Was ist eine DWR Imprägnierung?

erstellt am: 20. 04. 2018 um 9:57 Uhr

Erst informieren, dann kaufen! Das gilt vor allem für Outdoor-Bekleidung. Einfach kaufen, weil es gefällt und gut aussieht, macht in der Outdoor-Szene wenig Sinn. Während der nötigen Recherche oder Beratung, dauert es nicht lang und ihr stolpert über den ersten, unbekannten Begriff: »DWR Imprägnierung«. Diese Abkürzung ist euch sicher auch schon begegnet, oder? Und da mir bestimmt nicht jeder von euch auf Anhieb erklären kann, was das ist, beantworte ich euch die Frage „Was ist eine DWR Imprägnierung?“ in diesem Blogartikel.

Was ist eine DWR-Imprägnierung?

DWR ist eine Abkürzung und steht im Englischen für „Durable Water Repellency“, was im Deutschen „dauerhaft wasserabweisend“ bedeutet. Eine dauerhaft wasserabweisende Imprägnierung auf Funktionskleidung sorgt dafür, dass auftreffendes Wasser von außen einfach vom Obermaterial eurer Kleidung abperlt.


Diese Eigenschaft, ähnlich dem Lotusblüteneffekt, stammt ursprünglich aus der Natur und wurde von findigen Outdoor-Herstellern und Stoffproduzenten kopiert. Die Oberfläche des Materials ist dabei so „glatt”, dass die Wassermoleküle keinen Halt finden und einfach von der Oberfläche abrutschen. Dadurch nimmt die Oberfläche eines imprägnierten Kleidungsstücks kein Wasser auf und saugt sich nicht voll.

 

So sieht es aus, wenn Wasser auf eine DWR Imprägnierung trifft.

Was verhindert die DWR Imprägnierung?

Von einer DWR Imprägnierung profitiert ihr gleich doppelt:

  1. Die Jacke oder Hose saugt sich nicht mit Wasser voll, wodurch ihr schlichtweg bequemer unterwegs seid. Ein nasses Kleidungsstück – auch mit Membran – ist kalt, klamm, schwer und engt ein. Alles Zustände, die man auf Wanderschaft oder beim Trekken tunlichst vermeiden will!
  2. Kleidungsstücke mit DWR Imprägnierung besitzen häufig eine Membran – besonders Regenjacken und -hosen, sogenannte Hardshells. Diese Membranen sind nicht nur vollständig wasserdicht, sondern auch atmungsaktiv. Damit das auch so bleibt, kommt die DWR Imprägnierung ins Spiel. Sobald sich das Obermaterial mit Wasser vollsaugt und einen Wasserfilm auf der Membran bildet, kann kein Wasserdampf – also euer Schweiß – von innen nach außen transportiert werden. Dieser vollgesogene Zustand nennt sich „Wetting Out“. Das ist beim Wandern, Bergsteigen oder anderen Outdoor-Aktivitäten natürlich ebenfalls ein unangenehmer Zustand, dem wir aus dem Weg gehen möchten.

Ist meine Jacke mit DWR Imprägnierung komplett wasserdicht?

Keineswegs. Hier müsst ihr euch unbedingt den Unterschied zwischen „wasserdicht“ und „wasserabweisend“ vergegenwärtigen. Die DWR Imprägnierung lässt das Wasser lediglich abperlen. Starkregen oder Dauerregen kann auch eine Imprägnierung nicht standhalten. Zum Wandern in regenreiche Gebiete solltet ihr nicht auf Kleidung mit einer Membran und getapten Nähten verzichten. Bei leichten, kurzen Schauern und Nieselregen wird euch aber auch eine DWR Imprägnierung gute Dienste leisten.

„Dauerhaft“ gleich „dauerhaft“?

Zwar nennen die Imprägnierungen sich „dauerhaft wasserabweisend“, dennoch sind sie leider nicht dauerhaft. Nach mehrmaligem Waschen des Kleidungsstücks geht der abperlende Effekt verloren. Die Jacke saugt den Tropfen auf. Um festzustellen, ob ihr eure Imprägnierung auffrischen müsst, spritzt Wassertropfen von eurer Hand auf den Stoff. Und, saugt das Obermaterial die Tropfen auf? In dem Fall könnt ihr die DWR Imprägnierung auffrischen, indem ihr dem Kleidungsstück Wärme zuführt.

