Eine Route durch dieses wunderschöne Land zu finden, bei der man alles sieht, nichts verpasst und dennoch nicht unendlich viele Kilometer fährt – das ist schon ein Kunststück. Nachdem wir auf unserer Tour durch den Norden und über die Coromandel-Halbinsel immer entlang der Küste gefahren sind, jeden Tag im Meer baden und die Wellen beobachten konnten, wollten wir noch immer nicht ins Inland fahren. Wir blieben also in den letzten Wochen weiterhin auf der Küstenstraße und durchquerten die `Bay of Plenty` Richtung Osten.

4. Wellen

Gratis Autowäsche mit Meerwasser – Abseits der Hauptstraße wird es spannend

Jetzt sind wir schon knapp 3 Monate mit unserem kleinen Campervan unterwegs. Da wir uns ja bewusst für Travel AND Work entschieden haben und unsere Reisekasse schon merklich geschrumpft ist, machten wir uns auf die Suche nach einem Job. Natürlich gibt’s hier in Neuseeland auch Jobbörsen im Netz, bei denen man allerdings mit Vorsicht suchen sollte. Leider tauchen immer wieder dubiose Angebote auf, zum Beispiel Working Hostels, bei denen Vermittler einen Job in Aussicht stellen und der Arbeiter verpflichtet wird, monatelang im überteuerten Hostel zu wohnen. Wir versuchten uns also weiter mit unserer „durchfrage-Taktik“ und hatten Erfolg. Tobi, als gelernter Diesel-Mechanic fand schnell Arbeit in der Werkstatt einer großen Spedition und ich konnte mein Geld mit Kiwi-Thinning verdienen. Wie heißt es so schön, jeder Backpacker der in Neuseeland unterwegs ist, muss einmal Kiwis pflücken. Ich habe meinen Teil also schon erledigt. Zum Glück – denn nach zwei Wochen konnte ich echt keine Kiwis mehr sehen!

4. Landschaft

Neuseeland hält landschaftlich immer neue Eindrücke für uns bereit

Mit vollem Sparschwein, aufgefüllten Lebensmittelvorräten und vollem Tank ging es für uns nach zwei Wochen Arbeit weiter Richtung Osten. Man hatte uns gewarnt: Hier ist Niemandsland. Keine Geschäfte, keine Tankstellen und keine Menschen. Nachdem wir noch Kleinigkeiten am Auto repariert hatten, ging es los. Eines sei vorweg genommen: So schlimm, wie wir es befürchteten, war es doch nicht. In der Region um das East-Cape leben die meisten Māori (das indigene Volk Neuseelands). Neben der Straße entlang der Küste sind immer wieder kleine Höfe und Häuser im Weideland. Ins Landesinnere wird es schnell bergig und bewaldet. Eine sehr karge Landschaft, die uns ein ganz anderes Neuseeland zeigte, als das bisher kennengelernte.

 

Wir wollten bis zum East-Cape: Über eine 21 km lange, geschotterte Stichstraße, bei der am Ende eine kurze Wanderung zum Leuchtturm führt. Während der Sommerzeit ist hier der Ort, um als erster Mensch am Tag den Sonnenaufgang zu sehen. Morgens um 5 Uhr kletterten wir also die 700 Stufen zum Leuchtturm empor, um mit einem Dutzend anderer (überwiegend deutscher) Touristen die aufgehende Sonne zu bewundern. Leider hatten wir uns dazu einen wolkigen Tag ausgesucht und so waren wir bestimmt nicht die ersten, die die Sonne “nur” zwischen den Wolken aufblitzen sahen.

4. MtHikurangi

Diese hölzernen Statuen symbolisieren den Gott Māoi und seine Familie

Offiziell aber ist der Gipfel des Mount Hikurangi der Ort der Welt, an dem die ersten Sonnenstrahlen des Tages die Erde berühren. Dieser 1754 m hohe Berg hat eine lange historische Geschichte. Er gilt für die Ngāti Porou (Gruppe der Māori) als heilig, denn der Tradition zufolge fischte der Gott Māui den Gipfel des Berges und zog daran die Nordinsel Neuseelands aus dem Meer. Sie wird von den Neuseeländern deshalb auch oft als `Te Ika-a-Māui` (Der Fisch von Māui) bezeichnet. Vom Ausgangspunkt auf 200 Metern über dem Meer sind es gute 13 km bis zum Gipfel. Da man über privates und heiliges Land geht, muss man vorher eine Genehmigung einholen. Eine wunderschöne Wanderung durch eindrucksvolles Gebiet. Auf ca. 1000 Metern Höhe befinden sich neun Statuen, die den Gott Maoi und seine Familie zeigen. Der Berg gilt als Symbol für Ausdauer und Stärke im Glauben der Māori. Von uns forderte er viel Ausdauer bei den steilen Kletterpassagen und Stärke bewies besonders der Wind, denn die Böen ließen uns kurz unterhalb des Gipfels umkehren. Gegen die Māori Götter sind wir eben machtlos.

 

4. Leuchtturm

Sonnenaufgang am östlichsten Leuchtturm der Welt

Die Straße entlang der Ostküste mag für viele sehr langweilig erscheinen, tatsächlich sollte man sich aber ein bisschen Zeit nehmen und die kleinen Straßen zum Meer hineinfahren, denn dort warten schöne Buchten, kleine Surfstrände und absolute Ruhe.

Wir sind nun wieder in der Zivilisation angekommen. Die Stadt Gisborne bietet nach ein paar Tagen Einsamkeit viele Eindrücke und so genießen wir das bunte Leben hier. Welche Route wir ab jetzt einschlagen, ist noch nicht sicher. Wir machen es wie die Neuseeländer und lassen einfach alles auf uns zukommen.

Entspannt sein ist das neuseeländische Lebensgefühl – und es färbt schon jetzt auf uns ab.