Hallo zusammen,

sicherlich seid auch ihr schon über die unterschiedlichen “Shell”-modelle gestolpert und habt euch gefragt, wo genau der Unterschied liegt?

Mir ging es genauso. Ich musste auch erst einmal etwas recherchieren, bevor ich mir zugetraut habe, diesen Beitrag anzugehen. Ich musste quasi selbst erst einmal bei 0 anfangen, denn es hört ja nicht bei diesen beiden Begriffen aus. Mit ihnen einher gehen außerdem Laminate, Membrane, Atmungsaktivität und Wassersäule.

Ich möchte euch aber nicht weiter auf die Folter spannen. Fangen wir am besten an mit einer kurzen Gegenüberstellung der wichtigsten Eigenschaften von Hardshell- und Softshell-Jacken.

 

Hardshell Softshell
  • wasserdicht
  • atmungsaktiv
  • winddicht
  • wasserabweisend
  • atmungsaktiv
  • winddicht
  • robust
  • robust
  • langlebig
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • knickresistent
  • elastisch

Besonders bei körperlich anstrengenden Outdoor-Aktivitäten bietet sich eine Softshelljacke an. Sie schützt den Körper effektiv vor Wettereinflüssen und bewahrt ihn zum Beispiel vor dem Auskühlen durch den Wind. Gerne wird eine leichte Softshell aber auch als Ergänzung zur Regenjacke eingesetzt.

Worauf solltet ihr achten?

Grundsätzlich gibt es nicht DIE Jacke, die ich euch empfehlen kann. Bei der Qual der Wahl stellen sich zunächst einmal die folgenden Fragen:

  • Für welche Situation benötigt ihr die Jacke?
  • Inwiefern wird eure Jacke beansprucht?
  • Genügt euch eine Jacke, die atmungsaktiv ist?
  • Oder wollt ihr ein Allroundtalent, das atmungsaktiv, wind- und wasserdicht ist und noch dazu sehr robust und abriebfest?
  • Wollt ihr so lange wie möglich etwas davon haben?

Klar, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis steht sicherlich für jeden von uns an erster Stelle, aber dennoch… überlegt euch genau, weshalb ihr eine dieser …Shelljacken benötigt.

Das optimale Zwiebel-Outfit

Bei einem solch unbeständigen Wetter, wie es derzeit wieder der Fall ist, bietet sich auf jeden Fall das bewährte “Zwiebelprinzip” an:

  1. Schicht (auf der Haut)
    • Funktionsunterwäsche hält den Körper trocken und warm
    • Feuchtigkeit sollte nicht aufgesogen und gespeichert werden
    • Wäsche sollte auch im feuchten Zustand wärmen (Beispiel: Merinowolle)
    • Feuchtigkeit sollte möglichst in die nächste Schicht geleitet werden
  2. Schicht (Isolation)
    • kann bei gutem Wetter auch Außenschicht sein
    • isoliert die Wärme
    • leitet Körperfeuchtigkeit weiter (zum Beispiel Fleece)
  3. Schicht (Wetterschutz)
    • sollte atmungsaktiv sein
    • winddicht oder stark windabweisend
    • wasserdicht oder stark wasserabweisend
    • Als Beispiel seien hier Produkte mit Laminaten von Gore-Tex genannt

Für die dritte Schicht werden insbesondere Polyamide oder auch Polyester verwendet. Während Polyamide bekannt dafür sind sehr UV-empfindlich und in der Regel abriebfester als Polyester zu sein, sind Polyester wiederum deutlich UV-beständiger als es bei Polyamiden der Fall ist. Es gibt aber auch hierbei Ausnahmen. Sofern Polyamide entsprechend behandelt werden, können diese ebenfalls den aggressiven Strahlen der Sonne trotzen. Jedenfalls sind Polyamide sehr gut geeignet für längere Touren mit schweren Rucksäcken.

Warum das Zwiebelprinzip?

