Tipps für unterwegs: Schnitzen mit Kindern

erstellt am: 02. 02. 2018 um 9:54 Uhr

Der Umgang mit Messern muss gelernt sein und erfordert etwas Geduld und Zeit! Sei es das Schnitzen mit Kindern oder auch das gemeinsame Gemüse schnibbeln. Sind die Grundlagen jedoch in Mark und Bein übergegangen, sind die Kids so in ihre neue Herausforderung vertieft, dass sie schnell die Zeit vergessen. Nur welches Messer ist das Richtige für den Einstieg und worauf müssen wir beim Schnitzen mit Kindern achten? Das erfahrt ihr in meinem heutigen Blogbeitrag.


Kindermesser ab wann?

Ein Messer in Kinderhänden?

Genau diese Frage hab ich mir auch gestellt als Til (damals knapp 1,5 Jahre alt) mir beim Gemüse schnibbeln helfen wollte. Zunächst reichte es ihm noch, wenn er mit mir am Tisch saß und mit seinem Spielzeugmesser an seiner Stoffkartoffel kratzen konnte, während ich das Essen vorbereitete. Er hatte jedoch schnell raus, dass nichts weiter passierte und dass seine Kartoffel so blieb wie sie war, während unser Essen bereits auf dem Herd stand. Erst als ich ihm unseren Sparschäler und das Schneiden mit einem Schmiermesser demonstrierte und ihm beides anvertraute, war er sichtlich zufrieden. Nach einer halben Stunde war die Gurke geschält, die Paprika klein geschitten und Til grinste bis über beide Ohren. Er war so stolz darauf, dass er nun richtig mithelfen konnte. Ich war überrascht, wie schnell selbst so kleine Kinder lernen, mit einem Messer umzugehen und wie konzentriert und ruhig er dabei am Tisch saß. 

DAS Einstiegsalter gibt es nicht!

Während heute Tablet, Fernsehen & Co zu unserem Alltag gehören, war das erste Taschenmesser vor einigen Jahren noch etwas ganz Besonderes. Jeder kennt die Geschichten von Michel aus Lönneberga, dem frechen, Lausejungen, der seine Eltern Tag für Tag mit seinen Streichen auf Trab hielt und seine Auszeit im Tischlerschuppen verbrachte. In den Erzählungen ist er fünf Jahre alt und verbringt täglich sehr viel Zeit mit dem Schnitzen. Obwohl Michel nur eine von vielen tollen Figuren von Astrid Lindgren ist, ist etwas Wahres dran: Das richtige Einstiegsalter zum Schnitzen mit Kindern gibt es nicht! Fünf bis acht Jahre können euch als grobe Richtlinie dienen. Kinder, die die Klinge noch nicht selbstständig auf- und einklappen können, werden vermutlich noch zu wenig Kraft haben, um einen Span vom Holz weg zu schnitzen. Entscheidend ist jedoch, dass eure Kids Interesse daran zeigen und ein Messer fest in der Hand halten können. Da es vom Kind und seinen persönlichen Fähigkeiten abhängt, bieten einige Hersteller sogar schon hochwertige Schnitzmesser für Kinder ab drei Jahren an. In diesem Alter sind die meisten Kinder dazu in Lage einen Stock anzuspitzen oder dessen Rinde zu entfernen, wenn die Eltern sie dabei begleiten.

 

Darin unterscheiden sich Kindermesser von herkömmlichen Messern...

Der wesentliche Unterschied zu typischen Messern liegt insbesondere in der abgerundeten Spitze, die die Kleinen vor Stichverletzungen schützen sollen. Darüber hinaus sind Kindermesser speziell für Kinderhände konzipiert und somit etwas kleiner als unsere normalen Messer. So sind diese mit einem kleineren Griff und einer kürzeren Klinge ausgestattet. Auch gibt es einige Kindermesser mit besonders rutschsicheren Elastomergriffen und einem ausgeprägten Handschutz. Trotz allem ist es ein scharfes Werkzeug, bei dem eine Verletzungsgefahr besteht. Daher dürfen wir unsere Kinder nie aus den Augen lassen, wenn sie ein Messer in der Hand halten!

