Im Juli war es wieder einmal so weit: Wandern mit den Osnabrücker Freunden stand auf dem Plan. Dieses Mal hatte Nancy die Tour selbst zusammengestellt. Da wir einmal die Osnabrücker Hütte besuchen wollten (schließlich sind einige von uns auch in der DAV Sektion Osnabrück Mitglied), wurde die Tour um diese Hütte herum geplant. Im schönen Kärnten gelegen gab es viele Auswahlmöglichkeiten, aber am Ende haben wir uns für folgende Tour entschieden:
1. Tag Ankunft in Gmünd und gemütlicher Start mit 3-4 Stunden gemächlicher Wanderung von Malta zur Gmünder Hütte (1187m)
2. Tag: von der Gmünder Hütte zur Kattowitzer Hütte (2320m), mit optionaler Besteigung des Großen Hafner (3076m)
3. Tag: von der Kattowitzer Hütte zur Osnabrücker Hütte (2032m) über die Kölnbreinsperre (1903m)
4. Tag: von der Osnabrücker Hütte zur Kölnbreinsperre, über die Schwarzhornseen durch das Kleinelendtal
Bei der Planung ist der Tourenplaner von Outdooractive sehr hilfreich, dort bekommt ihr für jede Etappe ein ein Höhenprofil, eine Karte im Maßstab 1:25.000 und zusätzlich nützliche Tipps. Die Anmeldung in der Community ist kostenlos und schnell gemacht.

1. Tag
Pflügerhof (alternativ Gemeindehaus Malta) – Gmünder Hütte
Länge: 7,5 km
Höhenmeter: 642m bergauf, 297m bergab
Dauer: 3 Stunden
Da wir unterschiedlichste Anfahrtswege hatten, haben wir als Treffpunkt Samstag, 10 Uhr, in Gmünd ausgemacht. Der Plan: nach der langen Nachtfahrt zusammen frühstücken, am Startpunkt die Autos abstellen, umziehen und los. Bevor wir uns zum Frühstück treffen, möchten zwei von uns noch schnell in den DAV eintreten. Wie der Zufall es will, ist die erste Vorsitzende der DAV Sektion Osnabrück gerade in Gmünd, sitzt mit Ihrem Kollegen vom OEAV beim Frühstück und intensiviert die seit Jahren bestehende Partnerschaft der beiden Sektionen. Sie ist auch überaus hilfsbereit. Per Telefon und Fax bekommen Annette und Maic eine vorläufige Mitgliedschaft, so dass sie sowohl Versicherung als auch Vergünstigungen auf den Hütten direkt nutzen können. Vielen Dank für die unkomplizierte Unterstützung an Melanie Grimm!

Nun aber auf zum Frühstück, die anderen warten schon! Meine Empfehlung: Bäckerei Jury, zentral im Ort gelegen, nach Wunsch belegte Brötchen, leckerer Kaffee, und vor allem: super nette Bedienung inklusive Wetterauskunft. Letztere ist leider nicht so berauschend: ab dem späten Vormittag Dauerregen. Das glauben wir aber erst, als wir am Gemeindehaus in Malta, dem Nachbarort von Gmünd und unser Startpunkt, unsere Autos abstellen und es anfängt zu tröpfeln, während wir uns umziehen. Das Tröpfeln entwickelt sich dann ziemlich schnell zum angekündigten Dauerregen. Kurzentschlossen steigen wir in den Postbus und verlegen unseren Startpunkt zum Pflügerhof, somit haben wir unsere Strecke um einige Kilometer verkürzt. Als Einstieg sind dann die 7,5 km mit 642 Höhenmetern bergauf und 297 Höhenmetern bergab für uns doch relativ übermüdete Wanderer genau richtig.

Wir setzen unsere Kapuzen auf, ziehen unseren Rucksäcken die Regenschutzhüllen über und machen uns frohgemut auf den Weg. Zunächst geht es auf einem befestigten Rad/Wanderweg gemächlich entlang dem Malta-Fluss und der Malta Hochalmstraße bergauf. Es ist genügend Luft übrig, um alle Neuigkeiten auszutauschen, denn wir haben uns schon länger nicht mehr gesehen. Nach einer Stunde versiegen die Unterhaltungen. Das Prasseln des Regens auf unsere Kapuzen wird lauter, weil der Regen intensiver wird. An der Mautstelle überqueren wir die Straße und nun geht es endlich auf einem schönen Pfad durch den Wald, weg von Verkehr und befestigtem Weg. Trotz des Dauerregens ist die Stimmung gut. Beim Hinweisschild auf den Bienenlehrpfad tönt es von hinten: “Was lernen denn die Bienen hier?” Es riecht nach Waldboden, der Regen fällt auf das Blätterdach der Bäume, findet seinen Weg aber auch bis zu uns. Mittlerweile ist alles nass, denn auch wenn die Jacken wasserdicht sind, hermetisch abschließen tun sie nicht und so rinnt das Wasser oben in den Kragen oder sammelt sich am Jackensaum. Aber was soll’s? Spaß macht es trotzdem.