Ein optimales Zwiebeloutfit schützt euch vor Wind und Wetter, reguliert euren Wärmehaushalt, bereitet euch kein unangenehmes, einengendes Gefühl und bietet euch eine gute Atmungsaktivität. Damit ist gemeint, dass im Idealfall, Schweiß in reinster Form (Wasserdampf) durch eure Kleidung nach außen dringen kann und dass ihr somit nicht das Gefühl habt, unter eurer Kleidung klatschnass zu sein.

Membrane und mehrlagige Laminate

Sollten Atmungsaktivität und Wasserdichtigkeit entscheidende Argumente für den Kauf einer neuen Jacke für euch sein, dann erkundigt euch auf jeden Fall mal nach Jacken mit integrierten Membranen. Diese haben nämlich die pfiffige Eigenschaft, dass sie Flüssigkeiten und Gase voneinander trennen. Hierfür ist jedoch ein Temperaturgefälle nötig. In den Tropen würdet ihr zum Beispiel nichts von dieser tollen Eigenschaft merken. Damit die Atmungsaktivität zum Tragen kommen kann, ist also ein Temperaturgefälle nötig. Das heißt, es muss in eurer Jacke deutlich wärmer sein als es draußen der Fall ist. Erst dann gelangt Schweiß in Form von Wasserdampf durch die gitterartige Struktur der Membrane hindurch. Da die Struktur der Membrane so fein ist, gelangt lediglich der Wasserdampf durch sie hindurch, nicht jedoch Regenwasser. :)

Allein über dieses Thema könnte man einen eigenen Beitrag schreiben. Daher hier die Zusammenfassung der unterschiedlichen Laminate:

2-lagig:

  • Außenstoff mit Membran verklebt
  • rucksacktauglich für Tagesrucksäcke
  • innen Netzfutter

2,5-lagig:

  • Außenstoff mit Membran verklebt
  • zusätzliche Versiegelung
  • wandertauglich

3-lagig:

  • Außenstoff mit Membrane in dem Netzfutter verklebt
  • in der Regel recht steif (es gibt aber auch sehr weiche und geschmeidige Materialien)
  • sehr robust und abriebfest
  • genau richtig für anspruchvolle Abenteuer
  • geeignet für den Alpinbereich

 

Outdoor Award 2012 für Corkshell:

An letzter Stelle sei hier noch die neueste Entdeckung von dem Hersteller Schöller genannt: Corkshell.

Hierbei handelt es sich um die wärmste Softshell-Variante (50 Prozent höhere Wärmedämmung im Gegensatz zu bisherigen Softshell-Produkten), die es auf dem Markt gibt. Der Schweizer Gewebe- und Technologie-Spezialist Schoeller Textil AG überzeugte die internationale Expertenjury in der vergangenen Woche auf der OutDoor 2012 in Friedrichshaven mit seiner neuen Technologie und gewann mit dieser in der Kategorie “Material Innovationen” einen der begehrten OutDoor Industry Awards 2012. Die Auszeichnung ist ein Gütesiegel und bietet dem Handel wie auch Konsumenten eine Hilfestellung bezüglich Funktion, Innovation, Langlebigkeit, Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit von Produkten.

Mit der neuen Technologie ist es Schöller gelungen, erstmals Eigenschaften des Naturprodukts Kork mit denen von hochwertigen Funktionstextilien zu kombinieren. Corkshell™ bietet somit nicht nur eine höhere Wärmedämmung, sondern noch dazu eine sehr hohe Atmungsaktivität. Corkshell™ ist zudem bluesign® zertifiziert und entspricht somit einem der weltweit strengsten Textilstandards.

Ach ja, wie ihr seht, gibt es schon eine ganze Menge Informationen über die Shells.