Abgerundete Spitze bei Opinel Kindermesser

Tipp für kleine Nachwuchsköche: Das Kinder Kochmesser-Set "Le Petit Chef" besteht aus einem Küchenmesser mit einer robusten, abgerundeten Klinge aus rostfreiem Edelstahl und einem praktischen Fingerschutz. Außerdem ist das Kinder Kochmesser mit einem Fingerring ausgestattet, der dem versehentlichen Abrutschen auf die Klinge vorbeugt und somit zusätzliche Sicherheit bietet.


Ein Kindermesser? Ab wann und wofür?

Kinder haben nicht nur Spaß in der Küche. Der Einsatz mit einem Messer ist sehr vielfältig und gerade Schnitzen ist eine tolle Beschäftigung. Es fördert die Konzentration, Motorik und Ausdauer und lässt immer wieder neue Ideen zu. Obwohl viele Argumente für den frühzeitigen Umgang mit einem scharfen Messer sprechen, haben wir zunächst ein ungutes Gefühl, wenn wir ihnen das erste Mal ein Messer anvertrauen. Dabei hat sich jeder von uns bereits verbrannt, geschnitten oder ist mit seinem Rad auf die Nase gefallen. Jedes Kind, das Fahrrad fahren lernt, stürzt mal und jedes Kind, das Schnitzen lernt, wird sich irgendwann verletzen. Ein Messer ist kein Spielzeug und das lernen die Kurzen schneller als gedacht. Daher ist es umso wichtiger, dass wir ihnen den richtigen Umgang damit beibringen, sie auf die Gefahren hinweisen und dabei begleiten, wenn sie diesen scharfen Gegenstand näher kennenlernen.

 

Welches Messer ist das Richtige für den Einstieg?

Mittlerweile ist Til 4,5 Jahre alt und fordert regelmäßig ein richtiges Küchenmesser, da er nun auch gerne Kartoffeln und feste Obst- und Gemüsesorten klein scheidet. Anfangs hatte ich wirklich Bedenken, aber dann sah ich, wie viel Spaß es ihm bereitet in der Küche zu helfen und wie konzentriert er damit umgeht. Auch habe ich ihn schon mehrfach dabei beobachtet, wie er einen Stock mit dem Schmiermesser bearbeiten wollte und nicht weiter kam. Daher habe ich mich näher mit dem Thema „Kindermesser“ befasst und mich nun dazu durchgerungen, ihm sein eigenes Messer zu schenken. Informiert habe ich mich dabei über die Vor- und Nachteile der folgenden drei Messertypen für Kinder:


 

 

Kindertaschenmesser

(Klinge kann jederzeit eingeklappt werden, wenn sie nicht arretierbar ist)

Feststehendes Kindermesser

(Klinge direkt in den Griff eingearbeitet)

Kinder Multitool

(Kombination verschiedener Werkzeuge)

pro pro pro
Klinge kann bei Bedarf eingeklappt werden Sicherer Umgang, da Klinge nicht unerwartet einklappen kann Immer alles griffbereit: Messer, Säge, Feile, Schere o.Ä.
Klein und handlich Oftmals mit Handschutz ausgestattet, der das direkte Abrutschen in die Klinge verhindert Leichter und sicherer Transport
Sicherer und einfacher Transport Liegt oft besser in der Hand, da die Griffe oft deutlich stärker ausgeformt sind. Daher auch sehr gut zum Schnitzen mit Kindern geeignet!
pflegeleicht
sehr stabil
contra contra contra
Nicht so stabil im Vergleich zu feststehenden Kindermessern Verletzungsgefahr beim falschen Transport Mehrere Werkzeuge parat, größere Verantwortung


Reine Geschmackssache!