Nach drei Stunden kommen wir an der Gmünder Hütte an. Diese liegt auf 1187m an der Mautstraße und ist dementsprechend keine einsame Berghütte, sondern eher ein Gasthaus, das auch ein paar Betten hat. Dass es keine DAV-Hütte im ursprünglichen Sinn ist, merken wir, als uns die nette Wirtin erklärt, dass es keinen Trockenraum gibt. Hm, wohin nur mit all den nassen Klamotten??? Wir breiten uns einfach auf dem gesamten Flur im 2. Stock aus, nutzen das Treppengeländer und jeden Nagel in der Wand, um unsere Sachen zum Trocknen aufzuhängen. Und hoffen, dass alles bis zum nächsten Tag schon wieder trocken sein wird. Es dauert ein bisschen, bis wir alle sieben die winzige Dusche genutzt haben und schön trocken gerubbelt in der Gaststube sitzen. Dort lassen wir uns dann die Kärntner Spezialitäten schmecken. Lecker!

2. Tag
Gmünder Hütte – Kattowitzer Hütte
Länge: 6,4 km
Höhenmeter: 1527m bergauf, 8 m bergab
Dauer: 3 Stunden, 20 Minuten
Optional: Besteigung Großer Hafner, zusätzlich ca. 3,5 Stunden
Nach einem leckeren Frühstück starten wir am nächsten Tag um kurz vor 9 Uhr. Alle Sachen sind trocken, bis auf die Schuhe. Tolles Gefühl, in die noch nassen kalten Schuhe einzusteigen. Egal, nach den ersten paar Metern merken wir davon schon nichts mehr. Es geht ein kurzes Stück an der Straße entlang und dann führt der Weg rechts über einen Bach in den Wald. Hier geht es in Serpentinen recht steil bergauf. Das Herz pocht, es ist doch immer noch eine ungewohnte Beanspruchung der Muskulatur. Außerdem ist es ja auch noch recht früh am Tag. Wenigstens ist es trocken, auch wenn es recht bewölkt ist.

Ab und an schafft es die Sonne durch die Wolken und beglückt uns mit wärmenden Strahlen. Nicht dass uns kalt wäre. Bei der ansehnlichen Steigung geraten wir doch schon ordentlich ins Schwitzen. Nach ca. 1 Stunde geht der Weg in einen Forstweg über, der nun nicht mehr so steil, sondern moderat bergauf führt. Da können wir uns etwas erholen. Die Bäume lichten sich und wir haben tolle Ausblicke auf die Berge ringsherum. Ab und zu tröpfelt es aus den Wolken, aber die paar Tropfen können uns nach der gestrigen Regentour nicht mehr schockieren. Wir passieren die Untere und die Obere Maralm, machen an letzterer noch eine kurze Brotzeit und gelangen irgendwann ans Ende des Forstwegs. Dort findet sich ein großer Stapel mit Holzscheiten und ein Schild, auf dem sinngemäß steht: “Wer auf der Kattowitzer Hütte eine warme Suppe essen möchte, der bringe einen Holzscheit mit.” Jeder nimmt einen Scheit in die Hand oder befestigt ihn am Rucksack.

Dann geht es noch einmal richtig steil in Serpentinen eine halbe Stunden hoch zur Hütte. Dort werden wir mit einem heißen Kaffee mit (mit dem Schneebesen) aufgeschäumter Milch verwöhnt. Lecker!
Wir stärken uns mit einem Energieriegel und machen uns auf den Weg zum Großen Hafner. Der Hüttenwirt warnt: es kann oben vereist sein! Wir schauen ihn etwas ungläubig an, denn gerade scheint hier doch die Sonne und es sind gefühlte 20 Grad!