 

Meine erste Wahl: Haglöfs Boa Q Hood

Nach meiner Recherche hab ich mich wieder in unser Lager begeben, um euch nun meine beiden persönlichen Favoriten vorstellen zu können:

Leider hatten wir die Jacke von Bergans heute noch nicht in meiner Größe in unserem Lager. Daher kann ich euch hiervon auch kein persönliches Foto präsentieren. Allerdings hatte ich ein Modell in der Hand, das eine Nummer zu groß für mich war. Daher kann ich euch über diese Jacke zumindest meinen persönlichen Eindruck schriftlich mitteilen :)

Beide Jacken gefallen mir sehr gut. Allerdings sind auch beide Jacken sehr unterschiedlich beschaffen. Zum Beispiel ist die Boa Q Hood insgesamt sehr elastisch, hat elastische Ärmelbündchen und einen elastischen Gummisaum an der Hüfte. Sie ist sehr leicht, winddicht und wasserabweisend.

An der Gaustatoppen Lady Jacket von Bergans gefallen mir vor allem der etwas längere Schnitt sowie das schicke Muster im Inneren dieser Jacke. Außerdem hat sie einen gummierten und somit knick resistenten Reißverschluss sowie Unteramreißverschlüsse und einen weichen Kinnschutz. Obwohl diese Jacke gerade mal 470g auf die Waage bringt, wirkt sie deutlich robuster und fester als meine Wahl von Haglöfs. Ich finde die Jacke von Bergans wirklich sehr gelungen und extrem schick, aber für meine Zwecke im Alltag auf dem Fahrrad eignet sich dann doch eher die Softshell von Haglöfs. Für den Alpinbereich ist sie jedoch bestens geeignet.

Die Softshelljacke von Haglöfs ist meiner Meinung nach genau die richtige Jacke für die Sommer- als auch Übergangszeit. Noch dazu stehe ich total auf Daumenschlaufen und auch diese habe ich an dieser Jacke entdecken können. Sie sind allerdings sehr gut versteckt und ich habe sie daher auch erst auf den zweiten Blick entdeckt.

An letzter Stelle möchte ich euch noch meinen farblichen, wasserdichten Favoriten vorstellen:

Die Jacke von The North Face erfüllt an sich alles, was eine wetterfeste Jacke meiner Meinung nach erfüllen sollte. Mit einer Wassersäule von 25.000mm und einem Wasserdampfdurchlass (MVTR-Wert) von 10.000 g/m²/24h entspricht sie eigentlich genau meinen Wünschen. Noch dazu gibt es diese Jacke in meiner Lieblingsfarbe.

Allerdings sind auch hier einige Unterschiede zu den beiden obigen Leichtgewichten zu nennen: Die Jacke von The Nort Face ist deutlich steifer (hätte ich vorher nie drauf geachtet, wäre ich jetzt nicht informiert :b). Sie ist gerade geschnitten und hat beliebig einstellbare Klettverschlüsse an den Ärmeln. Darüber hinaus wird der Reißverschluss durch eine Abdeckleiste geschützt. Auch diese könnt ihr mit einem Klettverschluss verschließen. Im Inneren befindet sich ein leichtes Netzfutter. Außerdem hat diese Jacke eine angeschnittene, abnehmbare Kapuze, die schnell und einfach versteckt werden kann.

Mir persönlich gefällt der Schnitt der beiden anderen Jacken deutlich besser. Ich trage Jacken eben am liebsten tailliert. Mein Favorit bleibt daher auf jeden Fall das Leichtgewicht von Haglöfs. Sie ist kaum spürbar und sieht noch dazu schick aus. Sie ist zwar nur wasserabweisend und nicht wasserdicht, aber dafür habe ich ja meinen Tatonka Suva 2-in1 Coat, von dem ich bereits in dem Beitrag “Hinter den Kulissen von Unterwegs” geschwärmt habe. Somit ist die leichte Boa Softshelljacke also eine ideale Ergänzung für mein persönliches Zwiebel-Outfit :)

Ich denke, das war erst einmal wieder genug Text für eure Augen :b

Bis zum nächsten Mal

Eure Dori von Unterwegs