Wie bei jeder Outdoor-Ausrüstung entscheiden auch hier euer persönlicher Geschmack und die individuellen Anforderungen an das erste Kindermesser für euren Nachwuchs. Dem einen gefallen die stabilen, feststehenden Messer mit Handschutz am besten und andere bevorzugen lieber den direkten Einstieg mit einem Kinder-Multitool, um immer alles parat zu haben. Solltet ihr euch für ein Kinder-Mulitool oder ein Kindertaschenmesser interessieren, dann informiert euch insbesondere über Kindermesser mit einer arretierbaren Klinge. So vermeidet ihr das ungewollte Einklappen und verringert das damit verbundene Verletzungsrisiko. Gerade für den Einstieg mit kleinen Kindern (3 bis 6 Jahre) ist eine arretierbare Klinge absolut empfehlenswert! Ihr könnt noch so aufmerksam daneben sitzen, das Risiko ist groß, dass die Kids mal eine falsche Handbewegung damit machen und, dass die Klinge dann plötzlich völlig unerwartet einklappt und ihre Finger erwischt.

 

Geschenktipp: Das erste eigene Kindermesser ist für jedes Kind ein besonderes Ereignis. Verbunden mit einer Gravur, wird es zu einem tollen persönlichen Geschenk – sei es zur Einschulung, zu Weihnachten oder auch zum Geburtstag. Es landet nicht gleich nach dem ersten Benutzen in der Ecke und da es in den ersten Jahren nur für die gemeinsame Zeit mit der Familie aus der Schublade geholt wird, bleibt es immer eine schöne Erinnerung!


Schnitzen mit Kindern - Schritt für Schritt


Das erste Mal Schnitzen mit Kindern

Zum Schnitzen bieten sich generell kurzfaserige Holzsorten an, die Rinde muss sich also leicht lösen können. Dabei gilt, je frischer das Holz geschnitten wurde, desto leichter lässt es sich verarbeiten. Bewährte Hölzer sind die Linde, Pappel, Birke und Eiche sowie verschiedene Obsthölzer. Sind die Grundlagen im Umgang mit einem Messer geklärt, die Auswahl für das Werkstück getroffen und haben eure Zwerge eine ruhige Sitzhaltung eingenommen, können die ersten Schnitzversuche beginnen.

 

Schnitzen mit Kindern mit Böker Baumwerk, Opinel und Co

 

Beginnen solltet ihr mit ein paar leichten Anspitzübungen oder lasst sie einfach mal Stück für Stück die Rinde ihres Stocks entfernen. Wichtig ist, dass sie immer vom Körper weg und in Richtung der Holzmaserung schnitzen. Zum einen ist das Schnitzen so deutlich einfacher, erfordert weniger Kraftaufwand und zum anderen fasert das Holz nicht aus! Zugegeben: es braucht ein wenig Übung, aber es dauert nicht lange und schon bald könnt ihr ihnen die folgenden Werkzeuge bereitlegen:

  • Kindersäge
  • Schleifpapier

  • Handbohrer

  • Schnur

Sind die ersten Figuren zu erkennen, kommt der Malkasten ins Spiel. Das Schöne an dieser simplen Beschäftigung, ist die Vielfalt. Genau das ist es, weshalb Schnitzen mit Kindern so viel Spaß bereitet. Sie können ihrer Kreativität freien Lauf lassen und haben anschließend etwas in der Hand, das sie jedem und jederzeit stolz präsentieren können. Etwas, das nicht gleich beim nächsten Spiel im Regen kaputt geht und das kleinere Geschwister nicht so einfach zerreißen können, sobald sie es in ihre Finger bekommen.

 

Auf der Suche nach einer originellen Idee, bin ich übrigens auf das folgende Video gestoßen. Tolle Idee, oder?