Je höher wir steigen, desto trüber und kälter wird es. Zwar kommt die Sonne manchmal durch, aber irgendwann sind wir in den tiefhängenden Wolken. Den Gipfel sehen wir nicht mehr und als es dann auf den Grat geht, auf dem wir letzten Höhenmeter zurücklegen müssten, sehen wir, dass der Hüttenwirt recht hatte: die Felsen sind tatsächlich vereist und es hängen Eiszapfen herunter. Wir beschließen umzudrehen. Auch so haben wir noch einige Höhenmeter geschafft und tolle Aussichten genießen können.

Wieder an der Hütte angekommen, lassen wir uns das Radler schmecken.

Im Waschraum gibt es eine schöne Überraschung: es gibt zwar keine Dusche, aber das Wasser, das aus dem Wasserhahn kommt, ist lauwarm! Welch ein Luxus! Nachdem wir uns frisch gemacht haben, lassen wir uns im urigen Gastraum nieder. Es sind noch eine vierköpfige Familie und eine Zweierguppe da, mehr nicht. Die Speisekarte ist übersichtlich, aber bereits am Nachmittag hatte es lecker nach frisch zubereiteten Speisen gerochen. Wenn man Glück hat, steht auch Kaiserschmarrn auf der Karte. Ist das der Fall, kann ich nur sagen: zuschlagen!!! Erna, die Pächterin der Hütte, hat dafür wirklich ein Händchen, super lecker! An diesem Abend sitzen wir lange zusammen, spielen Uno, schnacken mit dem Wirt und trinken auch mal einen Zirbenschnaps. Der schmeckt ein bisschen so, wie ein guter Sauna-Aufguss riecht. Hüttenruhe ist um 22 Uhr, und um 21.55 Uhr sagen wir den Wirtsleuten gute Nacht.

3. Tag
Kattowitzer Hütte – Osnabrücker Hütte
Länge: 13,3km
Höhenmeter: 603m bergauf, 890m bergab
Dauer: 3-4 Stunden
Optional: Wanderung zum Brunkarsee
Als ich um halb sieben morgens mit meinem Kaffee vor der Hütte stehe und die Morgenruhe der Berge genieße, zeigt das Thermometer 1 Grad Celsius an und das Barometer “sehr schön”. Frisch, aber sonnig, schön! Nach dem Frühstück starten wir gemächlich.

Es geht erst einmal bergab, und das auf ziemlich schmalen und dabei sehr matschigen Pfaden. Hier ist Vorsicht geboten, denn schnell rutscht man seitlich ab. Teilweise fühlen wir uns auch in die Kindheit zurückversetzt, denn manchmal fühlt es sich an wie Hinkepinke – so hüpfen wir von Stein zu Stein. Auch ein großes Geröllfeld überqueren wir. Das macht mir besonders viel Spaß.

Dann kommt die Kölnbreinsperre in Sicht. Das ist die höchste Staumauer Österreichs und sie ist wirklich imposant. Natürlich ist sie auch ein Ausflugsziel, so sind wir auf einmal wieder inmitten der Zivilsation. Holländer, Familien und Senioren tummeln sich hier. Nach einer kurzen Getränkepause wandern wir mit allen anderen am Stausee entlang. Der ist mal tiefblau, mal türkis, je nach Tiefe und Sonneneinstrahlung. Irgendwann werden die Spaziergänger auch weniger und wir starten den Endspurt. Der Weg zieht sich ganz schön. Es ist eine “Autobahn”, aber am Ende kommt noch mal ein Anstieg. Durch die schwierige Wegbeschaffenheit des ersten Teils haben wir nun doch länger gebraucht, als geplant. Die optionale Wanderung zum Brunkarsee nehmen wir nun nicht mehr in Angriff. Stattdessen lassen wir uns das Radler und die Schorle auf der Osnabrücker Hütte in der Sonne schmecken.
Zusammensitzen, schnacken, oder auch mal nichts sagen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen gehört auch zu unseren Wandertagen. Einfach schön!

4. Tag
Osnabrücker – Schwarzhornseen – Kölnbreinsperre
Länge: 14,7km
Höhenmeter: 982m bergauf, 1083m bergab
Dauer: 5 Stunden
Anstatt denselben Weg zurückzugehen (der dazu ja auch noch recht unspektakulär ist) folgen wir dem Rat des Hüttenwirts der Kattowitzer Hütte und nehmen den Weg über die Schwarzhornseen durch das Kleinelendstal. Das bedeutet noch einmal richtig Höhenmeter. Und die haben es in sich! Direkt nach dem Start geht es steil bergauf, es wird sogar ein bisschen kraxelig und wir müssen auch schon mal unsere Hände zur Hilfe nehmen. Schön, dass in unserer Gruppe jeder sein eigenes Tempo bestimmen kann, niemand wird gehetzt oder gebremst. Beim Warten auf die Gruppe haben wir ja auch immer die Möglichkeit, das Panorama zu genießen. Einfach schön, wie entspannt alles zugeht.