 

Ein Petunien-Blatt benötigt keine DWR Imprägnierung. Die Natur hat es mit einer wasserabweisenden Eigenschaft ausgestattet.

Wie genau kann ich eine DWR Imprägnierung reaktivieren?

  • Schritt 1: Schließt alle Reißverschlüsse und Druckknöpfe und kontrolliert, ob ihr alle Gegenstände aus den Taschen herausgenommen habt.
  • Schritt 2: Stellt sicher, dass ihr das richtige Waschmittel verwendet. Normale Waschmittel können eure Imprägnierung zerstören – genauso wie Weichspüler. Nutzt daher ein spezielles, umweltfreundliches Waschmittel, das keine Lösungsmittel und sonstige Zusatzstoffe enthält. Ich nutze dafür das Fibertec Pro Wash Eco, welches auf nachwachsenden Rohstoffen basiert.
  • Schritt 3: Vermeidet den Schleudergang, dieser beansprucht die Membran und die Oberfläche des Materials sehr stark.
  • Schritt 4: Erwärmt das Kleidungsstück ausreichend. Das funktioniert am besten mit einem Wäschetrockner – hier kann das Kleidungsstück einfach direkt nach der Wäsche im Schongang bei 60° C getrocknet und aufgeheizt werden. Falls ihr keinen Trockner habt, greift ihr zum Bügeleisen und bügelt die trockene Funktionskleidung – legt zum Schutz ein Tuch dazwischen und verzichtet auf Dampf. Solltet ihr kein Bügeleisen im Haushalt haben, greift ihr zum Fön und erwärmt eure trockene Funktionskleidung. Wärme reicht vollkommen, vermeidet zu starke Hitze!

Sollte die Auffrischung der DWR Imprägnierung keinen Effekt mehr haben, müsst ihr zum Imprägnierungs-Spray oder zur Einwasch-Imprägnierung greifen und dadurch die DWR Imprägnierung erneuern. Im Blogartikel „Unterwegs Pflegetipps für Funktionsbekleidung” erklärt Dorina, wie ihr mit dem Spray oder der Einwasch-Imprägnierung vorgeht und welche Mittel die Richtigen sind.

Ist eine DWR Imprägnierung schädlich für die Umwelt?

Es gibt verschiedene Wege, eine Imprägnierung herzustellen. Der übliche Weg lief bisher über sogenannte Fluorcarbone (PFC), chemische Verbindungen, die kein natürliches Vorkommen in der Natur besitzen. Diese Verbindungen sind von der Natur nicht abbaubar und persistent. Über die Kleidung gelangen die PFC in die Natur. Spuren finden sich dadurch in den entlegensten Winkeln der Erde und sind nachweisbar. Eine effektive Trennung der chemischen Verbindung funktioniert nur über enorme Hitzeeinwirkung.
 
Da Fluorcarbone Grund- und Trinkwasser verunreinigen, das menschliche Hormonsystem verändern oder sogar Krebs auslösen können, sind viele Outdoor-Hersteller bestrebt, ihre Kollektionen mit PFC-freier Imprägnierung anzubieten. Bei PFC-haltigen Outdoor-Produkten besteht zwar nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen kein direktes gesundheitliches Risiko, allerdings sind hier der Produktionsprozess, das Waschen von Funktionsbekleidung sowie die Entsorgung von Outdoorprodukten ein Problem. Vaude, Fjällräven und Tatonka sind bereits Vorreiter und bieten PFC-freie Kollektionen an. Gore-Tex® möchte ebenfalls in den kommenden Jahren komplett auf PFC verzichten, was einen großen Wendepunkt in der Outdoor-Branche darstellen wird. Schließlich ist Gore-Tex® in fast allen Kollektionen großer Outdoor-Marken vertreten: vom Schuh bis zum Handschuh.

 

Ich hoffe, ich konnte euch eure Frage beantworten!

Bis zum nächsten Mal

Alica vom Elchblog-Team

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Das steckt drin: Membranen bei Textilien | Elchblog.de | am 25. Juni 2018 um 14:54 Uhr

[…] nach außen. Gleichzeitig sind hochwertige Hardshelljacken mit einer dauerhaften Imprägnierung (DWR) ausgestattet. Mit dieser Kombination vermeiden die Outdoor-Hersteller, dass sich der Oberstoff […]



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