 


 

Kleiner Tipp: Wem der direkte Einstieg mit dem scharfen Messer zu heikel ist, der kann den Kindern Kinder-Schnitzhandschuhe, ein Stück Seife und ein leicht stumpfes Messer zum Üben geben. Ein besseres Gefühl haben sie jedoch ohne Handschuhe.


Pflege von Kindermessern

Obwohl es Kindermesser sind, sollten sie scharf sein. Daher gehören sie weder in die Spülmaschine, noch dürfen sie für Gefrorenes oder Knochen verwendet werden. Außerdem solltet ihr sie mit der Zeit nachschärfen. Nur mit einem scharfen Messer macht das Schnitzen mit Kindern Spaß. Es geht leichter von der Hand und das Verletzungsrisiko ist durch den geringeren Kraftaufwand und der geringeren Gefahr, abzurutschen deutlich geringer als bei einem stumpfen Messer. Reinigt eure Messer nach jedem Einsatz mit etwas Wasser und Spülmittel. Besitzt ihr ein Kindermesser mit Holzgriff, dann vermeidet bitte ausgiebige Wasserbäder. Das Holz könnte aufquillen und die Klinge eines einklappbaren Messers könnte dann nicht mehr reibungslos in den Griff gelangen. Auch ist ab und an ein Tropfen Öl für die Pflege des Holzgriffs empfehlenswert. Ansonsten sind hochwertige Kindermesser sehr pflegeleicht, ihre Edelstahlklingen sehr robust und werden euren Kids lange Freude bereiten.

 

Tipp von Unterwegs für ein besonders pflegeleichtes Kindertaschenmesser: Das Nr 7 Outdoor Junior Kindermesser von Opinel ist eine Weiterentwicklung der beliebten Kindermesser-Serie. Es ist mit einer einklappbaren 7,5 cm langen Edelstahl-Klinge, einem kindgerechten Softgrip für sicheres Handling und einer praktischen Signalpfeife ausgestattet. Dank des bewährten Virobloc-Systems lässt es sich außerdem über einen Sicherungsring am Übergang zwischen Griff und Klinge im geschlossenen sowie im geöffneten Zustand sichern. Es ist somit ein handfestes Kindermesser, das sich prima für den sicheren Einstieg ins Schnitzen eignet und jederzeit nass und schmutzig werden kann.


10 Tipps für das Schnitzen mit Kindern:

  1. Die Klinge muss scharf sein! Eine stumpfe Klinge erhöht das Verletzungsrisiko, da hier automatisch stärker gedrückt wird und somit eine höhere Gefahr besteht damit abzurutschen (Schnittwunden von scharfen Messern heilen schneller, da sie glatt und nicht ausgefranst sind!).
  2. Frisches Grünholz ist besonders weich und leicht zu verarbeiten, aber bitte NIE in einen Baumstamm ritzen!
  3. Klare Regeln vorgeben. Erlaubt ist: Schneiden und Schnitzen. Nicht erlaubt ist: Hebeln, Hacken, Stechen, damit spielen oder herumlaufen.
  4. Wer schnitzt, der sitzt: Die Füße gehören fest auf den Boden. So haben eure Kurzen einen sicheren Halt. Die Klinge wird erst geöffnet, wenn sie bequem sitzen.
  5. Gemeinsames Schnitzen macht Spaß, aber bitte immer mit 2 bis 2,5 Armlängen Abstand zum Nachbarn!
  6. Immer vom Körper weg schnitzen.
  7. Immer in Richtung der Holzmaserung schnitzen, das ist wesentlich einfacher und das Holz fasert nicht aus.
  8. Eulenblick – immer die Umgebung im Blick behalten!
  9. Nach dem Schnitzen, Messer schließen bzw. zurück in die Messertasche und nur im geschlossenen Zustand an andere weiter reichen.
  10. Nach jedem Gebrauch Messer reinigen und abtrocknen.

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