Ja, der Aufstieg ist heftig, wir werden jedoch mit wunderschönen Ausblicken belohnt. Die Schwarzhornseen sind einfach fantastisch.

Sowohl der untere als auch der obere Schwarzhornsee spiegeln den blauen Himmel mit den Schäfchenwolken. Nach dem wir den oberen See passiert haben, geht es noch einmal steil hoch zur Zwischenelendscharte, danach haben wir “nur noch” den Abstieg vor uns.
Der ist sehr abwechslungsreich, führt mal über schmale Pfade und auch mal über große Blockschuttfelder, bei denen man genau hinschauen muss, wo man seine Füße hinsetzt. Inmitten dieser rauen Bergwelt entdecken wir kleine, wirklich sehr hübsche blau blühende Pflänzchen. Immer wieder sind wir erstaunt, dass hier oben noch etwas blüht.

Zu Hause gegoogelt weiß ich jetzt: es ist Frühlingsenzian.

Spannend auch, dass wir zwei recht große Schneefelder passieren müssen. Gut, dass wir Wanderstöcke dabei haben, denn der Schnee ist richtig rutschig und an einigen Stellen sinken wir auch recht tief ein.

Etwas weiter unten kommen uns nun auch einige Wanderer entgegen. Die Rundtour von der Kölnbreinsperre durch das Kleinelendtal zu den Schwarzhornseen ist ein Naturlehrweg und natürlich auch wegen der spektakulären Aussichten recht beliebt. Wir haben die Uhr im Blick, denn der Bus, der uns zurück nach Gmünd nimmt, fährt um 15.15 Uhr. Das schaffen wir jedoch locker. Wir haben sogar noch Zeit für eine gesunde Pommes. Davon hatte Til, mit 15 Jahren der jüngste in unserer Gruppe, schon stundenlang geschwärmt.
In Gmünd angekommen freuen wir uns über unsere bequemen Betten und die Duschen auf den Zimmern. Bevor wir diese aber ausgiebig nutzen, treffen wir uns auf ein Willkomens-Bier auf dem Marktplatz der Künstlerstadt. Kaum sitzen wir auf den Bänken, fängt es auch schon an zu regnen. Wie der Start, so das Ende.

Mein Fazit: tolle, abwechslungsreiche Wanderung in Kärnten, die auch Kondition und Trittsicherheit fordert. Durch die Möglichkeit, von den Hütten immer noch einen Gifpel oder einen See zu erwandern, ist die Wanderung auch gut geeignet für Gruppen, die ein unterschiedliches Leistungsniveau haben.

Mein Tipp: Wenn noch Zeit ist, lohnt sich ein Bummel durch die vielen Gallerien von Gmünd. Fotoausstellungen, Skulpturen, abstrakte Kunst und für Autofans das Porschemuseum; für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Meine Packliste:

  • lange Wanderhose
  • kurze Wanderhose
  • bequeme Hose für abends
  • Schlafanzug (da kann man auch das Shirt für den nächsten Tag anziehen)
  • Wanderstiefel
  • Hüttenschuhe/Badelatschen
  • warme Socken für abends
  • Waschlappen (haben nicht unbedingt immer eine Dusche)
  • T-Shirts/Funktionsshirts fürs Wandern
  • 1-2 Langarmshirts
  • Fleecejacke
  • Regenjacke
  • Blasenpflaster
  • Duschzeug
  • Wandersocken
  • Sonnenbrille
  • Mütze/Cap/Tuch
  • Hüttenschlafsack
  • Sonnencreme
  • Mückenschutz
  • ein kleines Buch oder ein Kartenspiel
  • genug Bargeld – keine Kartenzahlung!
  • Alpenvereinsausweis und Pass
  • Outdoorhandtuch
  • Handschuhe (gegen Kälte, helfen aber auch gegen Stahlsplitter von Drahtseilen an gesicherten Stellen)
  • Getränkeflasche
  • ein paar Nüsse, Energieriegel, Trockenobst für tagsüber
  • Stirnlampe oder Taschenlampe (wer will schon nachts die Treppe runterfallen, nur weil er mal zur Toilette muss?)

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Weitere Fotos von meiner Wanderung im schönen Kärnten findet Ihr im Fotoalbum auf unserer Facebook-Seite.