkäse von Don Maximino! [Link: http://www.princessarminda.com]

Hotel Marina Playa (Esquinzo)

Wohlfühlen für die ganze Familie: mit Sauna, Pool und Schwarzwälder Rauchfleisch an einem menschenleeren Strand. [Link: http://www.montemarinaplaya.com]

Tropical und die Riesengurke

Die folgende Geschichte hat sich in Betancuria zugetragen. Zumindest erklärte das vieles. Denn in den Morgenstunden jenes Tages bin ich durch die ausgedörrte Ebene der Empfängnis in südlicher Richtung gelaufen. Und wenn ich in diese Richtung marschierte, immer weiter, dann würde ich schließlich nach Betancuria gelangen. Es war der einzige Ort. Weit und breit. Doch sicher bin ich mir nicht. Dafür floss im Hause der Prinzessin Arminda zu viel Bier.

Als ich in der Abendämmerung die Wirtschaft betrat, saßen an der Bar drei Männer, und es ist überhaupt nicht unwahrscheinlich, dass sie noch heute dort sitzen: Juan, Maxi und Juanito. Juan war der Besitzer des Gasthauses. 60 Jahre alt, kahles Haupt, stechende Augen. Ein Charaktergesicht. Maxi war Ziegenhirte und einer der besten und letzten Käser der Insel. Und zwischen beiden saß Juanito. Er gehörte nicht nur zur Familie, was für sich genommen noch nichts Besonderes dargestellt hätte, da auf Fuerteventura letztlich jeder irgendwie von jedem abstammte. Er war auch Juans direkter Nachbar. Und davor der Nachbar von Juans Vater. Und davor der vom Großvater. Er wohnte dort seit 97 Jahren! Und deswegen sah man ihm vieles nach. Da waren etwa die Nächte, in denen Juanito ein Glas Rotwein nach dem anderen leerte. Ein Dutzend Gläser, spielend. Und zum Spülen noch eben so viele Biere. Danach stellte er sich mühsam auf und begann in den Hosentaschen zu nesteln. Die Hosen waren alt und bodenlos, und bis er schließlich auf Geld stieß, zogen noch drei, vielleicht vier Rum ins Land. Endlich! 62 Cents. So viel hatte er dabei. Stolzer Brust zählte er sie auf den Tresen. Zehn. Zwanzig. Vierzig. Fünfzig. Fünfundfünfzig. Siebenundfünfzig. Neunundfünfzig. Sechzig. Einundsechzig. Zweiundsechzig. Das Ganze dauerte so lange, dass selbst der Barmann daran zweifelte, ob die zwar fälligen, dafür aber umstandslos bezahlten 35 Euro einen größeren Wert gehabt hätten. Noch besser waren freilich jene Nächte, in denen Juanito mehr Geld dabei hatte. Eine ganze Handvoll Kleingeld, ein knittriger Schein. Alles in allem vielleicht sechs Euro. Er legte sie vor sich aus, plauderte eine Weile, leerte das letzte Glas. Und dann schaute er auf die Theke, fand seine Münzen und freute sich, dass das Geld nicht nur gereicht, sondern es obendrein Wechselgeld gegeben haben musste. Er steckte die sechs Euro wieder ein und ging.

Diese drei saßen also an der Bar. Vor jedem ein Glas Tropical, so nannte sich das heimische Bier, und in jedem Glas zwei Gurkenscheiben. Sie würden die Sache schmackhafter machen, fruchtiger, leichter verdaulich. Und sie belebten die Libido. Aber das Beste, so beteuerten sie: Man könne die ganze Nacht nachschenken und die Gurke verlöre nichts von ihrem Geschmack. Ich sollte es unbedingt probieren.

Kann man so ein Glas ausschlagen? Nach dem ersten Bier stimmte ich ihnen zu: Es gab eine subtile, fruchtige Note, die sich da zu Hopfen und Malz gesellte. Nach dem dritten hörte ich auf mich zu fragen, ob die Alten ihrem Bier aus kulinarischen, medizinischen oder aphrodisischen Gründen Gemüse beimischten. Nach dem achten war klar: Die Gurkenscheiben verloren nichts von ihrem Geschmack. Und beim zehnten erfuhr ich, dass das, was man bei uns gemeinhin als Koitus bezeichnet, auf Fuerteventura Pepinasso genannt wird. In etwa: die Riesengurke.